(tsch) Obwohl Michael Hanekes letzter Film "Caché" mit fünf Europäischen Filmpreisen ausgezeichnet wurde - darunter für Film, Regie und Hauptdarsteller (Daniel Auteuil) - Zuschauermagnete sind seine Werke nicht. Lediglich die Jelinek-Verfilmung "Die Klavierspielerin" (2001) hatte eine respektable Kinokarriere. Selten ist die Schere zwischen Kritik und Publikum so groß wie beim in München geborenen Österreicher. Auch "Wolfzeit" (2003), den das Erste nun wiederholt, hatte an der Kasse keine Chance. Pessimistisch in der Aussage, sperrig in den formalen Mitteln weigerte sich Haneke zudem, seine düstere Endzeitstimmung auch nur ansatzweise zu erklären.
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"Einer der dunkelsten Filme der Kinogeschichte", sagt der Regisseur über "Wolfzeit", und er spricht dabei nicht nur über das negative Menschenbild, das verbreitet wird. Seine Figuren verschwinden im wahrsten Sinne im Dunkeln, denn Haneke lehnte es ab, bei Nachtszenen zusätzliches Licht einzusetzen.
Er versetzt eine ganz normale Familie ohne Vorwarnung in eine entmenschlichte Zeit. Anna (Isabelle Huppert) wollte mit Mann und Kindern eigentlich nur das Wochenende auf dem Land verbringen, als die Zivilisation zerplatzt wie ein fauler Apfel. Der Mann wird ohne Vorwarnung erschossen, Anna und die Kinder kämpfen ums nackte Überleben. Der Untergang der Welt steht bevor, eigentlich hat er in den Köpfen der Menschen schon begonnen. Eine nicht näher erklärte Katastrophe hat die Gesellschaft kollabieren lassen.
Haneke geht es nicht um das System als Ganzes, sondern um die Frage, wie die Einzelnen in einer existenziellen Extremsituation miteinander umgehen würden. Auf einem Bahnhof warten eine Hand voll Menschen auf einen Zug, der sie aus dem Sperrgebiet bringen soll. Eine Hoffnung, die sich nicht erfüllt - das Warten wird endlos und ohne Proviant zu einer Überlebensfrage.
Die Sitten verrohen, der Mensch wird sein eigener Wolf und entscheidet nach Gutdünken über Leben und Sterben lassen. Die Figuren, genau wie das Publikum, sind dieser Vision hilflos ausgeliefert. Mit der Kamera als Skalpell seziert Haneke den Verfall der Menschlichkeit und das daraus resultierende Leid. Einfach ist das nicht. Aber "Wolfzeit" ist eine intensive Interpretation des menschlichen Wesens, das sich im Individuum offenbart.
Andreas Fischer
Der österreichische Regisseur Michael Haneke zeichnet in seinem Endzeit-Film "Wolfzeit" ein düsteres Bild vom Wesen des Menschen. (BR / Wega Film)
Anna (Isabelle Huppert) versorgt eine Verletzung des Jungen (Hakim Taleb) - eine seltene Szene der Menschlichkeit. (BR / Wega Film)
Es geht ums nackte Überleben: Für Eva (Anais Demoustier) und den jungen Ausreißer (Hakim Taleb) bleibt keine Zeit für Trauer und Verarbeitung der grausamen Ereignisse. (BR / Wega Film)
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