(tsch) Die Fortsetzung beginnt ähnlich düster, wie der erste Teil endete: Die kühle Atmosphäre eines französischen Klosters muss für eine schreckliche Szenerie herhalten. Ein Neuankömmling in der Mönchsgesellschaft versucht, sein Kruzifix in die Steinwand zu hämmern, und schon beginnt die Jesus-Nachbildung zu bluten - sehr heftig sogar. Ein Auftakt nach Maß für "Die purpurnen Flüsse 2 - Die Engel der Apokalypse", der im April 2004 in den deutschen Kinos knapp 500.000 Zuschauer in den Bann zog und jetzt bei ProSieben erstmals im Free-TV läuft.
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Freilich steckt ein irdischer Mord hinter der Blutung des hölzernen Heilands. Und schon beginnen die Ungereimtheiten in dem mysthisch-religiös angetouchten Film mit Jean Reno, der sich zuletzt in "The Da Vinci Code - Sakrilegt" ja in ganz ähnlichen Gefilden bewegte. Im Sequel zu "Die purpurnen Flüsse" hat er leider ziemlich daneben gegriffen.
Als Kommissar Niemans darf Reno eine übersinnlich erscheinende Bedrohung für die gesittete Welt jagen. Ihren körperlichen Ausdruck findet diese in brutalen Kuttenträgern, die jene im Untertitel angedrohten Engel der Apokalypse sein sollen. Entsprechend wild morden sie in der Gegend herum. Anscheinend sind sie auf der Suche nach einem geheimnisvollen Buch, das von Gott selbst geschrieben worden sein soll und mit dessen Hilfe ein millionenschwerer Vatikanschatz gefunden werden kann, der einst von König Lothar II gestohlen und in Lothringen versteckt wurde. Irgendwie geht es auch um den Weltuntergang, der am nächsten Tag des Geschehens vorhergesagt wird. Sehr wirr, das alles.
Es geht also um Gott, Gold, den Weltuntergang und auch ein wenig um die deutsch-französische Vergangenheit: Hinter alledem steht ein von Altmeister Christopher Lee merkwürdig schlecht gespielter Politiker namens Heinrich von Garten, der seine ganz eigenen profitgierigen Pläne verfolgt. Lee scheint, nachdem er aus dem dritten Teil der "Herr der Ringe"-Trilogie herausgeschnitten worden war, eine Verzweiflungstat verübt zu haben. Anders ist die Entscheidung des weit über 80-Jährigen, diese miserabel angelegte Rolle anzunehmen, nicht zu erklären.
Was ist also die Essenz dieses düsteren und mitunter brutalen Films? Es ist eine mit unschlüssigen religiösen Versatzstücken überfüllte Geschichte, die ausnehmend gewalttätig inszeniert ist. Und sie zeigt einen Jean Reno, der eine zwar solide, aber doch weit unter seinen bisherigen Arbeiten angesiedelte Leistung abliefert.
Alexander Franck
Das sieht nicht nach dem Werk eines Gottesmannes aus: Kommissar Niemans hat es mit einem sehr streitbaren Mönch zu tun. (ProSieben / Tobis Film GmbH & Co. KG)
Hat der machthungrige Heinrich von Garten (Christopher Lee) mit den mysteriösen Mordfällen zu tun? (ProSieben / Tobis Film GmbH & Co. KG)
Kommissar Niemans (Jean Reno, Mitte) erhält bei seinen Ermittlungen im Kloster Unterstützung von seinem ehemaligen Polizeischüler Reda (Benoit Magimel) und der Religionswissenschaftlerin Marie (Camille Natta). (ProSieben / Tobis Film GmbH & Co. KG)
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