(tsch) Natürlich darf sich ProSieben selbst bei der Wiederholung von "Matrix: Reloaded" (2003) und der Free-TV-Premiere von "Matrix: Revolutions" eine Woche später (Sonntag, 29.10.) hohe Quoten erhoffen. Dennoch: Filme wie diese sind eigentlich nichts fürs Fernsehen. Das Bildspektakel der Regiebrüder Andy und Larry Wachowski entwickelt nur auf der Kinoleinwand oder im gut ausgestatteten Heimkino seine ganze Kraft, Faszination und Coolness.
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Anders als beim ersten Teil, der 1999 vor allem durch Mundpropaganda die Menschen ins Kino lockte, wurde "Matrix Reloaded" von einem gnadenlosen Hype begleitet: Von den Klamotten bis hin zum Softdrink - es gab alles.
Basierte der Vorgänger noch auf der ebenso genialen wie absurden Grundidee, die Welt, die sich uns präsentiert, sei nicht mehr als ein schönes, virtuelles Lügengebäude, genügte das dann längst nicht mehr. Der Kampf "Mensch gegen Maschine" wurde fortgeschrieben. Es gab erste, wenngleich wenige Antworten auf viele Fragen. Erst der dritte Teil brachte etwas mehr Klarheit ins Verwirrspiel.
Nur noch wenige Stunden haben Cyber-Messias Neo (Keanu Reeves) und seine Gefährten Zeit, die letzte freie Stadt Zion zu retten, die belagert wird und vor seiner Zerstörung steht. "Reloaded" ist, wenn man es so nennen darf, ein "Brückenfilm" zum inhaltlich bedeutsameren dritten Teil. Eigentlich passiert nicht viel, die Ausgangslage wird ausführlich erklärt. Es folgen eine Reihe von Verfolgungsjagden, Prügeleien und Schießereien, die so ziemlich alles in den Schatten stellen, was bis dato als "spektakulär" galt.
Mehr als im Vorgänger spielt diesmal die merkwürdig undurchschaubare spirituelle Ebene des Plots eine Rolle. Die Gebrüder Wachowski entschieden sich, wohl auch angespornt durch den außergewöhnlichen Erfolg, die Vieldimensionalität der Welten mitunter ins Absurde und mehr noch als in Teil eins auch ins Religiöse zu treiben. Eine ganz bewusste Überforderung des Zuschauers, der keine Wahl hat. "Reloaded" ist reich an tiefsinnigen Sätzen, die irgendwo zwischen zwecklosem Wortspiel und Pathos wabern. Hauptsache cool. "Du bist nicht hier, um dich zu entscheiden. Die Entscheidung hast du bereits getroffen." Genau so ergeht es auch dem Betrachter. "Manche Dinge ändern sich nicht. Manche schon." Im Film werden solcherlei Stammtisch-Weisheiten reihenweise vorgetragen wie Bibelverse.
Es ist paradox: Der Dreiteiler "Matrix" erzählt vom Missbrauch der Technik. Doch um als Film überhaupt beachtet zu werden, musste er deren Möglichkeiten intensiver nutzen, als es das Kino bisher tat. Natürlich schrieb "Reloaded" höchst ästhetisch diese eigene Tradition fort. Unterlegt von einem gewaltigen Soundtrack findet nach einer dezenten ersten Stunde ein permanentes Spiel mit Schwerkraft und sonstigem irdischen Regelwerk statt. Ein visuelles Erlebnis, zweifelsohne. Ein gewalttätiges Ballett, aber schön anzusehen - wenngleich man sich ab und an fragt, warum Neo überhaupt die Konfrontation mit den unzähligen Agenten Smith (Hugo Weaving), die diesmal auftauchen, aufnimmt. Verfügt er doch nun über die Fähigkeit, einfach mal loszufliegen über die Wolken. Wie "Superman", wie auch im Film bemerkt wird.
Was am Ende bleibt, ist die Erkenntnis: Keanu Reeves ist kein grandioser Schauspieler. Aber hier hat er die Rolle seines Lebens gefunden - was wohl auch auf den Rest des Ensembles zutrifft, das für die Bewegung drumherum sorgt. Die Mission des Morpheus (Laurence Fishburne), der Neo als den Auserwählten entdeckte und damit seine eigenen Führungsposition aufgegeben hat, ist erfüllt. Und doch wird er erneut zu einem Schlüssel der Geschichte. Ebenso Trinity (Carrie-Ann Moss), die ihre Liebe zu Neo entdeckt hat und schon deshalb eine Wichtigkeit gewinnt, die über die des Originals, als sie lediglich Mitspielerin war, weit hinausgeht.
Liebesszenen gibt es diesmal reichlich, immer wenn Neo und Trinity alleine sind, fallen sie wie Teenager gierig übereinander her. Und zumindest in diesen Szenen ist es dann auch egal, ob "Matrix 2" auf der großen Kinoleinwand oder dem kleinen Fernseher läuft.
Nick Petersen
Zwischen Trinity (Carrie-Anne Moss) und Neo (Keanu Reeves) entwickelt sich eine Beziehung. (ProSieben / Warner Bros)
Eine echte Bereicherung der "Matrix-Welt": Neil und Adrian Rayment. (ProSieben / Warner Bros)
Morpheus (Laurence Fishburne) und Trinity (Carrie-Anne Moss) haben nicht mehr viel Zeit. (ProSieben / Warner Bros)
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