Pur Es ist wie es ist
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"Es ist wie es ist" stellen Pur auf ihrem 21. Album (inkusive aller Best Ofs und Live-CDs) lapidar fest. Gleich der Titeltrack legt den Verdacht nahe, Pur, allen voran Mastertexter Hartmut Engler, wären unter die resignierten Zeigefingerzeiger gegangen. "Es ist wie es ist, du bist was du bist, du lebst mit den Freuden und lebst mit den Leiden" - Seufz, wo ist der Strick? ...Natürlich täuscht dieser pessimistische Einsteiger, den Engler unter dem drohenden Damoklesschwert seiner schlimmen Stimmband-Erkrankung schrieb, denn Pur pflegen weiterhin den Stil, mit dem sie sich so viele Fans in ganz Mitteleuropa verdienten. Sie bleiben weiter auf dem schmalen Grat zwischen Liedermacherklängen und anspruchsvollem Schlager, pflegen die Verquickung von starker Melodik und rockigen Elementen. Das Liebeslied "Mit Dir", das Progrock-Elemente ausgräbt, demonstriert dazu repräsentativ eine Art neuen alten Pur-Zugang zur Musikgeschichte. Komponist Ingo Reidl bastelt derzeit sehr gerne an Songstrukturen, bei denen ein Sangesteil den nächsten ablöst, ein Lauf dazwischen den nächsten Übergang einleitet. Leider vermögen Pur auf diese Art keine mitsingbare oder hitträchtigen Songstrukturen zu schaffen, auch wenn einzelne Teile wie "SOS" für und über mittellose Kinder (der Erlös kam den S.O.S.-Kinderdörfern zugute) mitreißende Titelzeilen aufweisen. Dass Pur so viele Jahre in derselben Besetzung zusammen sind - Engler, Reidl, Martin Ansel als Produzent, Joe Crawford, Rudi Buttas und Roland Bless - birgt natürlich die Gefahr, sich selbst zu wiederholen, was die Band bei der Single "Weil du bei mir bist" auch schamlos tut. Aber vielleicht hätte diese schlichte, schlagerhaft-glatte und dynamische Romantik à la "Weil du bei mir bist", "Wunderschön" oder "Bis der Morgen kommt" den Fans besser gefallen, als die verschwurbelten Songstrukturen, in denen Engler seine endlosen Erzählungen abgibt. "Immer wieder" zum Beispiel, das zwischen freundlicher Melancholie und rockigem Refrain schwankt, zwischen mitfühlender Gutmenschthematik und finaler Rockigkeit, scheint ein typisches Beispiel. Auch der spirituellen Seite der Band wurde ein Song gewidmet, "Glauben", der gefährlich nahe am unerträglichen VHS-Philosophentum entlangschrammt. "Der arme graue Kater" über einen alternden Aufreißer hingegen erklingt leichtfüßig und würde Reinhard Mey zur Ehre gereichen, wenn er das Rockschlagzeug und die Queen-Gitarren weglassen würde. "Streiten" zeigt sich als feinsinniges Psychogramm einer festgefahrenen Beziehung. Interessant ist, dass sich Engler noch stärker für eine gerechtere Verteilung der Güter dieser Welt stark macht (was bei Menschen der Pur-Einkommensklasse schnell zynisch werden kann, nicht jedoch hier). Wenn wir nicht wüssten, dass Pur als Pur erst im Jahre 1985 gegründet worden sind und von den 70er-Vorbildern weg wollten, könnte man glatt behaupten, sie haben sich zu jener Zeit zurückbewegt, als sie als Opus von Genesis, Novalis, Saga, Yes oder Queen beeinflusst waren. Zeitweise erinnert der Sound sogar an frühe Deutschrockbands wie City oder Karat. Schön: Der Song "Danke" an die Fans, besser kann man es nicht sagen, ein wundervolles Geschenk mit Kinks-Reminiszenzen.
Kati Hofacker
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