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Rick Kavanian

"Rick, willst Du wirklich ein Auto sprechen?"

Schauspieler Rick Kavanian

(tsch) "Es ist schön, wenn man auf verschiedenen Hochzeiten tanzen kann", sagte Rick Kavanian. Der Komiker-Schauspieler-Drehbuchautor hat im Moment allerhand zu tun. In "Hui Buh - Das Schlossgespenst" geistert Kavanian immer noch als Königsassistent durch die Kinos. Die zweite (und letzte) Staffel von "Bully und Rick" wurde gerade fertig gestellt und geht am Montag, 18. September (22.15 Uhr, ProSieben) auf Sendung. Drei Tage später geht er außerdem mit einem Soloprogramm auf Deutschlandtour. Bis Weihnachten wollen 35 Bühnenauftritte absolviert werden. Und als wäre das nicht genug, ist Rick Kavanian auch noch als Synchronsprecher dick im Geschäft. Im potenziellen Herbstblockbuster "Cars" (Start: 07.09.), dem siebenten Animationsfilm aus dem Hause Pixar, leiht er seine Stimme dem Reifenverkäufer und Ferrari-Fan Luigi, einem ganz schön kleinen Auto.

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teleschau: Herr Kavanian, was war eigentlich Ihr erstes eigenes Auto?

Rick Kavanian: Ein Mitsubishi Colt Shogun GL. In Safarirot. Den habe ich geliebt, mein Vater kaufte ihn mir für 4.000 Mark, als ich 19 war. Das war sehr großzügig.

teleschau: Rot passt ja wunderbar: Sind Sie genauso ein Ferrari-Fan wie Luigi?

Kavanian: Ja, aber das hat nichts mit der Formel 1 zu tun, sondern eher mit den geschmeidigen Schlitten, die sie für den Markt bauen.

teleschau: Fahren Sie selber einen?

Kavanian: Nein, aber ich hätte gerne einen. Ich find die Autos wirklich geil, diesbezüglich bin ich sehr leicht in Verzückung zu bringen. Viele PS, flach gebaut - wunderbar. Aber es gibt eine Einschränkung: Mich fasziniert Beschleunigung. Die Endgeschwindigkeit ist mir egal. Ich will nur schnell weg von den anderen. Der Magen muss mir in den Kniekehlen hängen

teleschau: Wie kann man denn hoch technisierten Fahrgeräten eine Seele verleihen? Was gehört dazu, um ein Auto auf der Leinwand zum Leben zu erwecken?

Kavanian: Ich habe mir im Vorfeld tatsächlich die Frage gestellt: "Rick, willst Du wirklich ein Auto sprechen?" Aber hey, es ging um einen Fiat 500. Und das ist definitiv ein cooles Auto. Als ich dann auch noch das erste Bild sah, dachte ich sofort "Wow. Das wird gut." Man sieht zwar Autos, hat aber nie das Gefühl, irgendwelche Umwelt verschmutzende Blechhaufen zu sehen. Die Autos menscheln so wahnsinnig und sind liebevoll animiert. Es sind keine Autos als Menschen, sondern menschelnde Autos. Dieser Unterschied ist wichtig. Ich fragte mich dann trotzdem, wie ich meinen Luigi sprechen soll.

teleschau: Haben Sie Vorgaben vom Studio bekommen?

Kavanian: Es war im Endeffekt recht bequem. Monk-Darsteller Tony Shalhoub hat einfach eine starke Vorlage abgeliefert. Ich hatte einen entspannten Job.

teleschau: Als Luigi bedienen Sie einige Sprachklischees - wie weit kann man da gehen?

Kavanian: Ich empfinde es nicht so, als würde ich die Italiener durch den Kakao ziehen. Im Original spricht der Luigi auch mit Akzent. Ich fand es interessant, dass das Synchronbuch so übersetzt wurde, dass tatsächlich der Akzent hineingeschrieben wurde. Da standen also die zusätzlichen "Es" schon, wie in "Reifene" und "Lebene". Meine erste Reaktion war: "Moment mal. Was soll das denn?" Aber als ich es sprach, merkte ich, dass es einen riesigen Spaß macht und überhaupt nicht böse klingt, sondern vielmehr eine gewisse Dynamik in die Sprache bringt. Peinlich ist es nur dann, wenn es nicht authentisch klingt. Die sprachliche Nähe muss da sein, das ist wichtig. Ansonsten sehe ich keine Grenzen, so lange man nicht verletzend wird. Und ich habe garantiert keine negativen Vibes gegen Italien.

teleschau: Sind Sie Italien-Fan?

Kavanian: Dass sie Fußballweltmeister geworden sind, finde nicht so toll. Doch im Großen und Ganzen mag ich Italien und die Italiener gern: Ich esse ihr Essen gern, ich mag ihr Temperament ...

teleschau: Trafen Sie eigentlich für die putzige Schlussszene Michael Schumacher im Studio?

Kavanian: Nein leider nicht. Er hat mich also auch nicht zum Bahnhof fahren können.

teleschau: Im Winter sind sie auch als Ratte Ratso in "Das hässliche Entlein und ich" (Kinostart: 21. Dezember) zu hören. Schulen Sie auf Synchronsprecher um?

Kavanian: Überhaupt nicht, das hat sich zufällig ergeben. Bei den Autos bin ich damals sehr hellhörig geworden. Ich bin ein Fan vom Fiat 500 und Autos allgemein. Und eine Ratte, die als Starpromoter die guten Seiten eines ausgestoßenen Kükens entdeckt, hat mich durch die Abwegigkeit der Figur interessiert.

teleschau: Was macht am meisten Freude beim Synchronisieren?

Kavanian: Die Möglichkeit, sich mit Stimmen, Sprachen und Dialekten austoben zu können ist sehr reizvoll. Das hat mir auch sofort Spaß gemacht, als ich 1990 zum Radio ging. Das Synchronisieren ist dann aber noch einmal etwas ganz Besonderes. Man spricht vielleicht einen großen amerikanischen Star, den man selbst bewundert. Ich habe zum Beispiel Leute wie Mike Myers und Chris Rock synchronisiert, die ich als Komiker sehr mag. Das ist dann schon eine große Ehre. Außerdem arbeitet man unter einem Dach, muss nicht im Regen drehen und bekommt geregelte Mahlzeiten.

teleschau: Sie müssen schauspielern, allerdings nur mit der Stimme. Ist das nicht schwer?

Kavanian: Überhaupt nicht. Ich schauspielere genauso, so wie ich es vor einer Kamera auch tun würde. Nur ohne Kostüm und Schminke. Nach einem Tag im Synchronstudio komme ich genauso nass geschwitzt nach Hause, wie nach einem Dreh. Das ist für mich auch ein Gradmesser: Wenn ich nicht schwitze, dann stimmt irgendwas nicht. Ich bin extrem "ganzkörperlich" - was manchmal schwierig ist, weil der Mund ja am Mikro bleiben soll, damit die Jungs in der Technik nicht durchdrehen.

teleschau: Sehen Sie sich selber eher als Comedian, Drehbuchautor, Schauspieler - die Aufzählung ließe sich fortsetzen ... ?

Kavanian: Ich wüsste nicht, worauf ich mich festlegen sollte. Was mir am meisten Spaß macht, ist im Moment die Möglichkeit, an verschiedenen Projekten zu arbeiten. Also hier mal ein Kinofilm, da Synchronarbeiten und dann wieder an einem Drehbuch zu arbeiten oder auf der Bühne zu stehen.

teleschau: Dabei sagten Sie einmal, dass Sie auch unter Androhung längerer Haftstrafen nicht auf einer Bühne stehen wollen.

Kavanian: Das habe ich als Schüler gedacht, und die Frage war, ob ich ein Pausenclown war. Das war damals in der Tat undenkbar. In der Schule waren die Leute cool, die sich gegen die Lehrer auflehnten und die Gags machten. Das war meistens dieselbe Gruppe - und zu der habe ich definitiv nicht gehört. Dafür hatte ich viel zu viel Angst. Um Gottes Willen, als Schüler war ich zu schüchtern. Außerhalb der Schule ging es etwas besser, bis hin zu einem gewissen Grad Unterhaltsamkeit. Aber das war erst mit 18, 19. Doch beim Radio habe ich dann festgestellt, dass da etwas ist. Aber den Entschluss, Schauspieler zu werden, habe ich sehr spät gefasst, das war 1996 auf der Schauspielschule in New York.

Andreas Fischer


Rick Kavanian hat gut lachen: Er ist dick im Synchrongeschäft ("Cars", "Das hässliche Entlein & Ich"), am 18.9. startet die zweite Staffel von "Bully & Rick" bei ProSieben, drei Tage später sein Solo-Bühnenprogramm ...
Rick Kavanian hat gut lachen: Er ist dick im Synchrongeschäft ("Cars", "Das hässliche Entlein & Ich"), am 18.9. startet die zweite Staffel von "Bully & Rick" bei ProSieben, drei Tage später sein Solo-Bühnenprogramm ... (Jim Rakete)

Spitzenjob, findet Rick Kavanian: Als Synchronsprecher hatte er bei den Arbeiten zu "Cars" immer ein Dach über dem Kopf und bekam regelmäßig zu essen.
Spitzenjob, findet Rick Kavanian: Als Synchronsprecher hatte er bei den Arbeiten zu "Cars" immer ein Dach über dem Kopf und bekam regelmäßig zu essen. (Buena Vista)

Rick Kavanian spielt in "Hui Buh, das Schlossgespenst" den komischen Assistenten des Königs.
Rick Kavanian spielt in "Hui Buh, das Schlossgespenst" den komischen Assistenten des Königs. (2006 Constantin Film, München)

Datum: 11.09.2006

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