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Von Hubschraubern, Powerslides und Sechsmeter-Sprüngen
Schauspieler Gedeon Burkhard
(tsch) Auch wenn für die wirklich haarigen Szenen Stuntleute bereit stehen, ein Engagement in "Alarm für Cobra 11" (RTL) ist nichts für Weicheier der Schauspielzunft. Gedeon Burkard übernahm in der am Donnerstag, 22. März, startenden elften Staffel der erfolgreichsten deutschen Actionserie eine Hauptrolle, nachdem Vorgänger René Steinke ("Tom Kranich") den Job auf der Autobahn an den Nagel gehängt hatte. Im Interview erzählt der smarte Mime jetzt von seinen größten Ängsten und Glücksgefühlen während heißer Stuntszenen, erklärt aber auch den Wert von Actionfernsehen made in Germany.
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teleschau: "Alarm für Cobra 11" wirbt ganz offensiv mit dem Label "Actionserie". Sind Sie gerne ein Actionstar?Gedeon Burkhard: Über solche Begriffe mache ich mir keine Gedanken. "Cobra 11" ist eine Serie mit hochklassig produzierten Actionanteilen. Ein Genre, das es in Deutschland ansonsten nicht gibt. Für mich als Schauspieler steht trotzdem der Inhalt immer an erster Stelle. Wenn sich aus meiner Rolle im Zusammenhang mit der Action etwas Mitreißendes ergibt, bin ich sehr zufrieden. Aber Action ohne Geschichte, das bringt rein gar nichts. teleschau: Sie spielen Chris Ritter, eine etwas zwielichtige Figur, die nach dem Pilotfilm René Steinke als Partner von Autobahn-Cop Erdogan Atalay ablöst. Was hat Sie an dieser Rolle gereizt? Burkhard: Im Pilotfilm lernt man Chris Ritter als jemanden kennen, der er in der späteren Serie gar nicht sein wird. Er wird vom scheinbar Bösen zum Guten. Trotzdem bleibt die Figur gebrochen. In der Vergangenheit sind ihm Dinge widerfahren, die einen Schatten auf seine Seele warfen. Deshalb ist er heute ein fast schon fanatischer Polizist. Das bedeutet allerdings auch, dass sich Polizist und Verbrecher in ihren Methoden annähern. Dass Chris Ritter sehr lange undercover gearbeitet hat, spielt diesem Phänomen natürlich in die Karten. Er ist sicher nicht politisch korrekt, was in der Serie immer wieder zu Konflikten führt. teleschau: Wie lange werden Sie diese Rolle spielen? Eine Staffel oder mehr? Burkhard: Zunächst laufen jetzt der Pilotfilm und zehn Folgen. Gleichzeitig fangen wir mit der Produktion der zweiten Staffel an. Keine Serie würde mit einem Hauptdarsteller einen Vertrag über nur eine Staffel abschließen. Meiner läuft zwei Jahre, und dann werden wir mal sehen. Ich habe aber nebenbei durchaus noch Zeit für andere Projekte. Im November sind wir im Prinzip schon durch mit der Produktion. Ich werde danach aber noch ziemlich lange Zeit in der Rolle auf dem Bildschirm zu sehen sein. teleschau: Würden Sie sich als Actionfan bezeichnen? Burkhard: Gut gemachtes Popcorn-Kino gefällt mir durchaus. Die Möglichkeiten männlicher Charaktere im Actiongenre sind großartig, da gibt es viele kernige Role Models, die man gerne verkörpert. Bei dieser Rolle war es so, dass ich mich mit RTL und den Produzenten von action concept zusammensetzte, um die Figur gemeinsam zu entwickeln. Weil wir einen Charakter fanden, den ich für spannend halte, haben wir Nägel mit Köpfen gemacht und sind das Projekt angegangen. Dass war aber vorher keineswegs klar. teleschau: Gibt es eigene Actionhelden aus der Kindheit? Fast jeder Junge ist doch eine gewisse Zeit seines Lebens glühender Actionfan ... Burkhard: Na ja, James Bond ist natürlich die faszinierendste Actionfigur. Die habe ich mir reingezogen, als ich mit zwölf Jahren dann endlich die Filme sehen durfte. Mich hat aber sehr früh schon eine bestimmte Art Männerfigur noch mehr begeistert, solche wie sie Alain Delon im Film "Le Samouraï" ("Der eiskalte Engel", d. Red.) verkörpert. teleschau: Sie meinen geheimnisvolle Figuren? Burkhard: Genau, die fand ich immer reizvoll. Wenn meine Figuren eine Mischung aus Geheimnis und Gefahr ausstrahlen, macht mir das Spielen am meisten Spaß. teleschau: Ein wichtiger Teil des Actiongenres ist seine Körperlichkeit. Einige Schauspieler lieben es, gefährliche Stunts selbst zu drehen. Sind sie so einer? Burkhard: Man muss unterscheiden zwischen Stunts und so genannter physischer Action. Letzteres ist nicht wirklich gefährlich, und man sollte schon Lust auf so was haben, sonst ist man bei einer Serie wie "Cobra 11" fehl am Platze. Natürlich könnte man sich in Actionszenen häufiger doublen lassen als ich das tue, aber dann werden auch die Übergänge zwischen den Szenen schwieriger. Das Team von action concept ist weltklasse, deshalb fühle ich mich auch sehr sicher, wenn ich für die vom Dach springe. teleschau: Wobei haben Ihnen die Knie am meisten gezittert? Burkhard: Ich war früher klettern und bin bei einem Absturz nur knapp mit dem Leben davon gekommen. Seitdem habe ich es nicht mehr so mit großen Höhen. In der Serie gibt es eine Szene, da sitzen mein Partner und ich auf dem Vordach des Polizeigebäudes. Als wir plötzlich los müssen, soll ich spontan vom Dach springen. Zum Boden waren es dann doch an die sechs Meter, das hat mich ziemlich viel Überwindung gekostet. Du springst da auf Matten und es fühlt sich an als würde man von der Tischkante springen. Trotzdem war das für mich die schwierigste Szene. Gott sein Dank musste alles so schnell gehen, dass ich wenig Zeit zum Überlegen hatte. teleschau: Gab es auch positive Überraschungen? Spektakuläre Stunts, die besonders einfach in der Ausführung waren oder Ihnen sogar Spaß bereiteten? Burkhard: Es gibt eine unglaubliche Szene, in der ich kopfüber mit den Knien an den Kufen eines Polizeihelikopters hänge und übers Wasser fliege. Mein Partner Erdogan Atalay hängt unter mir an einem Seil hinter einem Motorboot. Der Hubschrauberpilot hatte nur den Auftrag, so niedrig über das Wasser zu fliegen, dass Motorboot und Hubschrauber in einer Einstellung zu sehen sind, dann sollten die Stuntleute übernehmen. Der flog aber so dicht an das Motorboot ran, dass ich plötzlich die ausgestreckte Hand von Erdogan greifen konnte. Das habe ich dann getan. Was soll man auch anders machen in so einer Situation? Ich schnappte die Hand, und gemeinsam hingen wir an diesem Helikopter. Was ursprünglich ein komplizierter Stunt sein sollte, hatten wir plötzlich selbst gedreht. Kein unbedingt schlechtes Gefühl ... teleschau: Wir nehmen an, dass man bei "Cobra 11" auch spektakulär mit dem Auto fahren darf? PS-starke Maschinen, quietschende Reifen, maximale Beschleunigung - ist das Ihre Welt? Burkhard: Wenn Autos durch die Luft fliegen, sitzt da sicher keiner von uns Schauspielern drin - soviel erst mal zur Aufklärung. Aber schnelles, dynamisches Fahren, 180-Grad-Powerslides - so etwas machen wir schon selbst. Erdogan Atalay ist so lange dabei, er hat viel Erfahrung, und ihm macht das auch Spaß. Ich habe früher ein bisschen Motorsport gemacht, wir können beide ganz gut mit dem Auto umgehen. Für "Cobra 11" existiert ja seit langem ein eigens gebautes Autobahnstück, auf dem solche Szenen gedreht werden. Wenn man weiß, dass einem keine anderen Verkehrsteilnehmer in die Quere kommen, macht es schon Spaß, mal richtig Gas zu geben. teleschau: Welche Art von Motorsport haben Sie betrieben? Burkhard: Zunächst bin ich ein wenig Motocross gefahren, fand dann aber die Gefährte mit vier Rädern spannender. Ich verlegte mich aufs Kartfahren. Später fuhr ich dann ab und zu auf Rennstrecken und zahlte dafür, mit den schnellen Wagen ein paar Runden drehen zu dürfen. teleschau: Sie waren also prädestiniert für eine Rolle in "Cobra 11"? Burkhard: Na ja (lacht), das bisschen Kartfahren war sicher nicht Grund, warum man mir die Rolle anbot. Aber es ist natürlich für die Dynamik der Bilder und die Handlung besser, wenn man solche Fahrszenen in einer Einstellung drehen kann. Der Wagen schleudert herum, und du steigst aus - ohne Schnitt. Das ergibt schon eine bessere Szene. teleschau: "Cobra 11" läuft seit über zehn Jahren sehr erfolgreich. Was ist das Geheimnis dieser Serie? Burkhard: Außer bei "Cobra 11" gibt es in Deutschland keine Action auf diesem Niveau. Für den Erfolg ist vor allem Hermann Joha und seine Firma action concept verantwortlich. Die drehen hollywoodreife Szenen, aber in viel kürzerer Zeit und mit weitaus weniger Geld. Das ist ihre große Kunst. An den Actionszenen für eine Folge "Cobra 11" drehen wir nur drei Tage. Da hätte man in Hollywood noch nicht mal die Hälfte einer Verfolgungsjagd im Kasten. teleschau: Wie schaffen die "Cobra 11"-Macher das? Burkhard: Durch hart erarbeitetes Knowhow und zwölf Jahre Erfahrungswerte. In den Anfängen fuhr einer mit 30 Stundenkilometern gegen einen Baum, und wenn es gut ging, hat er es beim zweiten Mal mit 50 Stundenkilometern probiert. Wenn man so etwas über viele Jahre macht, immer mit dem Kostenproblem im Nacken, ist man irgendwann mal so weit. Die großen Actionschmieden in Hollywood hatten eben immer das Geld und die Zeit. Deshalb waren sie nie vor die Aufgabe gestellt, hochklassige Action billig zu produzieren. teleschau: Ist das Actiongenre für eine deutsche Serie nicht dennoch ein schwieriges Feld? Immerhin hat man heute jederzeit die Möglichkeit, auf aufwändiger produzierte Hollywood-Action im Nachbarkanal umzuschalten. Man kämpft da doch gegen eine scheinbar übermächtige Konkurrenz ... Burkhard: Es gibt aber auch einen Vorteil. Wir erzählen deutsche Geschichten mit deutschen Figuren. Ich glaube schon, dass die Zuschauer so etwas sehen wollen. Außerdem sind wir die Autobahnpolizei, was uns international eine Alleinstellung verschafft. Nirgendwo sonst darf man mit dem Auto so schnell durch die Gegend fahren wie bei uns. "Cobra 11" ist in viele Länder exportiert worden. Sicher auch deshalb, weil die deutsche Autobahn weltweit ein Mythos ist.
Eric Leimann
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