Von einem, der aufgehört hat
Schauspieler Aaron Eckhart
(tsch) Rauchen ist tödlich? So pauschal lässt sich das nicht sagen! Zumindest nicht, wenn man wie Nick Naylor (Aaron Eckhart) als PR-Experte der Tabakmultis arbeitet. Kein Wunder, dass Nick in regem Austausch steht mit Weinbaulobbyistin Polly Bailey (Maria Bello) und Bobby Jay Bliss (David Koechner), dem Sprecher der Waffenindustrie. Ob Raucher oder Nichtraucher, in "Thank You For Smoking" (Bundesstart: 31.08.), der galligen Satire auf den scheinheiligen US-Gesundheitswahn, kommt niemand ungeschoren davon. Und Hauptdarsteller Aaron Eckhart (38) findet: "Richtig so!" Im Interview plaudert der smarte Kalifornier, der immerhin schon Renée Zellweger und Julia Roberts auf der Leinwand im Arm hielt, über das Rauchen, Politik und moralische Biegsamkeit.
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teleschau: Rauchen Sie?Aaron Eckhart: Nicht mehr. Ich habe zum Glück aufgehört. Das habe ich aber erst vor zwei Jahren geschafft und zwar mit Hilfe von Akupunktur. Heute kann ich gar nicht mehr verstehen, warum ich mal geraucht habe. Es ist eine schlimme, ungesunde Angewohnheit und man sollte ihr widerstehen. Ich fühle mich seitdem auch einfach besser. teleschau: Ihre Filmfigur Nick Naylor ist eigentlich ein ziemliches Arschloch, finden Sie nicht? Eckhart: Er macht seinen Job und darin ist er gut. Er ist ja auch nicht so kaltschnäuzig, wie die Anti-Zigaretten-Lobby ihn darzustellen versucht. Schließlich soll Nick für seine Auftraggeber ja um möglichst viele - lebende - Raucher werben. teleschau: Sie sprechen von jener Szene, in der Nick in einer Livesendung mit einem krebskranken Teenager konfrontiert wird ... Eckhart: Und der Moderator dem Publikum suggeriert, die Zigarettenindustrie wolle den Tod von Jugendlichen. Glauben Sie mir, derartige Kampagnen gibt es wirklich in den USA. Da tragen Demonstranten Särge vor die Bürogebäude von Zigarettenfirmen und unterstellen deren Marketing- und PR-Experten, sie wollten den Tod von jugendlichen Nachwuchsrauchern. Das ist doch unlogisch. Warum sollte ein Unternehmen an toten Rauchern interessiert sein. Lebende zahlen für Zigaretten. teleschau: Halten Sie sich für einen unpolitischen Menschen? Eckhart: Ja! Aber ich bin nur öffentlich unpolitisch, privat nicht. Was halten Sie von dieser Aussage? Ich finde nicht, dass ich für meine persönlichen Einstellungen werben sollte, wenn ich doch eigentlich Werbung für meinen Film machen will. teleschau: Aber Ihr Film ist politisch ... Eckhart: Das stimmt. Aber ich sehe ihn nicht als einen politischen Film. Es dreht sich darin zwar viel um Washington und die Regierung, aber es geht darüber hinaus um das Big Business, die Zigarettenindustrie, Hollywood und vieles mehr. Ich glaube, "Thank You For Smoking" ist zuallererst eine Komödie, die unterhalten will und kein ernsthafter politischer Film. Er ist eine Satire, die aber keinen Standpunkt bezieht, sich nicht für eine Seite entscheidet. Es geht darin mehr um Moral und persönliche Entscheidungen als um Politik. teleschau: Ist denn Katie Holmes' Filmfigur, die auf Nicks Kosten beruflichen Erfolg hat, moralisch verwerflicher als ihr Kontrahent? Eckhart: Nun ja, sie hintergeht mich wissentlich, um ihre Story schreiben und veröffentlichen zu können. Was mache ich denn? Ich schmiere den krebskranken Marlboro Man, damit er über sein Leiden schweigt. Im Großen und Ganzen machen wir beide nur unserem Job. Aber Nick Naylor geht wenigstens offen damit um, dass er in seinem Job "moralisch flexibel" ist - sein muss. teleschau: Moralisch flexibel muss auch Ihre nächste Figur sein, Detective Lee Blanchard in der Ellroy-Verfilmung "Die schwarze Dahlie" ... Eckhart: Immerhin so flexibel, dass er seinem Kontrahenten Bucky (gespielt von Josh Hartnett, die Red.) erst einmal die Schneidezähne ausschlägt. Dummerweise müssen die zwei danach als Team arbeiten. Ich fand schon die Romanvorlage extrem spannend, wenngleich nicht ganz so spannend wie den dreimonatigen Dreh in Sofia. Dort habe ich vor lauter Begeisterung an drehfreien Tagen dauernd Fotos geschossen. Insgesamt habe ich 50 Filme verknipst.
Kerstin Borner
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