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Scissor Sisters - Ta-Dah

Scissor Sisters Ta-Dah

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Die Zeichen stehen auf Sturm. "I Don't Feel Like Dancin", die großartige erste Single aus "Ta-Dah", schoss auch in Deutschland sofort in die vorderen Regionen der deutschen Single-Charts. In England ist das Treppchen für die New Yorker eine fest gebuchte Position - alleine von ihrem Debüt verkauften sie dort unglaubliche 1,3 Millionen Einheiten. Der Versuchung, einfach noch einmal ein ähnliches Album auf den Markt zu werfen, widerstehen sie aber. Wo der selbstbetitelte Erstling Club-affin war und mit Tracks wie "Filthy Gorgeous" oder "Comfortably Numb" immer den Zeitgeist im Hinterkopf hatte, ist "Ta-Dah" das große, allgemeingültige Pop-Album. Die Scissor Sisters bauen hier ihre Kernkomeptenzen aus, bewegen sich souverän zwischen schillernder Pop-Grandezza und euphorisierter Disco-Ekstase. Gleichzeitig knüpft das Quintett mit Vorliebe genau da an, wo sich sonst niemand hin traut.

Es ist eben keine Ironie, kein Schenkelklopfen, wenn hier die Bee Gees, Starlight Express, Paul McCartney zu "Mull Of Kintyre"-Zeiten, Middle Of The Road und Electric Light Orchestra zitiert werden. Es geht darum, dass all diese Einflüsse Attribute mit sich bringen, die nicht nur für die Scissor Sisters enorm wichtig sind, zum Beispiel eine unbedingte Liebe zur ausgearbeiteten Melodie, zum feinen Arrangement, und ja, auch zur verschwenderischen Opulenz, die man ja ein bisschen aus den Augen verloren hat. Einer Modernisierung verweigern sich die Scissor Sisters, hier schraubt kein Timbaland, kein Danger Mouse an den Songs herum. Sondern eben Elton John, der die Single mitschrieb und bei zwei Stücken am Klavier sitzt oder Sixties-Legende Van Dyke Parks, die für einige Streicherarrangements verantwortlich zeichnet. Einzig Madonna-Produzent und Les-Rythmes-Digitales-Frickler Stuart Price entstammt sozusagen der Jetztzeit.

So entsteht eine enorme Vielseitigkeit, die es dem Hörer nicht immer leicht macht, letzten Endes aber durch ihre Gewitztheit grandios unterhält. Da üben sich die Scissor Sisters auf "I Don't Feel Like Dancin" im Kopfstimmen-Overkill für den Tanzboden, um wenig später mit "Land Of The Thousand Words" einen Song herauszuhauen, den Rock-Blättchen in den 80er-Jahren wohl als Powerballade bezeichnet hätten und sich auch mit "Might Tell You Tonight" mitten im Seventies-Mainstream festzusetzen. "Intermission" spielt mit Cabaret-Elementen, das folgende "Kiss You Off" ist wieder ein unbedingter Hit mit grandioser Synthie-Hook und einer Melodie, die schon beim ersten Hören zu ziemlich alles wegkickt, was vorher im Ohr war. Und dass ein Song "Paul McCartney" heißt, ist angesichts oben erwähnter Referenzen nur schlüssig. Der hat übrigens, so hört man, an den Songs der Scissor Sisters seine diebische Freude. Wir feiern einfach mal mit.

Jochen Overbeck


Datum: 27.09.2006

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Diskussion: "Scissor Sisters - Ta-Dah"

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