(tsch) Abgeschieden von der Welt, weg von den Verlockungen eines irdischen Lebens, haben sich ein alter Mönch und sein Schüler in einem Bergsee einen schwimmenden Tempel der Meditation gebaut. Dort lässt der Südkoreaner Kim Ki-Duk sie ein ganzes Leben wie einen Wechsel der Jahreszeiten verbringen: "Frühling, Sommer, Herbst, Winter und Frühling" (2003), aus Kindheit wird Jugend, Alter und wieder Jugend. Das Leben ist ein ewiger Kreis, der sich immer wieder schließt: Eigentlich ist es eine schöne Vorstellung, ganz in Ruhe die Essenz des Daseins erkunden zu können. Doch der Mensch wäre nicht Mensch, würde er nicht den Verlockungen seines unsteten Wesens erliegen.
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So hat die meditative Ruhe ein Ende, als der junge Mönch die Reize und Versuchungen des Lebens entdeckt. Im Frühling ist es die Lust am Schmerz, die den Jungen Fisch, Frosch und Schlange mit Steinen festbinden und qualvoll sterben lässt. Der alte Mönch bindet ihm daraufhin selbst einen Stein auf den Rücken, als Symbol für die Schuld, die sich der Kleine aufgeladen hat. Ihm wird klar, dass er diese Schuld sein ganzes Leben mit sich herumtragen wird.
Im Sommer ist es die Verlockung des Fleisches, der der Halbwüchsige erliegt, als eine junge Frau zur Heilung in den Tempel kommt. "Aus Begierde erwachsen Abhängigkeiten, und daraus entstehen Mordgedanken", warnt ihn der Meister. Doch Lust und Liebe obsiegen, der Mann zieht mit dem Mädchen in die Stadt und kehrt erst im Herbst zurück, als er sich den Grausamkeiten des Lebens vollends ausgeliefert und seine Frau aus Eifersucht getötet hat. Sein Meister verhindert den Selbstmord und bestraft ihn stattdessen mit Peitschenhieben - aber seiner Verantwortung kann der junge Mann nicht entgehen. Nachdem er auch die gesetzliche Strafe verbüßt hat, kehrt er im Winter auf die Insel zurück, stellt sich seiner Schuld und setzt den Kreislauf der Tempelherren fort.
Kim Ki-Duks meditativer Film ist eine großartige Parabel um Schuld, Sühne, Verantwortung und die flatterhaften Verlockungen des Lebens. Ruhig und besonnen gibt der Südkoreaner, der 2004 für das Drama "Samaria" mit dem Sibernen Bären ausgezeichnet wurde, seinem jungen Mönch in wenigen konzentrierten Szenen genügend Zeit, sich zu entwickeln und zu erkennen, dass die Wahrhaftigkeit des Lebens nur im Inneren gefunden werden kann. Das ist einfach und symbolisch und dadurch universell und bestechend klar.
Andreas Fischer
Der Meister (Oh Yeong-Su) unterweist seinen jungen Schüler (Seo Jae-Kyung). Doch die meditative Ruhe hat ein Ende, als der junge Mönch die Reize und Versuchungen des Lebens entdeckt. (ARD Degeto)
Der alte Mönch (Oh Yeong-Su) bringt seinem kleinen Schüler (Seo Jae-Kyung) mit einfachen Lehrmethoden bei, das Leben zu ehren. (ARD Degeto)
Nachdem er einen Mord begangen hat, sucht der erwachsene Schüler (Kim Ki-Duk, links) Rat bei seinem alten Meister (Oh Yeong-Su). (ARD Degeto)
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