Wie sehr liebst Du mich?
Wie sehr liebst Du mich?(tsch) Können Huren zu Heiligen werden? Oder besser, können sie dazu gezwungen werden? Von Männern etwa, die sie lieben, oder zumindest ihre Begierde als Liebe empfinden? Ist Glück käuflich? Kann eine schöne Frau aus einem verschüchterten Bürowichtel einen strahlenden Helden machen? Den französischen Regisseur Bertrand Blier scheinen eine Menge Fragen beschäftigt zu haben, die er mit seiner amüsanten und lustvoll überzeichneten Theater-Oper-Filmkomödie "Wie sehr liebst Du mich?" (2005) beantworten könnte. Wer will, kann in den 90 farbenfrohen Filmminuten auch Antworten finden. Ein Problem dabei könnte Monica Bellucci sein, die nie sinnlicher in Szene gesetzt wurde und mit ihrer physischen Präsenz eine Menge Ablenkung bietet. Anzeige "Wie sehr liebst Du mich?" ist ein Film, der die Fantasie anregen kann, wenn man sich auf ihn einlässt. Denn Blier hat keine Scheu vor belanglosem Pathos in den pointierten Dialogen und erlaubt seinem spielfreudigen Ensemble, sich nach Herzenslust auszutoben. Das machen Monica Bellucci als Hure Daniela, Charakterglatze Bernard Campan als ihr graumäusiger Verehrer François und Gérard Depardieu als Zuhälter Charly auch nach Herzenslust. Blier gibt ihnen auch ausgiebig Gelegenheit dazu: François - einsam, schüchtern und tollpatschig - hat einige Millionen Euro im Lotto gewonnen und macht der schönen Daniela einen Vorschlag. Daniela - sinnliche, Fleisch gewordene Männerfantasie - weiß sofort, worauf er hinaus will und willigt ein, für 100.000 Euro im Monat mit ihm zu leben. So lange, bis das Geld alle ist. Doch beide haben die Rechnung ohne ihr altes Leben gemacht. Erstens verbietet Francois' schwaches Herz eigentlich heiße Abenteuer mit noch heißeren Bräuten. Zweitens liebt Daniela irgendwie ihren Beruf und fühlt sich als Hausfrau und Dauerpartnerin des immer selben Mannes nicht wohl. Drittens taucht der eifersüchtige Zuhälter und Liebhaber Charly auf und fuchtelt mit einer Pistole herum. Viertens sind François' Arbeitskollegen erst neugierig, dann indiskret und schließlich neidisch. Fünftens hat die Nachbarin Probleme mit dem lauten Sex und Danielas schlecht gespielten Orgasmen. Sechstens ... die Aufzählung ließe sich noch eine Weile fortsetzen. Aus diesen Zutaten braut sich Bertrand Blier eine lustvolle, brillant bebilderte Komödie. Die will zwar nicht immer Sinn machen (wie das Leben eben), ist aber mit all den schicken Kulissen, den satten Farben, der Wärme, dem Licht und den im Hintergrund geschmetterten Opern-Arien ein wunderbares Panoptikum an Skurrilitäten und Wahrheiten im Gefühlsleben der Menschen. Es geht nicht um kleine subtile Gesten, sondern um die ganz großen Emotionen, die auch gerne völlig übertrieben dargestellt werden können. Blier inszenierte seine Suche nach dem Glück und dem Wesen der Liebe als Theaterstück, dass die technischen Möglichkeiten und verschiedenen Kameraperspektiven des Films nutzt. Die drei Hauptcharaktere schaffen es trotz aller Absurditäten und dem ganzen Nonsens im Film tatsächlich, ein Interesse an ihrer Entwicklung zu wecken. Und alle haben in der grandiosen Schlussszene ihre Lektion gelernt: In der Liebe geht es in erster Linie um Respekt. Geld, Schwanzgröße und Monica Belluccis toller Körper sind eigentlich unwichtig. Huren können also nicht plötzlich zu Heiligen werden. Sie sind es. Die eine mehr, die andere weniger. Andreas Fischer |
Credits: Laufzeit: 94 Min. Kinostart:31.08.2006 |
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