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Glücklich in der Himbeerkuchenzeit
Schauspielerin Claudine Wilde
(tsch) So richtig glücklich ist sie gerade. Das sagt Schauspielerin Claudine Wilde nicht nur einmal im Interview. Und in der Tat gibt es für so viel Glück gleich mehrere Gründe: Da ist die große Liebe mit ihrem Mann, dem Tontechniker Tomás Kanok, mit dem sie die meiste Zeit in Hamburg lebt. Da gibt es das idyllische Alternativ-Zuhause in Südfrankreich, direkt am Meer. Da sind die spannenden Filmrollen (in den nächsten Wochen ist die 39-Jährige in zwei großen Produktionen im TV), die ihr in zunehmendem Maße angeboten werden. Und da ist die Arbeit an ihrer eigenen Kosmetiklinie. Vor allem aber steht Claudine Wilde demnächst ein freudiges Ereignis ins Haus ...
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teleschau: Frau Wilde, im September werden Sie zum ersten Mal Mutter. Wie geht es Ihnen?Claudine Wilde: Super. Die ersten Wochen der Übelkeit sind Gott sei Dank vorbei. Ich bin jetzt im fünften Monat, und mir könnte es nicht besser gehen. Ich arbeite fleißig weiter und drehe im April schon wieder. Ich habe auch längst nicht so viel zugenommen, wie ich gedacht hätte, mein kleiner Babybauch steht mir sogar ganz gut. Mein Mann und ich freuen uns riesig, und wir genießen diese besondere Zeit. teleschau: Werden Sie nach der Geburt Ihren Lebensmittelpunkt weiter nach Hamburg verlagern? Wilde: Ich glaube, wir werden uns da nicht festlegen, sondern immer zwischen unseren Wohnsitzen in Frankreich und Deutschland pendeln - oder uns irgendwo anders eine Auszeit gönnen. Wir sind beide sehr gerne in der Natur. teleschau: Wie groß ist die Sehnsucht, bald wieder in Ihre zweite Heimat, Südfrankreich, zurückzukehren? Claudine Wilde: Ach, mir geht es doch wunderbar hier in Hamburg. Hier ist meine Liebe, und wenn ich in der Nähe meiner Liebe bin, bin ich glücklich. Natürlich ist die Aussicht, jederzeit wieder runter ans Meer fahren zu können, herrlich. 20 Grad, blauer Himmel, das gute Essen ... wem gefällt das nicht? teleschau: Zwei Wohnsitze zu haben, ist ein großer Luxus. Wilde: Ich bin mir dessen voll bewusst. Und es sind nicht nur zwei Wohnsitze, sondern auch zwei Welten. Dieser Flair, diese Leichtigkeit in Südfrankreich, das ist etwas ganz anderes. Unbeschreiblich. teleschau: Sehen Sie sich in erster Linie als Deutsche? Wilde: Ich bin Französin. In Frankreich bin ich groß geworden, da habe ich meine wichtigste Zeit erlebt. Aber eigentlich sehe ich mich als Kosmopolitin, die gerne reist und neue Kulturen entdeckt. Letztes Jahr war ich in Frankreich, auf den Seychellen und in Curacao ... Aber natürlich, wenn das Baby da ist, werde ich es in dieser Hinsicht zunächst etwas ruhiger angehen lassen. Doch die richtig große Weltreise, die kommt noch. Vielleicht erst mit 60, aber dafür geht's dann für immer weg. teleschau: Ernsthaft? Wilde: Auf jeden Fall. Wir werden unsere Zelte in Deutschland abbrechen und, vielleicht mit einem riesigen Wohnmobil, richtig lange unterwegs sein auf der Welt. teleschau: Fast möchte man meinen, Sie fürchten sich vor Ruhe und Stillstand. Wilde: (lacht) Eigentlich müsste mein Sternzeichen Zwilling sein, aber ich bin Fisch - komisch. Ich bin einfach ein extrem neugieriger Mensch, der gerne lernt und offen für alles Neue ist. Und ich liebe es, an meine Grenzen zu gehen. teleschau: Inwiefern? Wilde: Im Beruf: Ich muss immer wieder etwas Neues probieren. Immer wieder ein- und dieselbe Rolle zu spielen, wäre zu langweilig. Zum Beispiel habe ich erst vergangenes Jahr entdeckt, dass ich ein Talent für die Komödie habe - jedenfalls haben das nach "Hexenküsse" (Regie: Johannes Fabrick, die Red.) alle gesagt. teleschau: Aber hauptsächlich sehen Sie sich schon im Drama, oder? Wilde: Sagen wir's mal so: Ich strahle vielleicht eine gewisse Leichtigkeit aus. Mit meiner Art und meinem Aussehen bin ich dieser positive Typ Frau, von dem man sagt: "Wenn sie in einen Raum kommt, dann geht die Sonne auf." Aber meine Stärke sehe ich selbst in Rollen mit tiefen Abgründen, in Charakteren, die Tabus brechen. teleschau: In der Charlotte-Link-Verfilmung "Die Täuschung" am Sonntag, 16.4., im ZDF, spielen Sie genau das: Eine Frau, die eine 15-jährige frustrierte Ehe hinter sich hat und vom Leben enttäuscht ist, mit dem Ehemann ihrer besten Freundin schläft und schließlich noch in einem Moment voller Verzweiflung auf ihren eigenen Mann mit dem Messer losgeht ... Wilde: Ich habe mich lange mit dieser Rolle beschäftigt und sehe es als große Herausforderung, solch einen Charakter glaubhaft darzustellen. teleschau: Was fasziniert Sie an diesen düsteren Charakteren? Wilde: Es ist die Überlegung: Was muss alles geschehen, dass ein Mensch so etwas tut? Wie schmal ist der Grat zum Abgrund? - Das will ich nachvollziehbar machen. Aber irgendwie ist da noch mehr. Mich faszinieren Charaktere, die unberechenbar sind. Ich finde es gerade spannend, Menschen darzustellen, die es in der Gesellschaft nicht leicht haben, die sich von ganz unten wieder hoch kämpfen können, wie zum Beispiel Erin Brokovich. teleschau: In "Die Täuschung" gibt es eine Einstellung, in der Sie ausgiebig in Dessous zu sehen sind. Was tun Sie, um sich so sexy und verführerisch vor der Kamera präsentieren zu können? Wilde: Ich bin doch eben erst 39 Jahre alt geworden. teleschau: Da sind längst nicht alle so in Form. Wilde: Ich war ja früher Hochleistungssportlerin, trat bis zum 19. Lebensjahr in Frankreich bei Lauf-Meisterschaften an, brach dort den 1.000-Meter-Rekord und gehörte zu den 15 schnellsten Läuferinnen des Landes. Der Sport prägte mich, und wer Sport macht, lebt eben körperbewusst. Ich weiß: Alles, was ich esse, ist Energie, wie Medizin. Klar ist: Wenn ich Hamburger in mich reinstopfe, werde ich nie einen Wettkampf gewinnen. Ich versuche bis heute, meinem Körper nur Gutes zu tun. teleschau: Das heißt konkret? Wilde: Ich trinke viel Wasser. Ich bin jeden zweiten Tag - auch schwanger - auf dem Laufband. Ich mache Yoga. Und, Sie werden es nicht glauben, ich esse! Und zwar alles, worauf ich Lust habe. Gerade ist bei mir Himbeerkuchenzeit! teleschau: Kombiniert mit Essiggurke und Rollmops? Wilde: Nein, eher mit Schoko-Mousse und Sahne. Ich glaube, dieser vermeintliche Süß-Sauer-Zwang bei Schwangeren ist ein Mythos. Ich habe dieses Bedürfnis jedenfalls nicht. teleschau: Gibt es eine tiefere Philosophie hinter Ihrer Lebensweise? Wilde: Ich mache Qigong, nach dem Prinzip: Energie geht nicht verloren - alles, was ich meinem Körper bringe, soll mir gut tun. Mein Mann lebt und ernährt sich inzwischen genauso, und er versichert, dass er sich jetzt viel wohler fühlt. Grundsätzlich ist mein persönliches Wellness-Programm eine Mixtur aus makrobiotischer Ernährung, chinesischer Weisheit und französischer Lebensart. teleschau: Steckt hinter alldem auch ein gewisser Druck, möglichst lange möglichst schön sein zu müssen, dem man als Schauspielerin eben ausgesetzt ist. Wilde: Nein. Es gibt für mich nur den Anspruch, möglichst gut zu sein. Deswegen besuche ich Seminare, erarbeite meine Rollen mit einem Coach und fordere mich immer wieder neu, meine Grenzen zu überschreiten. Ich investiere in meine Weiterbildung, weil ich weiß: Um auf Dauer dabei zu sein und an gute Rollen zu kommen, muss ich top sein, eine der besten Schauspielerinnen. Ich erarbeite mir jede Rolle so hart, als wäre es die wichtigste meines Lebens. Ich kann nicht anders ... teleschau: In "Die Alpenklinik" am Montag, 1. Mai, 20.15 Uhr, im Ersten, sind Sie als Ärztin zu sehen ... Wilde: Ich war im UKE (Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, die Red.) und sah mit Mundschutz und Kittel aus nächster Nähe den Ärzten beim Operieren zu, unter anderem bei einer zehnstündigen OP am offenen Herzen, vom Aufsägen des Brustkorbs bis zum Verlegen der Bypässe, das ganze Programm. teleschau: Sie reden so trocken darüber, als wären Sie tatsächlich Ärztin. Wilde: Ich bin als Arzttochter eben schon immer damit konfrontiert gewesen. Mich kann da nichts schocken. teleschau: Stand für Sie je zur Debatte, in die Fußstapfen des Vaters zu treten? Wilde: Ja, schon. Meine Eltern hätten es willkommen geheißen. Es war damals nicht so leicht für mich. Ich machte mein Abitur in Mathematik, Biologie und Chemie, das sagt alles. Obwohl ich viel lieber Schauspielerin werden wollte, war ich sogar schon fürs Medizinstudium eingeschrieben. Aber als ich schließlich am Conservatoire d'Art Dramatique in St. Etienne ein Stipendium bekam, konnten meine Eltern nichts mehr sagen. Das ist eine der renommiertesten Schulen überhaupt. teleschau: So ganz scheinen Sie sich aber nicht auf die Schauspielerei verlassen zu wollen. Im Sommer kommt Ihre eigene Kosmetiklinie heraus. Wilde: Das Schönste ist, dass ich da einmal nicht von anderen abhängig bin. Das ist schlicht und einfach mein Produkt. Ein Abenteuer einer ganz anderen Art.
Frank Rauscher
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