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Candy
Candy(tsch) Eigentlich dreht sich im diesjährigen Berlinale-Beitrag "Candy" alles nur um Heroin. Heroin und die Liebe. Der australische Theaterregisseur Neil Armfield holte sich gerade noch rechtzeitig Heath Ledger, seit "Brokeback Mountain" der neue Star des Kontinents, in sein kleines Boot. Auch Geoffrey Rush konnte er überzeugen und die talentierte Abbie Cornish. Mit ihnen inszenierte Armfield einen intensiven Drogenfilm mit sehr intimer Atmosphäre und ohne Tabus. Anzeige
Beruhigend, fast zärtlich führt Heath Ledger aus dem Off in das Schicksal von Dan und Candy ein. So poetisch seine Worte klingen, Dan wird bald merken, dass das Leben mit Drogen kein lustiges Jahrmarktvergnügen ist, das einen nur ein wenig gegen die Wand drückt. Die Fliehkraft wird nicht sein Problem sein, denn zum Fliehen fehlt ihm die Kraft. Seine Freundin Candy (Abbie Cornish) und er sind äußerlich ein Traumpaar. Fürs Lachen und Lieben bleibt wenig Zeit, sehr früh fällt der Satz "Ich wollte nicht ihr Leben ruinieren, sondern meins besser machen." Mit Candy, dieser zerbrechlichen Schönheit, die in einem behüteten Elternhaus aufwuchs, jedoch ihre Fäuste ballt, seit sie ein kleines Mädchen ist. Das zumindest schreit sie ihrer Mutter gegenüber heraus, als diese Dan für den Abstieg ihrer Tochter verantwortlich macht. Das macht der australische Regisseur gut. Zwar arbeitet auch er mit Klischees, doch er bricht sie auf, malt nicht in schwarz und weiß, weist keine Rollen von Schuldigem und Opfer zu. Dan und Candy, beide im weiteren Sinn Künstler, haben sich gefunden und gehen den Weg, den sie gewählt haben. Armfield schafft es, die große Liebe deutlich zu machen. Dieses Band, das sie verbindet und in den Abgrund ziehen wird. In diesem Drama werden Egoismen zu Ende gedacht. Es klingt schön, "das Leben besser machen", doch letztlich besagen diese Worte, dass man einen anderen Menschen benutzt. Sowohl Heath Ledger als auch Abbie Cornish sind so intensiv, dass man sich nicht abwendet. Ebenso wenig wie ihr Dealer, der das Paar immer wieder auffängt. In dem kultivierten, drogenkranken Professor (Geoffrey Rush) haben sie einen ebenso lyrischen Mentor gefunden. Auch er kennt weise Sätze: "Wenn du aufhören kannst, willst du es nicht und wenn du willst, geht es nicht mehr." Wollüstig dreht er seine Runden, philosophiert und scheint nicht viel in diesem Leben ernst zu nehmen. Wie so oft eignet sich Rush ganz hervorragend für die Darstellung seltsamer Gegensätze - und fährt noch lachend gegen die Wand. Zeitweise werden Drogen, oder zumindest ihr Versprechen auf Glücksseligkeit verherrlicht. Auf Hintergründe seinen Hauptdarsteller betreffend, verzichtet der Film dagegen, konzentriert sich ohne Entschuldigungen auf die Spirale nach unten, bringt mit einem dichten Drehbuch, das ständig neue Entwicklungen präsentiert, den Zuschauer dazu, diese beiden nicht loslassen zu wollen, obwohl sie jeden Rettungsanker vorbeischwimmern lassen, obwohl sie nichts stoppt, was ein junges verliebtes Paar stoppen sollte. Schon bei seinem Kurzauftritt in "Monster's Ball" empfahl sich Heath Ledger für ernste Rollen. Damals rief er alles Leiden in seinem Gesicht zusammen. Das war einfach nur elend. Auch in "Candy" zeigt der inzwischen zum Charakterdarsteller gereifte Ledger sein Potenzial. Erstaunlich in diesem Fall, wie er den ersten Teil des Dramas trägt, um dann nahtlos an Abbie Cornish abzugeben, die mit ihrer Erfahrung aus der australischen Coming-of-age-Geschichte "Somersault" (2004) diese Bestsellerverfilmung zum schwierigen Ende bringt. Claudia Nitsche |
Credits: Laufzeit: 108 Min. Kinostart:21.9.06 |
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