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Samuel L. Jackson
"Ich mache Lärm. Viel Lärm."Schauspieler Samuel L. Jackson (tsch) Der Mann hat Nerven: Er hangelt sich von einer Talkshow zum nächsten Interview und präsentiert sich immer im selben Outfit. Die weiße Schiebermütze, das schwarze T-Shirt, die schwere Halskette: Überall finden sich kleine Schlangensymbole. Samuel L. Jackson ist auf einer Mission, auf einer Spaß-Mission. Sein neuer Kinofilm ist es ihm wert: "Snakes on a Plane" (Start: 07.09.) heißt er und ist seit Monaten Gesprächsthema Nummer 1 im Internet. Jackson gefällt's, weil er der Held sein darf, der gegen eine Unschar von Giftschlangen antritt, um ein Flugzeug vor dem Absturz zu bewahren. Der vielseitige Star ist bekannt aus Kino-Hits wie den jüngsten "Star Wars"-Filmen, aber auch anspruchsvollen Charakterdramen wie "Freedomland" und "Spurwechsel". Im Interview spricht der 57-Jährige über persönliche Ängste, seinen privaten Umgang mit Schlangen und er erzählt, dass er eigentlich schon immer ein Held war. Anzeige
teleschau: Im Horrorfilm "Snakes on a Plane" sind Sie der Held ... Samuel L. Jackson: Ich habe immer gerne Actionfilme gesehen, schon als Kind. Wir waren damals immer als Clique im Kino. Danach liefen wir gleich nach Hause, um die besten Szenen noch einmal nachzuspielen. Wir prügelten uns im Spaß, rangelten und taten so, als würden wir schießen. Ich sprang sogar häufiger mal von Bäumen, weil ich die Stunts in den Filmen so toll fand. Jeder wollte der Held sein, besser und stärker als die anderen. teleschau: Konnten Sie sich durchsetzen? Jackson: Und ob: Ich war sehr oft derjenige, der sagte, wo es langgeht. Ich fühlte mich wie der Chef von Chattanooga, meiner Heimatstadt in Tennessee, und habe allen, die mich herausforderten, den Kopf zurechtgerückt. (lacht) Das waren Zeiten! teleschau: Nun spielen Sie erneut einen FBI-Agenten. Strebten Sie jemals eine Karriere bei der Polizei an? Jackson: Das kam für mich nie in Frage. Ich wollte ja der Held sein: Superman, Zorro, vielleicht auch Robin Hood - alles, was diese Figuren auszeichnet, quasi in einem. Polizisten sind keine Helden, zumindest nicht diejenigen, mit denen ich es zu tun hatte. Möglich ist natürlich auch, dass die Polizisten in den Filmen meiner Kindheit alle keine "Dirty Harrys" waren, sondern nette Vorstadthelfer. teleschau: Auf der Leinwand kämpfen Sie nun in luftiger Höhe gegen eine scheinbar unzähmbare Gefahr: Hatten Sie selbst schon einmal schlechte Erfahrungen in einem Flugzeug? Jackson: Was Flugzeuge angeht, gibt es nur zweierlei Erfahrungen: Entweder man hebt ab und kommt irgendwann wieder herunter, was eine gute Erfahrung ist, um nicht zu sagen eine perfekte. Oder man landet irgendwo, wo man nicht hin möchte oder muss eine halbe Ewigkeit warten. Aber hat man in solchen Momenten eine Wahl? Zu Fuß würde es ja noch länger dauern. Ich habe auch schon häufig erlebt, dass mein Flug umkehren musste, weil irgendwas nicht funktionierte. Oder es war zu viel Gepäck an Bord. Das muss man sich mal vorstellen: Alle Passagiere müssen sich neben ihre aufgereihten Koffer stellen, damit die überschüssigen aussortiert werden können. Das ist dann eigentlich noch schlimmer, als gegen eine Schlange zu kämpfen. Denn das geht wesentlich schneller. teleschau: Wie würden Sie reagieren, wenn Ihnen eine Klapperschlange über den Weg kriecht? Jackson: Wenn sie sich um ihren Kram kümmert, ihrer Wege geht und gar nicht erst mit dem Klappern anfängt, dann haben wir miteinander keine Probleme. Aber sollte ich gerade auf dem Golfplatz sein und sie kommt auf mich zu, dann schwinge ich natürlich das Eisen. teleschau: Worauf kommt es an? Jackson: Du musst schnell sein. Man sollte seinen Golfschläger eigentlich nie aus der Hand nehmen. Auf den Golfplätzen, auf denen ich mich herumtreibe, hängen überall Schilder, die vor Klapperschlangen warnen. Dort steht dann aber auch: "Klapperschlangen sind ein wichtiger Teil unserer Umwelt. Sie greifen nicht an, solange sie nicht provoziert oder in die Ecke getrieben werden." Sagen Sie mir bitte mal, wie ich merken soll, ob ich die arme Schlange erschreckt habe! Also haue ich zu und mache Lärm, viel Lärm. Da bekommt jede Schlange Angst. teleschau: Wie kommen Sie mit den Schlangen des Filmgeschäfts in Hollywood zurecht? Jackson: Zu den Schlangen dort in Menschengestalt kann ich nichts sagen. Jemand vom "Stirb Langsam 3"-Set gab mir mal einen guten Rat, den ich bis heute beherzige: "Sei vorsichtig: Wenn du heute jemandem auf den Schlips trittst, könnte der Kontakte zu dem A… haben, den du vielleicht morgen küssen musst." Man weiß also nie. Außerdem, hey: So ist Hollywood nun mal! teleschau: Sie wirken in der Öffentlichkeit stets gelassen. Gibt es nichts, was Ihnen Angst macht? Jackson: Natürlich habe ich auch mal Angst. Ich würde sagen, dass bei Schlangen ein ganz herkömmliches Angstempfinden habe. Ich weiß aber damit umzugehen: Wenn wir solch ein Wetter wie heute haben, dann wimmelt es nur so von den Biestern. Ich muss ja auch aufpassen, wenn ich in South Carolina Golf spiele. Da gibt es zwar keine Schlangen, aber Alligatoren. Die liegen da einfach herum. Ich möchte nicht unbedingt so einem auf den Schwanz treten, wenn ich den Ball suche. Da nehme ich lieber ein schlechteres Handicap in Kauf. teleschau: Aber welche Sorgen bringen Sie um den Schlaf? Jackson: Nicht mehr arbeiten zu können oder zu dürfen. Das ist eine Angst tief in der Magengrube, die eigentlich jeder Schauspieler haben muss, zumindest hier in Hollywood. Ich habe irgendwann ein Alter erreicht, in dem mich unwillkürlich die Panik packt, wenn das Telefon ein paar Tage mal nicht klingelt. Dann denke ich schnell mal, es gäbe keine Rollen mehr für mich. Ich hoffe, ich kann es Michael Caine gleichtun. Der ist ja immer noch bestens im Geschäft. teleschau: Was wäre für Sie als leidenschaftlicher Golfer das höchste der Gefühle: ein Oscar oder mit nur einem Schlag einzulochen? Jackson: Letzteres habe ich schon geschafft ... teleschau: Wirklich? Jackson: Ja, aber bisher nur ein einziges Mal: Auf dem Mountain-Gate-Golfplatz in Los Angeles am dritten Loch aus 157 Metern. Und das am Tag vor meinem Geburtstag. Das war pures Glück, ein Unfall sozusagen. Niemand kann es trainieren, beim ersten Schlag einzulochen. Aber Golfen ist für mich wirklich wichtiger als der Oscar. Bei einem großen Turnier zu siegen, würde zumindest länger in Erinnerung bleiben als der Glanz des kleinen goldenen Mannes. Wer hat dieses Jahr den Oscar gewonnen? Moment: Philip Seymour Hoffman, genau. Doch wir mussten schon etwas überlegen, oder? Der Oscar-Ruhm hält eine Nacht, höchstens noch die folgende Woche. Vielleicht hilft er auch dabei, den nächsten Vertrag auszuhandeln. Aber ein Sieg bei einem Golfturnier ist für die Ewigkeit. teleschau: Stimmt es, dass Ihre Verträge eine Klausel beinhalten, nach der immer ein Golfplatz in der Nähe der Dreharbeiten sein muss? Jackson: Ach, Quatsch. Ich bin zwar mit vollem Herzen Golfer und spiele regelmäßig zwei Mal in der Woche. Aber ich zahle wie jeder andere auch und kann auch mal eine Pause vertragen. teleschau: Ihre Fangemeinde ist so vielseitig wie Ihre Rollen. Mit welcher werden Sie am häufigsten konfrontiert? Jackson: Es gibt viele Jedis da draußen. Das muss ich immer wieder feststellen. "Die Macht sei mit Dir": Wie oft musste ich mir diesen Satz schon anhören! Auf der Straße, bei speziellen Veranstaltungen und so weiter. Als ich dieses Jahr bei der Comic-Messe in San Diego war, hätte man glauben können, dass alle nur wegen "Star Wars" gekommen waren. Aber was wirklich unglaublich ist: Mit Abstand die meisten meiner Fans fragen, was in der Aktentasche in "Pulp Fiction" gewesen ist. teleschau: Was war in der Aktentasche in "Pulp Fiction"? Jackson: Ich kann da nie eine befriedigende Antwort geben, weil ich keine Ahnung habe. John Travolta hat im Film reingeschaut, Tim Roth auch. Ich aber nicht. Also woher soll ich's wissen? Es ist aber einfach erstaunlich, wie lange mich das schon verfolgt. Leif Kramp |
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