(tsch) Irgendwann wollte sie einmal Kinder haben, das war immer irgendwie klar. Als sie schießlich erfährt, dass sie schwanger ist, ist sie glücklich. Sie probiert Namen aus, besorgt voller Vorfreude die Grundausstattung für den Säugling und bereitet sich auf die Geburt vor. Und dann, als das Kind endlich da ist, hat sie plötzlich "Kein Gefühl fürs Baby". Stattdessen Leere, Verzweiflung, Traurigkeit, bis hin zu Selbstmordgedanken. Das ist der Albtraum, den jährlich bis zu 120.000 deutsche Frauen erleben. Für die lebensnahe ZDF-Reihe "37°" befasste sich Francesca D'Amici mit dem Tabuthema postpartale Depression.
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Prominenteste Repräsentatin der Krankheit ist derzeit US-Schauspielerin Brooke Shields, die ein Buch über ihre traurigen Erfahrungen nach der Geburt (lat. partus) schrieb. Titel: "Ich würde dich so gerne lieben". Doch für 15 Prozent der deutschen Mütter machen biochemische, psychische und soziale Faktoren - oft in Kombination - genau das unmöglich. Zusätzlich zur Depression stehen sie außerdem unter enormem Druck durch die Schuldgefühle, eine Rabenmutter zu sein. Dazu kommt die Erwartungshaltung der Gesellschaft, die sie nicht erfüllen können. Im Extremfall kann das dazu führen, dass die Mütter sich oder dem Kind etwas antun.
Dieses stille Leiden wird oft unterschätzt. "Reiß' dich mal zusammen", bekommen Betroffene zu hören, wenn sie sich nicht in der Lage sehen, ihr Kind zu versorgen. "Das ist Quatsch", sagt Francesca D'Amici. "Das ist keine Krankheit des Willens, sondern des Gemüts." Die Autorin begleitete Berit (25) und Lena (26), die gemeinsam mit ihren Babys mehrere Wochen in einer Spezialtherapie in Herten im Ruhrgebiet verbrachten. Dort sollten sie lernen, ihr Kind so anzunehmen, wie gesunde Mütter es instinktiv tun. "Es dauerte lange, bis wir Frauen fanden, die bereit waren, darüber zu sprechen." In der Klinik lebten die beiden intelligenten jungen Frauen, die auch vor der Kamera erstaunlich offenene Gespräche führten, fast wie in einer WG.
Die postpartale Depression kann jede treffen. Selbst Susanne, eine 40-jährigen Fraunärztin, war davor nicht gefeit. Trotz ihrer Fachkenntnis und einer glücklichen Beziehung ergriff sie die Panik, als vor fünf Jahren Tochter Clara zur Welt kam. Heute hat sie das überwunden. Berit und Lena sind auch wieder zu Hause. Sie werden noch immer therapiert, doch es geht aufwärts. "Die Frauen sind entzückend", erinnert sich Francesca D'Amici an die Dreharbeiten. "Und sie zeigen viel Stärke. Ich war begeistert." Mit ihrem Mut zu sprechen beweisen sie auch anderen, dass es völlig in Ordnung ist, die Krankheit einzugestehen und sich helfen zu lassen.
Petra Fürst
Mütter, die an postpartaler Depression leiden, müssen erst lernen, ihre Kinder anzunehmen. (ZDF / Marc Simon)
"Ich habe ihn nicht als meinen Sohn betrachtet", erzählt Berit von ihren nicht vorhandenen Gefühlen für Söhnchen Finn nach der Geburt. (ZDF / Martin Steffen)
Finn hat einige Wochen mit Mutter Berit in einer Klinik verbracht, wo ihre postpartale Depression therapiert wurde. (ZDF / Martin Steffen)
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