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11.9.01 - Sprung in den Tod

11. September 2001 - Sprung in den Tod

(tsch) Es gehört zu den unerträglichsten von all den furchtbaren Bildern des 11. September 2001: Ein Mann stürzt kopfüber, kerzengerade fallend, mit angewinkelten Beinen und den Blick nach unten gewandt, aus dem Nordturm des World Trade Centers in die Tiefe. Um diese erschütternde Szene haben britische Filmemacher einen Film gedreht, den RTL II nun anlässlich des nahenden Jahrestages der Terroranschläge ins Programm genommen hat. "Die RTL II Schicksalsreportage - 11.09.2001 - Sprung in den Tod" begibt sich, so der Münchner Sender, auf die Suche nach der Geschichte dieses Mannes und fragt: "Wer war er? Welche Chancen hätte er noch gehabt?" Nun, viele werden jetzt sicher auch fragen, ob man das wirklich noch einmal sehen muss. Muss man?

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11. September 2001. Wie oft wurde in den vergangenen fünf Jahren über dieses Datum geredet, wie oft jener Zahlencode "9/11/2001" als trockenes Synonym für eine ungeheure Emotion, etwas Unfassbares, eine stumpf schmerzende Erinnerung beschworen. Was fühlen wir heute? Was fühlten wir damals? Was war das wirklich für ein Phänomen, über das nun anlässlich des nahenden Jahrestages wieder allenthalben zu erfahren ist, es sei ein "kollektiver Schockzustand" gewesen?

Versuchen wir, uns zu erinnern an den Tag, der die Welt erschütterte. Versuchen wir, uns die Bilder in Erinnerung zu rufen, die, etwa bei Peter Kloeppel bei RTL, gesendet wurden. Rasch wird klar: "11. September 2001", das sagt man so, aber der Versuch, konkret zu werden, so tief und emotional, wie es doch angemessen wäre, scheitert - weil dies ohne den Eindruck der Livebilder schlicht nicht mehr möglich ist. Keine Frage, die Terroristen hatten Kraft und Wirkung des Massenmediums Fernsehen eiskalt einkalkuliert, und die moderne Medienwelt stand dieser Instrumentalisierung völlig machtlos gegenüber.

Dieser tiefere Zusammenhang wird nun, in der Wiederholung, ohne die völlig überwältigende Wucht des Live-Ereignisses, noch viel deutlicher. Überdies: Wie all die Fernsehbilder, die damals live gesendet in ihrer Gewalt gar nicht zu fassen waren, in der heutigen Draufsicht wirken, ist ein hochinteressanter Selbststest: Der Zuschauer wird gezwungen, sich mit diesem Ereignis noch einmal emotional zu beschäftigen. Eine Pflicht, von der man sich durchs bloße Aufsagen der Formel von den "Anschlägen des 11. September" doch längst befreit sah.

Ja, der 11. September war auch der Tag, an dem sich über 200 Personen entschlossen, in den Tod zu springen, während die Welt zusah. Und nun sieht der Zuschauer bei RTL II noch einmal quälende eineinhalb Stunden lang zu, beobachtet, wie sich immer wieder von irgendwo ganz oben im WTC ein Mensch herabstürzt. Schuldzuweisungen und die Frage nach den Tätern sind in dieser Reportage zweitrangig. Vielmehr geht es, so RTL II, "um Menschen in einem Moment ohne Perspektive - und um eine letzte, grauenhafte Entscheidung". Anhand eines der meistdiskutierten Fotos nach den Anschlägen gilt es für den Zuschauer, sich der Wahrheit aufs Neue zu stellen. Ein grässliches Gefühl, aber wohl auch ein sehr wichtiges ...

"11.09.2001 - Sprung in den Tod" ist die erste Reportage der neuen Reihe "Die RTL II Schicksalsreportage", die ganz explizit auf Wirkung zielt: "Diese neue und intensive Form von Dokumentation lässt zwischen all den schrecklichen, tragischen Bildern und Geschichten Platz und Zeit für Gedanken", heißt es. Die nächste Folge: "Unheilbar - Die letzten Wochen des Jonny Kennedy" (Dienstag, 12.09).

Frank Rauscher


Anhand eines der meistdiskutierten Fotos nach den Anschlägen, das einen so genannten "Jumper" kopfüber und kerzengerade fallend zeigt, begibt sich die RTL II-Reportage auf die Suche nach der Geschichte dieses Mannes.
Anhand eines der meistdiskutierten Fotos nach den Anschlägen, das einen so genannten "Jumper" kopfüber und kerzengerade fallend zeigt, begibt sich die RTL II-Reportage auf die Suche nach der Geschichte dieses Mannes. (RTL II)

Als am Morgen des 11. September das erste Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers fliegt, arbeiten bereits mehrere hundert Leute in den obersten Stockwerken. Alle Betroffenen verstehen schnell: Die letzten Minuten in ihrem Leben haben begonnen ...
Als am Morgen des 11. September das erste Flugzeug in den Nordturm des World Trade Centers fliegt, arbeiten bereits mehrere hundert Leute in den obersten Stockwerken. Alle Betroffenen verstehen schnell: Die letzten Minuten in ihrem Leben haben begonnen ... (RTL II)

In all dem Schutt und der Asche hissen New Yorker Feuerwehrmänner die amerikanische Flagge.
In all dem Schutt und der Asche hissen New Yorker Feuerwehrmänner die amerikanische Flagge. (RTL II)

Datum: 04.09.2006

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Artikel ID 173414

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