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Frank Black

Nicht fragen, zuhören!

Sänger Frank Black

(tsch) In den 80er- und 90er-Jahren avancierte Frank Black mit seinen Pixies zu einem der wichtigsten Geburtshelfer des Indierock. Nach dem Split der Band und einem kurzen Ausflug ins Reich der auf MTV rotierenden "Alternative Superstars" zog sich der kugelrunde Kalifornier aus dem großen Popgeschäft zurück und suchte mit seiner Band The Catholics nach den Wurzeln klassischer amerikanischer Rockmusik. Doch nun eine neue, unerwartete Wendung im Fall Black: Mit Studiomusiker-Legenden wie Steve Cropper (Booker T. and the M.G.s), Buddy Miller (Emmylou Harris) oder Reggie Young (Elvis Presley) legt Frank Black sein bestes Album seit den frühen Pixies-Tagen vor.

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teleschau: Dein neues Album klingt ganz anders als die Rockplatten, die Du mit Deiner alten Band eingespielt hast. Es ist ein ruhiges Country-Album. Wie kam es dazu?

Frank Black: Vor vielen Jahren arbeitete ich mit einem Produzenten namens Jon Tiven (Wilson Pickett, B.B. King, Robert Plant, die Red.) zusammen. Damals unterhielten wir uns darüber, dass wir gerne einmal ein Album im Geiste von Bob Dylans "Blonde On Blonde" aufnehmen würden. Dylan spielte es in Nashville mit Studiomusikern aus dieser Stadt ein. Das war auch unser Konzept. Nach Nashville gehen und dort ein Album aufnehmen.

teleschau: Bist Du ein Fan des "Blonde On Blonde"-Sounds?

Black: Mehr noch als der Sound ist es die Klasse der Musiker, die auf diesem Album zu hören ist. Der Standard in Nashville war und ist unheimlich hoch. Es gibt unglaublich viele tolle Gitarristen, Schlagzeuger und so weiter. Und das bezieht sich nicht nur auf Country. Ich bin nicht besonders Genre-fixiert. Jon Tiven und ich hatten viele Jahre über dieses Projekt gesprochen, und nun zogen wir es durch.

teleschau: Das Album wurde in nur vier Tagen aufgenommen. Wie kann man sich die Arbeit im Studio vorstellen?

Black: Du gehst rein und sagst Hallo. Der Bassist David Hood schreibt die "Charts" auf - also die Akkordsymbole für die Musiker. Dann verständigt man sich: Wie viele Takte soll das dauern, wie oft kommt der Refrain, wie sieht das Arrangement aus? Dann steckst du deine Notizen ins Faxgerät, machst ein paar Kopien und verteilst sie an die anderen Musiker. Die reden kurz darüber, dass sie dieses und jenes nicht lesen können: Ist das eine fünf oder sechs? Sie holen ihre Lesebrillen raus. Der ganze Prozess der Vorbereitung dauerte etwa 30 Minuten. Dann sagt der Engineer: "Band läuft." Dann geht es los. Die Band spielt. Am Ende sagt jemand: "Wie war das, Frank? Spielen wir das nächste Stück?" So funktioniert das.

teleschau: War es wirklich so, dass Ihr Euch überhaupt nicht über das Arrangement ausgetauscht habt? Man spielt einen Song, den man noch nie gehört hat, einfach so runter?

Black: Ja, so lief das.

teleschau: Hattest Du schon einmal so gearbeitet?

Black: Nein, aber diese Typen sind einfach sehr gut. Sie haben es nicht nötig, etwas zu proben. Sie müssen nicht psychologisch vorbereitet werden. Sie sind einfach immer bereit, loszulegen. Dabei haben sie ein Auge auf den Akkordsymbolen, das andere sieht, was die Kollegen so machen. Die Ohren beschäftigen sich mit der Musik. Sie kriegen trotzdem alles mit. Sie hören dem Sänger zu, sie kommentieren, was der so macht. Es kommt mir vor als würden sie ohne jegliche Anstrengung einen Hubschrauber fliegen oder so, einfach unglaublich.

teleschau: Dass es sich bei Deiner Musik nicht um den ganz typischen Country-Sound handelte, war für sie kein Problem?

Black: Nein, diese Musiker beherrschen jeden Stil.

teleschau. Es heißt aber, dass Du nicht nur von den technischen Fähigkeiten, sondern vor allem auch vom Herzblut der Nashville-Studioveteranen beeindruckt warst ...

Black: Sie haben so viel Erfahrung. Für mich besitzen sie die Ausstrahlung von Priestern. Ich glaube, es ist am besten, das was sie tun, nicht zu sehr zu analysieren oder zu kontrollieren. Es ist besser, ihnen einfach die Gebrauchsanweisung zu geben und sie dann machen zu lassen. Nach dem Motto: Hier sind die Akkorde, lasst uns anfangen. Sie sind wirklich auf eine sehr tiefe Art mit ihrer Musik verbunden.

teleschau: Hast Du einen Lieblingssong auf dem Album?

Black: Ich denke schon. "I Burn Today", mag ich wirklich sehr gerne. Mein Produzent hat mich überredet, noch einen kleinen Refrain einzubauen, den ich erst nicht haben wollte, den ich aber jetzt ganz besonders mag. Dieses Lied fängt die Stimmung von "Blonde On Blonde" mit am besten ein, und das war ja unser Ziel. Natürlich hat die Platte auch einen eigenen Vibe, den "Honeycomb-Vibe", was noch besser ist.

teleschau: Über welche Gastmusiker hast Du dich am meisten gefreut?

Black: Am besten bekannt war mir natürlich Steve Cropper. Er ist der Berühmteste von allen und hat viele coole Songs geschrieben. Aber ich könnte niemanden herausheben. Diese Typen sind alle unglaublich gut.

teleschau: Vor einigen Jahren bist Du dazu übergegangen, die meisten Deiner Platten live im Studio und in ganz kurzer Zeit einzuspielen. Ist das immer noch Deine Lieblingsmethode, eine neues Album aufzunehmen?

Black: Ja, das ist nach wie vor so. Ich denke, es passiert, wenn du älter wirst. Man verwandelt sich in einen Vogel. Und dann will man einfach fliegen. Niemand will am Boden sitzen und rumdiskutieren, was man vielleicht machen könnte. Hauptsache, es geht was. Man weiß nie so richtig, wohin das führt, aber zunächst gilt mal: Lass uns loslegen! Ich will, dass die Musik so frei wie möglich ist von allem Drumherum. Ich habe neulich gelesen, dass Zauberer sehr ungern ihre Tricks vor kleinen Kindern vorführen. Warum? Weil die Gehirne dieser Geschöpfe leer sind. Deshalb sehen sie jeden Trick. Sie verstehen das, was den Erwachsenen verborgen bleibt. Die Kinder fallen nicht auf die Ablenkungsmanöver herein, die bei uns wirken - weil unsere Gehirne voll gestopft sind mit Informationen. Das ist wie eine Behinderung. Bei Musikern ist es ähnlich.

teleschau. Willst Du dieses Album auch live spielen?

Black: Klar. Ich weiß aber eben nicht, ob ich auch die Musiker bekommen kann, die auf der Platte mitwirken. Aber eigentlich will ich die unbedingt haben ...

teleschau: Sind die Typen nicht ziemlich teuer?

Black: Sie kriegen das, was sie kriegen. Ja, man kann sagen: Sie sind teuer! Sie verdienen dieses Geld natürlich. Aber es ist weniger eine finanzielle Frage, eher eine der Logistik.

teleschau: Was ist mit den Pixies? Da gab es Reunion-Konzerte, wird das weitergehen?

Black: Ja, wir werden weiterhin Konzerte geben.

teleschau: Gibt es auch Pläne für eine neue Pixies-Platte?

Black: Nein, im Moment scheint es für uns das Beste zu sein, nur die alten Sachen zu spielen. Das ist unser gegenwärtiger Horizont.

Eric Leimann


Auf "Honeycomb" widmet sich Frank Black dem Nashville-Sound.
Auf "Honeycomb" widmet sich Frank Black dem Nashville-Sound. (Cooking Vinyl)

Ein Pixie hat's alleine geschafft: Frank Black.
Ein Pixie hat's alleine geschafft: Frank Black. (Cooking Vinyl)

Eine Reunion der Pixies hat es gegeben - eine neue Platte schließt Frank Black aus.
Eine Reunion der Pixies hat es gegeben - eine neue Platte schließt Frank Black aus. (Cooking Vinyl)

Datum: 10.07.2005

Diskussion: "Frank Black"

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Artikel ID 157095

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