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Snakes on a Plane

Snakes on a Plane

(tsch) Dem Film hätte es gut getan, nie in die Kinos zu kommen. Hätte er sich weiterhin auf einer hypothetischen Ebene bewegt, ja wäre seine Produktion gar gescheitert: Nichts hätte seinem legendären Status im Weg gestanden. "Snakes on a Plane" heißt der Actionthriller, um den in den vergangenen Wochen und Monaten mehr Wind gemacht wurde als um reichlich brisantere Filme, wie Al Gores "Eine unbequeme Wahrheit" zum Beispiel. "Schlangen im Flugzeug": Selbst die Übersetzung ins Deutsche offenbart die betörende Einfachheit des Titels, der Hunderte von Internetnutzern dazu brachte, digitale Schreine in Form von Weblogs oder selbst gedrehten Videos im Internet zu errichten. Doch es kam anders, als sich Produzenten und die letztendlich als Minorität entlarvte Fanschar erhofft hatten: Die Schlangen wurden auf das mit hochtrabenden Erwartungen aufgeheizte US-Publikum losgelassen und gingen kläglich zu Grunde, ohne das davon sonderlich Notiz genommen wurde. Die Zuschauermassen blieben aus, der Schlangen-Zauber entpuppte sich als simpler Horrorfilm.

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Die Häme der US-Presse ließ nur wenige Tage auf sich warten. Dabei bietet "Snakes on a Plane" mehr als, wie "Entertainment Weekly" zynisch feststellte, einen unterhaltsamen Titel. Die Inszenierung von Regisseur David Ellis ist grundsolide und orientiert sich an üblichen Vorbildern des Katastrophenfilms aus den 70er-Jahren.

Von der Eröffnungssequenz an, die mit einem Kameraflug über Hawaii beginnt und schließlich damit endet, dass der Sohn eines Staatsanwalts dabei zusehen muss, wie sein Vater von einem Mafiaboss mit einem Baseballschläger ermordet wird, lebt der Film eben jene Erwartungen aus, die über die vergangenen Monate im Internet gewachsen sind: Eine beinahe schmerzhaft vorhersehbare Handlung, ein uninspirierter, dafür krachend-lauter Soundtrack und Dialoge, die den Darstellern teils direkt von den Fans auf die Lippen geschrieben wurden - und die sich auch so anhören. Samuel L. Jackson sagt: "I've had it with these motherfuckin' snakes on this motherfuckin' plane", und der Jubel in zumindest einer Kinosaalecke im auch noch so kleinen Provinzkino ist ihm sicher.

Jackson führt als FBI-Agent und Heldenfigur die sonst wenig bekannte Darstellerriege mit Julianna Margulies ("Emergency Room", "Sopranos") als Stewardess und Nathan Phillips ("Wolf Creek") als Zeuge des Mordes an. Letzterer wird von Hawaii nach Los Angeles geflogen, um seine Beobachtungen vor Gericht wiederzugeben und den Mafiosi hinter Gitter zu bringen. Um das zu verhindern, lässt dieser aggressive Giftschlangen an Bord des Linienfluges schmuggeln, die in 10.000 Meter Höhe bald Angst und Schrecken verbreiten.

Der Film liefert demnach genau das, was zuvor in den zahlreichen Internet-Foren artikuliert wurde. Der Regisseur ließ sogar viele Szenen nachdrehen. Der Grundtenor: mehr Gewalt, mehr Sex und mehr coole Sprüche. So kommt es nicht von ungefähr, dass sich Jackson von einem Einzeiler zum nächsten zu hangeln scheint. Unter den potenziellen Opfern finden sich außerdem Vertreter gesellschaftlicher Randgruppen, die offenbar besonders gerne gepeinigt gesehen werden: Übergewichtige, (scheinbar) Homosexuelle, Tierfreunde, Angsthasen.

Der Film ist keineswegs so schlecht, dass er im Augenschein des Betrachters wieder gut ist. Eine "B-Movie-Qualität" ist "Snakes on a Plane" nicht zuzusprechen. So schaden die vielseitig geweckten Erwartungen dem Thriller mehr, als das sie ihm geholfen haben: Es ist ein klassischer Horrorfilm mit einer angemessenen Dosis an Schockeffekten und dem heutzutage üblichen Anteil von Ekelszenen, der seine Geschichte routiniert abspult. Nicht schlecht, aber eben nicht der Rede wert. Dem Drehbuch, so flexibel Inhalt und Struktur am Ende auch gehandhabt wurden, fehlt der Mut zu einem ungewöhnlichen Ende, was vom Publikum sicher honoriert worden wäre. Genug Vorschläge gab es in den Untiefen des Internet allemal. Aber einen amerikanischen Helden sterben, ja scheitern lassen? Wo bliebe denn da der Spaß?

Leif Kramp

Credits:
V:Warner, USA 2006, R: David Ellis, D: Samuel L. Jackson, Julianna Margulies, Rachel Blanchard u.a.

Laufzeit: 105 Min.

Kinostart:
14.09.2006


FBI-Agent Neville Flynn (Samuel L. Jackson) soll einen wichtigen Zeugen nach Los Angeles bringen.
FBI-Agent Neville Flynn (Samuel L. Jackson) soll einen wichtigen Zeugen nach Los Angeles bringen. (2006 Warner Bros. Ent.)

Mercedes (Rachel Blanchard) unterhält sich angeregt mit Sean Jones (Nathan Phillips).
Mercedes (Rachel Blanchard) unterhält sich angeregt mit Sean Jones (Nathan Phillips). (2006 Warner Bros. Ent.)

Flynn (Samuel L. Jackson) kämpft mit allen Mitteln gegen die aggressiven Giftschlangen.
Flynn (Samuel L. Jackson) kämpft mit allen Mitteln gegen die aggressiven Giftschlangen. (2006 Warner Bros. Ent.)

Datum: 11.09.2006

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Diskussion: "Snakes on a Plane"

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