(tsch) "Trauern für Erwachsene" fliegt ins offene Kaminfeuer, und der Rest vom Berg der Ratgeberliteratur hinterher. Jojo findet es befreiender, die gut gemeinten Geschenke der mitfühlenden Freunde brennen zu sehen, als sie zu lesen. Ihren Schmerz verdrängt sie. Das US-Drama "Moonlight Mile", das im April 2003 mit mäßigem Erfolg in den Kinos lief und von ProSieben als Free-TV-Premiere gezeigt wird, handelt vom Umgang mit einem schweren Verlust und dem Leben der Hinterbliebenen nach einem Todesfall. Susan Sarandon und Dustin Hoffman spielen Eltern, die ihre Tochter verloren haben und nun mit deren Verlobten eine seltsame und verklemmte Wohngemeinschaft bilden.
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Den Zuschauer in den ersten Minuten von seinem Film zu überzeugen - das strebte Regisseur Brad Silberling ("Stadt der Engel") hier nicht an. Er nimmt sich Zeit und erzählt in dunkelbraunen Tönen und mit in schummeriges Licht getauchten, einfallsreichen Bildern ein Drama, das zunächst auf die Tränendrüse drückt. Doch dann zieht Silberling - ohne jedoch das Tempo zu erhöhen - die Spannungsschraube unmerklich immer mehr an, indem er zeigt, was die Hauptfiguren wirklich bewegt.
Jojo (Susan Sarandon), Ben (Dustin Hoffman) und Joe (Jake Gyllenhaal, steht derzeit für David Finchers Serienkiller-Thriller "Zodiac" vor der Kamera, Start: 08.02.2007) bleiben nach dem plötzlichen Tod eines jungen Mädchens zurück, das 1973 in einem kleinen Städtchen zufälliges Opfer eines Mordschützen wurde. Die Eltern verdrängen das Geschehene: Während sich der Vater in blinden Aktivismus stürzt und sich als Immobilienmakler auf heikle Geschäfte einlässt, sitzt seine Frau, eine Autorin mit Schreibblockade, daheim und versteckt sich hinter ihrem Sarkasmus. Bei ihnen wohnt ihr Fast-Schwiegersohn Joe - die Einladungen zur Hochzeit waren schon verschickt.
Aus einem diffusen Treuegefühl heraus fühlt sich der junge Mann verpflichtet, bei ihnen zu bleiben und fungiert als eine Art Kind-Ersatz, Kumpel und neuer Partner im Immobiliengeschäft von Ben. Im Gegensatz zu den Beteiligten ist jedem Außenstehenden klar, dass diese Konstellation auf Dauer nicht funktionieren kann.
Brad Silberling erweist sich als Meister der leisen Töne. Dabei entsteht gleichsam Komik in der Tragik, die in der Unvorhersehbarkeit menschlicher Reaktionen begründet ist. Süffisant und lakonisch spielen sich Susan Sarandon als vordergründig starke und resolute Frau und Dustin Hoffman als emotional unreifes Familienoberhaupt die Bälle zu. Zu ihnen gesellt sich der damalige Newcomer Jake Gyllenhaal ("Brokeback Mountain"), der zwischen den Oscarpreisträgern zu Höchstform aufläuft. Seine Rolle beschränkt sich zwar zunächst auf die des Beobachters, der sich fehl am Platz fühlt, doch später gewinnt sie an Bedeutung.
Jan Treber
Während die Eltern das tragische Ereignis verdrängen und sich in Sarkasmus oder blinden Aktivismus flüchten, will Joe (Jake Gyllenhaal) es allen in seiner Unsicherheit recht machen und niemanden enttäuschen. (ProSieben / Touchstone Pictures)
Kommen über den Tod ihrer Tochter nur schwer hinweg: Ben (Dustin Hoffman) und Jojo Floss (Susan Saradon). (ProSieben / Touchstone Pictures)
Nach dem tragischen Ereignis besteht ihr Leben nur noch aus Trauer, Verzweiflung und Schmerz: Ben (Dustin Hoffman, links), Jojo Floss (Susan Saradon) und Joe Nast (Jake Gyllenhaal). (ProSieben / Touchstone Pictures)
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