(tsch) "Smith? Der Name geht gar nicht! Viel zu langweilig!" Gut, dass Kimberly Smith auf ihren ersten Produzenten hörte: Unter dem Namen Kim Wilde (45) wurde sie zur erfolgreichsten englischen Popsängerin aller Zeiten. Als es ein wenig ruhiger um sie wurde, tauschte sie das Mikrofon mit der Gießkanne und widmete sich dem Gärtnern. Dankenswerterweise stellte sie jetzt fest, dass ihr Musik noch immer mindestens genauso viel Spaß macht wie Pflanzen. Doch der Spruch "Unkraut vergeht nicht" greift bei der CD "Never Say Never" nicht: Das Album zeigt eine Pop-Ikone in der Blüte ihrer Jahre.
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teleschau: Gartenarbeit ist mehr als ein Hobby von Dir. Du hast Bücher über das Thema geschrieben und eine Fernsehsendung moderiert. Was fasziniert Dich daran?
Kim Wilde: Ich liebe es, Pflanzen dabei zu beobachten, wie sie ihre Farben verändern, wie sie aufstreben im Frühling, wie sie leben und sterben.
teleschau: Nun startest Du Dein Comeback. Ist der Albumtitel "Never Say Never" eine Hommage an den James-Bond-Film "Sag niemals nie"?
Kim Wilde: Nein. Er bezieht sich auf eine Liedzeile. Und auf eine persönliche Erfahrung von mir: Man sollte nie "nie" sagen, denn das Leben ist voller Überraschungen. Zum Beispiel dachte ich, dass ich nie wieder eine Platte aufnehmen würde.
teleschau: Warum kehrtest Du damals der Musikindustrie den Rücken?
Kim Wilde: Es war nicht mehr so wie am Anfang, und es langweilte mich. Aber um ehrlich zu sein, hatte ich auch das Gefühl, die Musikindustrie war von mir gelangweilt.
teleschau: Der Produzent von Nena, Uwe Fahrenkrog-Petersen, zeichnet verantwortlich für "Never Say Never" ...
Kim Wilde: Er war der festen Überzeugung, dass es viele Menschen toll fänden, wenn es ein Comeback gäbe. Ich dachte mir: Meine Pause war lang genug. Wenn irgendwann, dann sollte ich es jetzt machen - bevor ich 50 werde. Und es ist unglaublich: Das Musikbusiness macht mir plötzlich wieder Spaß. Ganz so wie damals, als ich anfing! Das Tollste sind die positiven Reaktionen der Leute. Ich freue mich auf Konzerte.
teleschau: Deine Stimme klingt auf den neuen Aufnahmen stärker denn je. Wird sie wie guter Wein besser mit den Jahren?
Kim Wilde: Das ist tatsächlich so. Mein Mann ist professioneller Sänger, und er sagte mir, dass eine Stimme reift und erst mit Mitte 40 erwachsen wird. Ich war immer auf Bühnen, also blieb meine Stimme immer im Training.
teleschau: Viele Leute finden Deine Stimme erotisch. Hast Du sie immer schon bewusst so eingesetzt?
Kim Wilde: Ich habe nie verstellt gesungen, das kam immer von Herzen. Aber ich hatte in den Anfängen keine gute Meinung von ihr. Ich wollte Aretha Franklin oder Chaka Khan sein. Stattdessen kam da nur mein dünnes Stimmchen raus. Das war frustrierend. Erst seit fünf Jahren mag ich sie gerne. Deshalb fühlte ich mich aus manchen meiner alten Hits "herausgewachsen". Das Tolle an dem neuen Album ist, dass ich nun lernte, die Vergangenheit zu schätzen. Ich kann jetzt von ganzem Herzen sagen, dass ich stolz bin auf das, was ich getan habe. Jetzt finde ich es cool, ich zu sein. Das ist eine der schönen Seiten des Älterwerdens ... (lächelt) - eine der wenigen.
teleschau: Du warst immer schon sehr attraktiv. Glaubst Du, dass weniger gut aussehende Künstler es in der Ära der Musikvideo-Fernsehsender schwerer haben, erfolgreich zu sei, als früher?
Kim Wilde: Nun ja, ich denke, das war schon immer so. Auch Elvis Presley wurde wegen seines Aussehens angehimmelt. Andererseits gab es da jemanden wie Jerry Lee Lewis, der nicht hübsch war und trotzdem viele Platten verkaufte. Es gibt verschiedene Arten von Schönheit, nicht nur die optische Seite.
teleschau: Du siehst genauso gut aus wie vor 25 Jahren - was ist das Geheimnis Deiner Schönheit?
Kim Wilde: Schönheit kommt aus dem Inneren einer Person ... (grinst) Dazu kommen gute Visagisten, Stylisten und schmeichelhaftes Licht. Aber es ist nicht so leicht wie mit 25, hübsch zu sein.
teleschau: Einer Deiner neuen Songs heißt "Perfect Girl". Was ist für Dich eine perfekte Frau?
Kim Wilde: Eine, die sich wohl fühlt in ihrer Haut, die zufrieden ist mit sich selbst. Die mag, was sie tut.
teleschau: Du bist die erfolgreichste britische Sängerin aller Zeiten. Was ist Dein Erfolgsrezept?
Kim Wilde: Ich hatte das Glück, mit einem Haufen sehr talentierter Leute zusammenzuarbeiten und zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Und ich war ehrgeizig. Vor allem aber liebte ich die Musik.
teleschau: Auf dem Album ist eine Neuaufnahme von Deinem "Kids In America" zu hören. Warum sang ein englisches Mädchen in den 80-ern von den Kindern in den USA?
Kim Wilde: Mein Vater schrieb damals den Text. Er wuchs mit amerikanischer Musik auf, denn die britische Musikszene schielte schon immer in Richtung USA. Jeder wollte amerikanisch sein, amerikanisch klingen und amerikanische Hits covern.
teleschau: Warum bittest Du in "Forgive Me" um Verzeihung?
Kim Wilde: Das ist einer der traurigsten Songs auf dem Album. Wir müssen um Verzeihung bitten, für das Übel, was wir auf unserem schönen Planeten anrichten. Wir müssen Verantwortung übernehmen für die globale Erwärmung. Es bricht mein Herz, wenn ich im Fernsehen die Zerstörung und die Gier sehe. Ich hoffe, dass es ein Happy End geben wird, aber ich zweifle daran.
teleschau: Ein anderer Song heißt "Obey Me" (Gehorche mir). Darin geht es um emanzipierte Frauen ...
Kim Wilde: Als mein Mann und ich heirateten, schworen wir uns gewisse Dinge für den Rest unseres Lebens. Zu sagen "Baby, obey me" ist meine Art, an diese Schwüre zu erinnern. Der Song ist eher spielerisch zu verstehen, obwohl man die Ehe natürlich ernst nehmen sollte. Mein Mann ist aber sehr unabhängig. Ich könnte ihn nie dazu bringen, mir zu gehorchen, so lange er das nicht selbst will.
Michael Eichhammer
Die Pop-Ikone der 80-er, Kim Wilde, kommt mit neuem Album - "Never Say Never". (EMI / Sebastian Schmidt)
Obwohl sie nie wieder eine CD aufnehmen wollte, ist Kim Wilde nun zurück. (EMI / Sebastian Schmidt)
"Ich hatte damals das Gefühl, die Musikindustrie war von mir gelangweilt." - Kim Wilde. (EMI / Sebastian Schmidt)