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Match Point

Match Point

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Am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass die Welt eine Hölle ist und Gerechtigkeit eine Frage von Glück und Zufall. Woody Allen, im Kinogedächtnis als Vorsitzender der New Yorker Selbsthilfegruppe für sexuell frustrierte Neurotiker abgespeichert, überrascht mit seinem neuen Film: "Match Point" (2005) ist eine düstere Parabel über Schuld, Sühne - und Glück. Kein typisches Allen-Werk, aber eines seiner besten und vor allem bösesten. Davon waren nicht nur das Publikum, allein 850.000 Zuschauer in Deutschland, sondern auch die Kritiker begeistert. Nun erscheint der Film auf einer leider recht enttäuschend ausgestatteten Doppel-DVD.

"Match Point" ist eine echte Überraschung, die Woody Allen sich und seinen Fans zum 70. Geburtstag (war am 1. Dezember 2005) gönnte. Mit 123 Minuten ungewöhnlich lang, spielt der Film in London, kommt ohne Klarinetten aus und ohne ein Alter Ego des Regisseurs. Die Dialoge sind scharfsinnig wie immer, vom bissigen Humor bleibt im bitteren Sarkasmus aber nur eine kühle Ahnung.

"Match Point" lässt sich in kein Genre einordnen. Hier ist fast alles dabei: Gesellschaftsporträt, High-Society-Report, Liebesfilm, Tragödie und Krimi - meisterhaft verwoben zu einem spannenden Ganzen. Chris (Jonathan Rhys-Meyers) ist Mitte 20, ein Tennisprofi, der ein wenig antriebslos wirkt und sich vom Turnierzirkus verabschiedet hat. Der schnelle Reichtum, der fixe Aufstieg in eine höhere Klasse blieb aus. Also heuert er bei einem Londoner Nobelclub als Tennislehrer an. Ganz nahe bei den Menschen, zu denen er gern gehören möchte.

Um dieses Ziel zu erreichen, setzt Chris ungeahnte Energien frei. Sein erster Schüler Tom Hewett (Matthew Goode) führt ihn in den Gesellschaftsadel ein, wo sich Chris mit traumwandlerischer Sicherheit bewegt. Toms Schwester Chloe (Emily Mortimer) ist sein Ticket nach oben. Sie bietet Chris Tisch und Bett - und später die Ehe. So reich und schön, zwang- und sorglos ist das Leben plötzlich, dass man sich unwillkürlich fragt, ob hier etwa Träume wahr werden sollen?

Aber nein, sollen sie nicht. Dazu ist Woody Allen zu kompromisslos. Nach seiner sarkastischen Betrachtung der britischen Upper Class schickt er die sinnlichsten Lippen des Kinos vor die Kamera. Vorhang auf für die Romanze, die zur Tragödie wird. Nola wartet bei einen Sommerfest auf "ihr nächstes Opfer". Sie ist Toms Freundin, eine scheiternde Schauspielerin aus Amerika, und passt so gar nicht in die weißbehoste Sommeridylle.

Scarlett Johansson spielt die junge Frau so sinnlich und überzeugend, dass Woody Allen ganz aus dem Häuschen geriet und die "schöne, intelligente, kraftvolle, sexy" Darstellerin gleich für den nächsten Film engagierte. In "Scoop" (Kinostart: 16. November) spielt sie eine amerikanische Journalismusstudentin, die - wieder in London - einer großen Story auf der Spur ist und dabei eine gefährliche Affäre mit einem britischen Adligen beginnt.

Mit Nola schleicht sich die zentrale Frage des Films von hinten an, heimlich und leise. Was ist Glück? Im Fall von Chris ein Zufallsprodukt seines seelischen Abfalls und der Maxime: Zuerst komme ich, dann der Rest. In Nola findet er sein wirkliches Leben wieder, das er längst verkauft hat. Die Zwänge, die er sich aufbürdete, werden zur unerträglichen Last.

Hier fängt Allen an zu spielen und ein wirkliches düsteres Szenario der schönen neuen Welt zu entwerfen. Er schickt Chris und Nola in ein regennasses Kornfeld, lässt sie schlammverschmiert, dreckig leidenschaftlich sein. Chris begehrt, Chris liebt vielleicht sogar. Diese zweite Seite seiner Persönlichkeit eröffnet eine neue Ebene des Films, in der das Gewissen vollends kalt gestellt werden muss. Zumal Nola schwanger ist.

Denn Chris, der immer zielstrebiger seine restlichen Sympathien verspielt, verteidigt sein monetäres (Neu-)Reich mit allen Mitteln, lauter sind keine. Willkommen im Krimiteil, der mit Schrotflinte, zwei Leichen, irreführenden Beweisen und einer ungemein spannenden, psychologisch ausgefeilten Verbrecherjagd echte Thrillerqualitäten hat. Chris zittert. Die Polizei weiß, warum. Aber die Gerechtigkeit ergreift die Flucht.

Mit klaren, glanzvollen Bildern im anamorphen 16:9-Format wird die kalte Stimmung des Films unterstrichen. Die Farben sind dezent aber satt, Kontrast und Schärfe lassen keine Kritik zu. Lediglich bei den Schwarzabstufungen sind leichte Unregelmäßigkeiten auszumachen. Der Sound wurde anders, als auf der Verpackung angeben, nur in Dolby Digital Mono auf die DVD gepackt. So wie man es von Woody Allen auch in der Vergangenheit gewohnt war. Dementsprechend zurückhaltend und effektarm fällt die Tonmischung aus. Die Stärken liegen in den Dialogen und der glänzend eingesetzten Hintergrundmusik.

Eine weitere Enttäuschung ist der Bonusteil der optimistisch als Special Edition betitelten Doppel-DVD. Als Extra sind auf der zweiten Disc lediglich kurze, auf Häppchengröße zerstückelte Interviewssequenzen zu finden, die insgesamt nicht länger als eine halbe Stunde sind und als Promomaterial zum Film gedreht wurden. Das ist mager.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 1,78:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (2.0), Englisch (2.0)
untertitel Deutsch, Englisch
extras Interviews; Featurettes
laufzeit 119 Min.
tonsystem Dolby Digital Mono
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 23 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton ausreichend
bewertung extras mangelhaft

Credits:
(GB 2005, R: Woody Allen, D: Jonathan Rhys-Meyers, Scarlett Johansson, Emily Mortimer u.a.)


Kein Jazz, kein New York, keine Neurosen: Woody Allen sucht in "Match Point" nach dem Wesen des Glücks und muss sich dabei mit der Frage nach Schuld und Sühne beschäftigen.
Kein Jazz, kein New York, keine Neurosen: Woody Allen sucht in "Match Point" nach dem Wesen des Glücks und muss sich dabei mit der Frage nach Schuld und Sühne beschäftigen. (Paramount)

Seine Begierde wird ihr Verderben: Chris Wilton (Jonathan Rhys-Meyers) und Nola Rice (Scarlett Johansson).
Seine Begierde wird ihr Verderben: Chris Wilton (Jonathan Rhys-Meyers) und Nola Rice (Scarlett Johansson). (Paramount)

Das erste Treffen zwischen Chris Wilton (Jonathan Rhys-Meyers) und Nola Rice (Scarlett Johansson) wird nicht ohne Folgen bleiben. Auch wenn es zunächst nur um die richtige Schlagtechnik geht.
Das erste Treffen zwischen Chris Wilton (Jonathan Rhys-Meyers) und Nola Rice (Scarlett Johansson) wird nicht ohne Folgen bleiben. Auch wenn es zunächst nur um die richtige Schlagtechnik geht. (Paramount)

Datum: 30.08.2006

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