(tsch) Kein Aufschrei der Kinobetreiber, kein Meckern der Macher: Bereits fünf Wochen nach seiner Leinwandpremiere ist das Low-Budget-Roadmovie "Drum bun" nun im Dritten Programm des BR zu sehen. Der Schweizer Regisseur und ehemalige Werbefilmer Robert Ralston schickt darin einen Berliner Yuppie nach Rumänien und lässt ihn dort nach der Leiche seines Vaters suchen. Klingt abstrus - aber der Jury der Hofer Filmtage hat's gefallen. "Drum bun" ziehe den Zuschauer in seinen Bann und halte die Spannung bis zum Schluss, lautete das Urteil.
Anzeige
Wenn deutsche Spießer-Mentalität auf rumänische Lebensfreude trifft, scheint das Chaos vorprogrammiert zu sein. Martin Schlegel (Felix Theissen) wäre jedenfalls nie freiwillig nach Transsylvanien gereist, wenn nicht sein Vater dort bei einem Jagdunfall das Zeitliche gesegnet hätte und die Leiche nach Deutschland überführt werden müsste. Kaum hat Martin rumänischen Boden betreten, wird ihm auch schon die Brieftasche geklaut. Alle Papiere sind weg.
Zum Glück hat er noch ein paar Notgroschen, mit denen er sich ein altes Auto andrehen lässt - das schon bald den Geist aufgibt. Imi (Tibor Pálffy) und Agi (Krisztina Bíró), ein sich ewig streitendes Paar, nehmen ihn mit und bringen ihn zum Krankenhaus. Dort stellt sich heraus, dass der Leichnam bereits auf dem Weg ins Krematorium ist. Und irgendwie findet Martin Agi ganz nett ...
Mit viel Witz und kleinem Budget hat Robert Ralston in seinem Film eine große Portion Balkan-Atmosphäre eingefangen. Werden am Anfang von "Drum bun" noch gängige Klischees bedient, entwickelt sich die Geschichte zu einer sensiblen Auseinandersetzung mit dem Phänomen des Culture-Clashs.
Obwohl ein Drehbuch vorlag, wurde am Set viel improvisiert. Das merkt man überdeutlich, ist aber nicht sonderlich schlimm. Denn: Felix Theissen, Krisztina Bíró und Tibor Pálffy bei ihrem Zusammenspiel zu beobachten, ist eine höchst unterhaltsame Angelegenheit. Die schrittweise Annäherung zwischen ihnen im holprigen Englisch hält zudem einige Lacher bereit.
Julia Köhler
Felix Theissen (links), Krisztina Bíró und Tibor Pálffy geben in "Drum bun" ein wunderbar chaotisches Trio ab. (BR / drumbun-derfilm)
Imi (Tibor Pálffy, links) und Agi (Krisztina Bíró) fahren mit einem neuen Renault durch die Gegend. Es ist das Auto ihres Chefs. Der weiß nichts von seinem Glück. (BR / drumbun-derfilm)
Martin Schlegel (Felix Theissen) hat sich seine Reise nach Rumänien kürzer vorgestellt: Ankommen, Leiche einpacken und wieder zurück. Doch daraus wird nichts. (BR / drumbun-derfilm)
„Veränderungen beginnen mit den ungewöhnlichen Taten gewöhnlicher Menschen“: Das ist die Aussage der Doku „Darfur Now“ des US-Regisseurs Ted Brown. Der Film ist ein Aufruf an den Westen, etwas gegen den ...
Gerade erst präsentierten die Coen-Brüder noch ihre starbesetzte Krimifarce "Burn After Reading" (Bundesstart: 2. Oktober) in Venedig, schon arbeiten sie an einem neuen Projekt. In dieser Woche beginnen ...
Eigentlich müsste Steven Soderbergh ("Erin Brockovich", "Traffic") der glücklichste Regisseur Hollywoods sein. Es genügt die bloße Nennung seines Namens, um die erste Riege der amerikanischen Schauspieler ...
Einfache Menschen, die mehr oder weniger durch Dummheit in Situationen geraten, denen sie nicht gewachsen sind: Das könnte man als Thema der schwarzen Spionage-Komödie „Burn After Reading“ der Coen-Brüder ...
Zwei arrogante Snobs, die vor allem mit Schönheit und Egozentrik glänzen, aber in der Liebe nicht viel Gefühl zeigen - darum geht es in "Ein (un)möglicher Härtefall" (2003), einem Werk der Coen-Brüder ...
Ohne die richtigen Mitspieler funktioniert der besondere Witz der Coens nicht. Gut, dass die Brüder Ethan und Joel das wissen. Noch besser, dass sie so gut wie keine Probleme mehr haben, hochkarätige Darsteller ...
Anzeige
Konzert-DVD im Stream Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream