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Kauf-DVD: "Stage Fright" - Motörhead

"Rockstars? Alles Arschlöcher!"

Band Motörhead

(tsch) Dass eine Band 30 aktive Jahre auf dem Buckel hat, ist ungewöhnlich. Dass eine Band diesen Zeitraum ohne nennenswerte Auszeiten oder Stiländerungen durchlief, nein, das gibt es nicht oft. Eine kleine Sensation jedoch ist es, wenn diese Band in der Gegenwart noch so energiegeladen und unbeirrt ihren Stiefel durchzieht wie zu Beginn ihrer Karriere. Diese Band ist Motörhead. Ihr Kopf ist eine der charismatischsten Gestalten der Hardrock-Szene: Ian Kilmister, besser bekannt als Lemmy. Die DVD "Stage Fright", ein Konzertmitschnitt aus dem letzten Jahr, hat es weit nach oben in die Charts geschafft, der bärtige Frontmann wird im September mit dem ersten "Living Legend"-Award ausgezeichnet, und die nächste Tournee steht bereits. Dass es gerade in Deutschland so gut für das Trio aussieht, dafür hat Lemmy eine Erklärung parat: "Die Deutschen sind sehr loyal. Sie haben immer zu uns gehalten. Als wir ausgehungert waren, konnten wir jederzeit zu ihnen gehen und bei ihnen spielen. Ich denke, wenn man in Deutschland eine Band mag, dann schmeißt man sie nicht weg, sobald neue Bands aufkommen."

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Lemmy sitzt in seiner Wahlheimat Kalifornien am Telefon. Und er redet an diesem Abend gerne. Nicht erstaunlich, weiß er doch, dass es wieder "modern ist, Motörhead zu mögen". Die Kids sind wieder da, werden von den Kameras auf "Stage Fright" eingefangen und bejubeln das Trio. Darüber freut sich Lemmy: "Das ist großartig! Aber schau', unsere Musik ist auch jung. Es ist keine alte Musik. Es ist gute Musik, auch wenn viele Leute sie schlecht machen. Ich bin zufrieden damit. Wenn ich denken würde, dass es minderwertige Musik ist, dann müsste ich doch aufhören." Lemmy lacht. Auf eine Weise, die ebenso ehrlich wie einnehmend ist. Und dieses Lachen kommuniziert unmissverständlich: Rock'n'Roll ist Spaß, egal, wie laut und hart es zugehen mag.

Damit hat es zu tun, wenn Drummer Mikkey Dee auf der DVD feststellt, dass sich ein Motörhead-Konzert nur schwer für die Nachwelt festhalten lässt. Lemmy erklärt's genauer: "Na ja, weißt du, einige Bands sind von Natur aus geeignet für das Fernsehen. Judas Priest beispielsweise, die machen jeden Schritt richtig und so. Das sind wir nicht. Es ist schwer, unseren Humor festzuhalten. Wir albern auf eine Art einfach herum." Wieder Lachen, dann weiter: "Und wir sind sehr laut. Es ist schwer, diesen Sound einzufangen."

Vielleicht war es das Wissen um diese Schwierigkeit, welches die Macher von "Stage Fright" zu besonderen Mitteln greifen ließ. Die Lichtshow beispielsweise, die bei aller Opulenz nicht ganz zu dem nahbaren, ungeschminkten Image der Band passen will. "Die war wirklich nur für die DVD, ansonsten haben wir sie nicht benutzt. Ja, das war der Lichtkerl von Rammstein. In Wirklichkeit hat er jeden verdammten Einsatz verpasst." Erneutes Lachen. "Egal, auf der DVD kommt sie gut rüber." Ebenso wie die Songs. Alt und neu lassen sich problemlos kombinieren, kein Wunder, denn wirklich verändert hat sich der Motörhead-Sound nie. Ob er denn jemals über so etwas nachgedacht hat? "Nein. Wir machen unterschiedliche Dinge innerhalb dessen, was wir tun. Wie beispielsweise damals '1916', ein Track ohne Gitarren, Bass und Schlagzeug. Oder 'Whorehouse Blues', der akustische Song auf dem neuen Album. Wir bleiben unseren Wurzeln treu. Manchmal verändern sich Bands, weil sie denken, dass die Leute das erwarten. Das ist ein schrecklicher Irrtum. Weil die Leute eigentlich überhaupt nichts erwarten, außer den Sachen, die du ihnen gibst. Wenn du ihnen eine Konstante bieten kannst, eine Art Bestätigung, hier und da leichte Änderungen einbauen kannst, aber immer einige Songs im alten Stil machst, dann, tja, warum solltest du daran etwas ändern?"

Eins stellt Lemmy klar: " Ich genieße das, was ich spiele. Ich würde es nicht genießen, wenn wir Sachen anders machen würden, nur damit sie zu einem verdammten HipHop-Trend oder was auch immer passen. Ich würde mein Herz darin nicht spüren." Und, als wenn er diese Einstellung, seine Besinnung auf die Grundwerte des Musikerlebens noch einmal bestätigen wollte, kommt als Antwort auf die Frage, was er denn von dem Begriff des Rockstars hält: "Rockstars? Ich habe viel zu viele Rockstars getroffen. Es waren alles Arschlöcher." Noch einmal: Lachen, diesmal länger.

Man glaubt Lemmy seine Antworten, im Gegensatz zu seinem Alter. Den 60. Geburtstag wird er dieses Jahr feiern, und während sich die meisten seiner Kollegen an dieser Schwelle mit introvertierten, ruhigen Platten in die kleinen Clubs zurückgezogen haben, werden Motörhead weiter die Hallen zum Kochen bringen. Und wahrscheinlich in ihren Verträgen eine erstklassige Klimatisierung auf der Bühne zur Bedingung machen. Denn Temperaturen über 50 Grad waren der Grund, warum Lemmy kürzlich einige Festivals absagen musste. "Ich war dehydriert. Wir machten eine Show in Frankreich, und das war zuviel. Keine Ventilatoren, nichts, um die Luft zu bewegen. Mikkey war fast außer Gefecht gesetzt, und der ist 20 Jahre jünger als ich. Ich sollte mehr Wasser trinken, weißt du. Weil ich eben nur Jackie-Coke zu mir nehme. Und das einzige Wasser da drin sind die verdammten Eiswürfel." Ein letztes Mal, dieses Lachen. Dann Ende. Halb so schlimm, es geht weiter, bereits in diesem Herbst sind Motörhead wieder bei uns zu Gast. Und nachdem der Telefonhörer aufgelegt ist, genehmigen wir uns auch einen Drink. Mit zwei Eiswürfeln. Prost, Mr. Kilmister!

Alexander Diehl


Ein Mann wie eine Burg: Lemmy von Motörhead.
Ein Mann wie eine Burg: Lemmy von Motörhead. (SPV)

Seit 30 Jahren sind Motörhead im Rock'n'Roll-Zirkus unterwegs. Kurswechsel? Fehlanzeige!
Seit 30 Jahren sind Motörhead im Rock'n'Roll-Zirkus unterwegs. Kurswechsel? Fehlanzeige! (SPV)

Nach wie vor eine der hardest working Bands im Genre: Motörhead.
Nach wie vor eine der hardest working Bands im Genre: Motörhead. (SPV)

Datum: 14.08.2005

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