(tsch) Über Kunst lässt sich bekanntlich streiten. So manchem Bild begegnen die Betrachter oft mit Unverständnis und Ablehnung. Vor allem die Illustration nackter Körper regt immer wieder hitzige Diskussionen an und bemüßigt Kunsthistoriker sowie Laien zu unterschiedlichsten Interpretationen. Einer, der sich damit auskennt, ist Rudij Bergmann. Der Kunstfachmann und Autor produzierte für ARTE bereits zahlreiche Reportagen. Der Kultursender zeigt nun erstmals die vierteilige Doku-Reihe "Nackt ist die Kunst", in der Bergmann jede Menge nackter Tatsachen ins Bild rückt. Nicht nur Museumsgänger und Kunstkenner kommen dabei auf ihre Kosten.
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Pralle Früchte, nackte Menschen in teils eindeutigen Posen - unberührtes Paradies oder triebhaftes Treiben? Hieronymus Boschs Altarbild "Garten der Lüste" (1504 - 1516) gab schon immer Rätsel auf. Zwölf Jahre brauchte der mittelalterliche Maler für die Fertigstellung des so genannten Triptychons. Bosch lebte und arbeitete zu einer Zeit, als nach religiöser und sittlicher Erneuerung verlangt wurde. Seine Kritik an dieser Zeit verarbeitete der Künstler in seinen Werken, von denen der "Garten der Lüste" nun den Auftakt zur vierteiligen Reihe "Nackt ist die Kunst" bildet.
Rudij Bergmann liefert allerhand Interpretationen rund um das umstrittene Bild. Er versucht unter all den Spekulationen der Wahrheit auf die Spur zu kommen. So soll Bosch darin Praktiken einer jüdisch-christlichen Sekte, der Adamisten, festgehalten haben. Auch vermutet man in der "Heiligen Liberta" in der Mitte des Bildes seine Schwester, zu der sich der Maler angeblich hingezogen gefühlt haben soll.
Sünde oder Unschuld, lüsterne Fantasien eines alten Mannes oder Höhepunkt seines Lebenswerkes - diese Fragen drängen sich beim Anblick von Jean-Auguste-Dominique Ingres "Türkisches Bad" (1863) auf. Das Bild, das Ingre kurz vor seinem Tod im Alter von 82 Jahren schuf, zeigt 26 vollschlanke Frauen, die sich nackt in einem Bad räkeln. Schon immer hatte Ingre Akte gezeichnet, doch kein Werk ist so hervorstechend wie das "Türkische Bad", das später Pablo Picasso als Vorbild für seine "Frauen von Avignon" (1907) dienen sollte.
Auch diese stellt Rudij Bergmann im Rahmen der Doku-Reihe am Samstag, 16. September, vor. Ebenso wie Sandro Botticellis "Geburt der Venus" (9. September, 20.15 Uhr) und Francisco Goyas "Nackte Maya" (16. September, 20.15 Uhr), die unter Lebensgefahr des Künstlers sowie seines Modells entstand. 1797, als Goya das Bild malte, verteufelte die Inquisition jegliche Darstellung des Fleischlichen als Sünde und Hexerei. Auch diese historischen Hintergründe lässt Bergmann bei seinen Interpretationen nicht außen vor.
Das letzte Kapitel seiner Reihe widmet er den Männern. Am Samstag, 30. September (20.15 Uhr), präsentiert der Filmemacher unter anderem den nackten Adoniskörper von Michelangelos marmornen "David" und Caravaggios Ölgemälde "Armor als Sieger" (1601 / 1602), das sich schon den Vorwurf gefallen lassen musste, ein Lust-Stück für Päderasten zu sein.
Nina Hortig
Eine der berühmtesten Statuen ist Michelangelos "David" aus Marmor, der in der Galleria dell'Accademia in Florenz steht. (SWR / Disse)
In seiner Doku-Reihe "Nackt ist die Kunst" stellt Rudij Bergmann verschiedene Werke vor, unter anderem Botticellis "Geburt der Venus", die heute noch Kunstfreunde mit perfekten Proportionen und ihrer Schönheit begeistert. (SWR / Disse)
Für die Entstehung seines Werkes "Nackte Maya" riskierte Francisco Goya sein Leben und das seines Modells. Zu seiner Zeit, im 18. Jahrhundert, war die Darstellung nackter Körper von der Inquisition als Sünde und Hexerei verboten. (SWR / Disse)
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