(tsch) Zu brutal, zu gewalttätig, zu schamlos ist Bret Easton Ellis' Roman "American Psycho", als dass er akkurat hätte verfilmt werden können. Blackouts habe er gehabt, beim Verfassen, und Patrick Bateman, die Hauptfigur, habe ihn noch im Schlaf heimgesucht, behauptete Ellis in seinem bislang letzten, im Stile einer Biografie geschriebenen Werk "Lunar Park". Sein Skandalbuch von 1991 bewegt sich denn auch irgendwo zwischen brillanter Satire und einer Anleitung für angehende Psychopathen. Im Jahr 2000 materialisierte sich der metzelnde Börsenbroker mit den tollen Anzügen aus dem Buch auf der großen Leinwand. Und vox zeigt den bitterbösen und satirischen Thriller "American Psycho" nun erneut.
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Wenn einen der Geldautomat auffordert, ihn mit streunenden Katzen zu füttern, ist das seltsam. Wenn Sexualtrieb und Geltungsdrang dazu führen, wahllos Menschen auf gründlich abartige Art und Weise zu ermorden, ist das ein Problem. Oder auch nicht. Denn wenn es der Umwelt völlig egal ist, wie der Kollege plötzlich verschwinden konnte oder weshalb die Prostituierte mit einer Kettensäge in der Leistengegend im Treppenhaus liegt, braucht man sich auch nicht um juristische Konsequenzen zu sorgen. Schön satirisch, aber auch richtig brutal greift der Film dieses Indifferenz-Problem auf.
Christian Bale, der ab 10. Januar 2007 in dem packenden Historienthriller "The Prestige" zu sehen sein wird und im nächsten Jahr wohl abermals in den hautengen Anzug von Batman schlüpft, spielt jenen 27-jährigen Patrick Bateman - einen reichen Börsenmakler mit sündhaft teurem Apartment, coolen Designeranzügen und willigen Gespielinnen. Kurzum: Er ist die Fleisch gewordene Definition des Phänomens "Yuppie".
Bateman hat den Blick für den Menschen selbst verloren. Er weidet sich an Statussymbolen und trägt absurde Wettkämpfe mit sich aus: Wer erhält im In-Restaurant den besten Tisch, wer besitzt die schönsten Visitenkarten, wer ist am besten gekleidet? Bateman verliert sich in übertriebener Leidenschaft in der Musik der 80er-Jahre, in Huey Lewis und Genesis. Er nimmt Mode-Drogen, betrachtet sich beim Sex am liebsten selbst im Spiegel und interessiert sich ansonsten für niemanden. Vor allem aber ist Bateman ein Serienkiller - oder er glaubt es zu sein.
Der Roman schildert die grausamen Taten in einer Deutlichkeit, die selbst Hartgesottene schlecht schlafen lässt. Im Film deutet sie Regisseurin Mary Harron jedoch meist nur vage an und überlässt den Rest der Fantasie des Zuschauers.
Bernd Fetsch
Patrick Bateman (Christian Bale) ist ein Yuppie vor dem Herrn, aber auch ein psychopathischer Massenmörder? (vox)
Christie (Cara Seymour) sollte auf ihren Instinkt hören und die Wohnung von Patrick Bateman (Christian Bale) schnellstens verlassen. (vox)
Patrick Bateman (Christian Bale) ist von einer unbändigen Mordlust besessen. Zum Glück trägt er einen Regenmantel. Wäre doch schade um den schönen Anzug. (vox)
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