(tsch) "Samaria" (2004), der Titel liegt schwer auf den Film. Die Barmherzigkeit kommt von zwei jungen Mädchen, die in einem Moment noch, ganz kindlich, am Eis lecken, im nächsten aber die Gelüste in einem perversen Kosmos alter Männer befriedigen, die nach dem Orgasmus ihre eigenen Töchter anrufen. Der koreanische Regisseur Kim Ki-Duk, derzeit läuft sein neuer Film "Hwal - Der Bogen" in den Kinos, war nach dem subtilen "Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling" (2003) wieder kompromissloser und drastischer. Er schafft eine beklemmende Atmosphäre und macht mit extremen Bildern den Schmerz spürbar. Das Erste zeigt den bei der Berlinale 2004 mit dem Silbernen Regie-Bären ausgezeichneten Film im Nachtprogramm.
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Jae-young und Yeo-jin haben ihre Kindheit noch nicht hinter sich, aber schon verloren. Die eine arbeitet als Prostituierte, die andere ist ihre Managerin, verwaltet Termine und passt auf, dass sie nicht erwischt werden. Nach den Freiern wollen sie wieder zu kleinen Mädchen werden und Träume haben. Doch die Unbekümmertheit ist schon längst aus den Augen verschwunden.
Nach dem Tod ihrer Freundin, die bei der Flucht vor der Polizei aus dem Fenster springt, ruft Jae-Jin die Freier an. Sie schläft mit ihnen und bezahlt sie dafür mit dem Geld, das Jae-Young verdient hat. Bis ihr Vater hinter das Doppelleben seiner Tochter kommt und die Männer in einem hilflosen Rachefeldzug verfolgt. Anfangs will er sie nur zu Rede stellen, aber seine Wut wächst, wird körperlich und letztendlich tödlich. Ein Landausflug ist sein letzter verzweifelter Versuch, vor dem Übel der Welt zu fliehen und seiner Tochter die Unschuld zurück zu bringen.
Mit außergewöhnlicher Kraft und verstörender Kompromisslosigkeit hat Kim Ki-Duk einen Film gemacht, der sensibel den schmerzhaften Verlust der Kindheit nachzeichnet, die Schwierigkeiten des Loslassens zeigt und sich mit bildhafter Poesie und Stringenz in der Erzählung seinen Lieblingsthemen, Schuld, Sühne und Erlösung, widmet. Er lässt Vater und Tochter am Ende sprachlos, schweigsam und wissend im Auto sitzen, unfähig das Unaussprechliche auszusprechen. Die Seelen sind von den Perversitäten der Welt bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt, aber was neben Wut, Ekel, Angst und Verzweiflung bleibt, ist das Bild eines Mädchens, das unverdrossen und lächelnd Steine aus dem Weg räumt.
Andreas Fischer
Verzweifelt versucht Yeo-Jin (Kwak Ji-Min) ihre schwer verletzte Freundin Jae-Young (Seo Min-Jung) zu retten. (ARD / Degeto)
Die Freundinnen Jae-Young (Seo Min-Jung, links) und Yeo-Jin (Kwak Ji-Min) träumen von einem Trip nach Europa. (ARD / Degeto)
Die melancholische Yeo-Jin (Kwak Ji-Min) will am liebsten tot sein. (ARD / Degeto)
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