(tsch) Marschierende Soldaten und Verschwörungstheorien sind Oliver Stones Steckenpferde. Und amerikanische Traumata. Schlicht "World Trade Center" benannte der wohl streitbarste Regisseur Hollywoods seinen neuen Film, der seit dem 28. September in den deutschen Kinos für Furore sorgt - allerdings weniger als politisches Statement funktioniert, denn als authentische Wiedergabe erschreckend wahrhaftiger Ereignisse. Da bezog Stone in "Platoon" schon etwas deutlicher, wenngleich ebenfalls nicht eindeutig Stellung. Auch damals, 1986, sprach er das Trauma einer ganzen Nation mit seinem Vietnamdrama an. Dabei verarbeitete er seine eigenen Erlebnisse als einfacher Soldat. "Ich wollte die Alltagsrealität eines 19-jährigen Jungen beschreiben, der noch nie im Dschungel gekämpft hatte", erklärt Oliver Stone, damals 40 Jahre alt. kabel eins zeigt den oscarprämierten Klassiker nun noch einmal - übrigens während im Ersten zeitgleich mit "Das Boot - Director's Cut" ein zweiter ganz großer Vertreter des Antikriegs-Genres antritt.
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Charlie Sheen verkörpert im Film den jungen Private Chris Taylor, der in eine Einheit (Platoon) mit kampferprobten Männern gesteckt wird. Hier erlebt er den Unterschied zwischen Gut und Böse. Zusätzlich zum erbarmungslosen Kriegsgeschehen und der Suche nach "Charlie" wird er in eine private und tödliche Auseinandersetzung seiner beiden Vorgesetzten Sergeant Barnes (Tom Berenger) und Sergeant Elias (Willem Dafoe) verwickelt. Der eine ist ein blutrünstiger Killertyp, der andere ein Verfechter der Gerechtigkeit.
"Platoon" wurde auf den Philippinen gedreht. Hier mussten die Darsteller vor Beginn einen 13-tägigen Intensivkurs unter schwersten Bedingungen absolvieren. "Der Gedanke war: den Schauspielern die Lebensbedingungen eines Infanteriesoldaten physisch wie psychisch klarzumachen", sagte Stone.
Um den mit vier Oscars ausgezeichneten Film entbrannte damals eine heiße Diskussion. Kritiker warfen dem Vietnamdrama das Fehlen einer klaren Schuldzuweisung für den Konflikt in Fernost vor und entdeckten amerikanische Helden. Befürworter dagegen sahen es nicht als die Aufgabe Stones, den Ursachen nachzugehen und eine politische Analyse zu bieten. Sie betrachten das Werk als einen Anti-Kriegsfilm, der das Geschehen als barbarisch entlarvt und das Denken, das Krieg als Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln sieht, in Frage stellt.
Jan Treber
Der junge Private Chris Taylor (Charlie Sheen) merkt bei seinem "Platoon" in Vietnam schnell, dass er ein unerfahrener Grünschnabel ist. (Orion Pictures Corporation)
Sie haben einen mörderischen Auftrag und können sich gegenseitig nicht ausstehen: Sergeant Elias (Willem Dafoe, links) und Sergeant Barnes (Tom Berenger). (Orion Pictures Corporation)
Das erste Opfer des Krieges ist immer die Wahrheit: Sergeant Elias (Willem Dafoe) wird von seinen eigenen Männern verraten. (Orion Pictures Corporation)
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