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Jemand, der es einfach schaffen wollte
Schauspieler Heino Ferch
(tsch) Jene vor allem körperbetonten Rollen, mit denen Heino Ferch oft in Verbindung gebracht wurde, spielt er eigentlich schon lange nicht mehr. Längst haben Kino und Fernsehen auch den Charakterkopf entdeckt. Und damit einhergehend einen deutschen Schauspieler, der internationales Ansehen genießt und damit auch für eine gute Vermarktung im Ausland steht. Ferch, 43 und seit 2005 mit der Vielseitigkeitsreiterin Marie-Jeanette Steinle verheiratet, durfte sich nun einen lange gehegten Traum erfüllen. Vor Jahren schon hatte er die Idee, die Entdeckung Trojas durch Heinrich Schliemann zu verfilmen. Mit der Produzentin Ariane Krampe (teamWorx) fand er schließlich eine Partnerin, die den Zweiteiler mit ihm in der Hauptrolle in Angriff nahm. Eine der dankbarsten und interessantesten Figuren in Ferchs Karriere. Denn Schliemann ist kein Gutmensch. Eher ein Besessener, dessen Wesen polarisiert. Sat.1 zeigt "Der geheimnisvolle Schatz von Troja" am Montag, 19.03., und Dienstag, 20.03., jeweils um 20.15 Uhr.
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teleschau: Herr Ferch, wonach lohnt es sich heute noch zu suchen?Heino Ferch: Nach der Verwirklichung seines Lebenstraums. Welcher auch immer das sein mag. teleschau: Was, glauben Sie, ist das Wunderbare an einer solchen Suche? Ferch: Der Moment der Entdeckung, keine Frage. Er ist das Aufregende. Wenn Sie die Traumfrau vor sich stehen haben, wenn Sie die Liebe entdecken, dann ist das eben einer dieser magischen Momente, die am Ende das Leben ausmachen. Aber ich gebe zu, es können auch traumatische Momente sein. teleschau: Müssen Suchende zwingend lange im Dreck wühlen, ehe sie diesen Moment erleben? Ist der Schmutz vielleicht Teil der Erfüllung? Ferch: Natürlich ist er das. Das Durchboxen gegen Widerstände, der ewige Kampf, das dauerhafte Streben nach einem Ziel. Übrigens ist das etwas, was die so genannte Generation X nie erlebt hat. Sie hatte keine Motivation, ihre Eltern glücklich zu machen. Keine Motivation, sich selbst glücklich zu machen. teleschau: Was beeindruckt Sie an Schliemann? Ferch: Nun, mich interessieren solche Persönlichkeiten. Leute, die etwas Besonderes schaffen. Oder die wenigstens etwas Besonderes zu schaffen versuchen. Die sich dabei auf einen Kampf gegen alle feindlichen Widerstände einlassen. teleschau: Aber ein besonders netter Mensch soll er nicht gewesen sein ... Ferch: Er hatte sicher einen sehr unappetitlichen Charakter. Sein Ehrgeiz. Seine chauvinistische Attitüde. Sein halbes Leben hat er inszeniert. Seine Autobiografien sind gespickt von Fälschungen. Aber er war jemand, der es einfach schaffen wollte, mit der Faust in der Tasche. Jemand, der es allen zu zeigen versuchte. Jemand, der nicht im Traum daran glaubte zu scheitern. Und wenn er es trotzdem täte, dann wenigstens im großen Stil. teleschau: Hat Schliemann Troja entdeckt? Ferch (zuckt leicht mit den Schultern): Das ist eben der Mythos. Letztlich ist Schliemann vor allem ein Popstar. Das ZDF hat mit "Schliemanns Erben" eine ganze Reihe nach ihm benannt. Er ist eben eine bekannte Figur. Was nun wahr ist und was nicht? Die eine Hälfte sagt, das könne nicht Troja gewesen sein. Die andere meint, es sei doch Troja. Die einen sagen, den Schatz des Priamos hat er im Nachhinein so zusammengestellt. Die anderen meinen, Schliemann habe ihn genau so gefunden. Ich weiß es nicht ... teleschau: Schliemann kam, abgesehen von Dokumentationen, bislang als Filmstoff für Fiktion kaum vor. Liegt das daran, dass er ein Unsympath war, und dass wir erst jetzt in einer Zeit angekommen sind, in der man einen Film mit einem solchen Kerl im Mittelpunkt machen kann? Ferch: Das weiß ich nicht, schwer zu sagen. Vielleicht ist das richtig. teleschau: Aber die Helden sahen früher anders aus. Sie mussten strahlend sein ... Ferch: Ich denke schon, dass Fernsehen und Kino auch vom Leben gelernt haben. Und das hat nicht nur sympathische Menschen, sondern eben vielschichtige Figuren, auch unsympathische. Es ist schon wahr: Das Fernsehen wird zunehmend authentischer. teleschau: Schliemann kauft sich eine Frau, behandelt seine Mitarbeiter zunächst schlecht. Auch wenn er sich mit der Zeit etwas wandelt, ein wirklich netter Mensch wird er nicht. War es für Sie persönlich wichtig, dass Sie - wie schon im TV-Mehrteiler "Auf immer und ewig" - auch diesmal nicht das Heldenklischee bedienen? Ferch: Das war schon wichtig. Die Presse sieht es doch so: "Comedian Harmonists", "Tunnel", "Das Wunder von Lengede", "Der Untergang", "Die Luftbrücke" - mit diesen Filmen werde ich immer wieder ausschließlich identifiziert. Dabei gab es 35 andere Filme in meiner Karriere. Die nennt keiner. Ich gehe daher schon sehr bewusst in meiner Rollenwahl vor. Demnächst drehe mit der Regisseurin Vanessa Jopp fürs Kino, eine Komödie mit tragischen Untertönen. Es ist ein schwedisches Drehbuch. Ein Ensemblefilm, der an einem Tag, am 24. Dezember, spielt. teleschau: Einst hatten Sie den Wunsch, Meeresforscher zu werden. Ferch: Stimmt, ich wurde in Bremerhaven geboren, wuchs an der Küste auf und wurde mit Hans Hass und Jacques Cousteau groß. Früh begann ich mit dem Tauchen. teleschau: Und Ihr Vater war Kapitän. Ferch: Ja. Wenn ich nicht zufällig die Bühne entdeckt hätte - damals wurden Leute fürs Musical gesucht -, hätte es mich wohl in Richtung Meer gezogen, und ich hätte mein Leben lang nachgesehen, ob die pH-Werte im Ärmelkanal stimmen. teleschau: Mit Geschichte konnten Sie dem Vernehmen nach in der Schule nichts anfangen. Sie sind sogar zweimal sitzen geblieben. Wegen Geschichte? Ferch: Nein, wegen Naturwissenschaften und Sprachen. Irgendwie haben mich Musik und Sport immer mehr interessiert. Beim Geschichtsunterricht ging es schon damals vor allem um Bücher und um die Zahlen darin. Das war mir zu trocken. Zu viel Politik. Es interessierte mich damals nicht. Aber das Leben lehrt einen später, worauf es ankommt. In Physik war ich nie gut. Doch als ich das Tauchen lernte, hatte es plötzlich eine besondere Bedeutung. Und ähnlich erging es mir bei den historischen Filmen, die ich drehte. teleschau: Die Idee zur Verfilmung von Schliemanns Entdeckung stammt von Ihnen. Sie haben viel gelesen über ihn. Wie erging es Ihnen, als Sie dann eines Tages, wie er damals, den Spaten zum ersten Mal in die Erde trieben? Ferch: In diesem Moment war ich einfach nur glücklich, dass die Idee nach Jahren tatsächlich Wahrheit wurde. Ich wusste, dass die Dreharbeiten anstrengend werden. Dass sie so anstrengend würden, wusste ich nicht. Es war drückend heiß in Kroatien, der weiße Stein reflektierte die Hitze noch einmal. Und die Unterstände brauchten wir für die Pferde. Das vermittelte mir schon ein Gefühl davon, wie es damals hätte sein können. Nur, das sind lediglich die äußeren Umstände. Schliemann nahm schließlich einen Großteil seines Vermögens in die Hand und ging das Risiko ein, alles zu verlieren. Er trat an gegen alle Widerstände, ging seinen Weg, auch wenn die Leute über ihn lachten. Das war der Wesenszug, der mich beeindruckt hat. teleschau: Gibt es etwas, für das Sie selbst alles riskieren würden? Ferch: Für die Liebe des Lebens riskiert man alles. Ich denke, wenn dein Kind in Not ist. Wenn man selbst krank ist. Wenn Dinge geschehen, die uns allen Angst einjagen. Dann würde ich schon riskieren. teleschau: Aber das sind Reaktionen auf etwas. Schliemann agierte ohne Not und setzte alles. Ferch: Wer weiß? Vielleicht geschieht eines Tages etwas, für das ich das auch tun würde. teleschau: Würden Sie sich als Spieler bezeichnen? Ferch: Nein, ich bin kein Spieler. Ich muss nicht auf Schwarz oder Rot setzen. teleschau: Ein Schauspieler, der kein Spieler ist? Ferch: Ein Schauspieler, der verspielt ist!
Kai-Oliver Derks
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