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Science Of Sleep - Anleitung zum Träumen(tsch) Wenn man einfach alle Zwänge abschüttelt, und dann einen völlig losgelösten Film jenseits aller Verpflichtungen macht, dann sollten doch die Wünsche für großartigen, fantasievollen Kinospaß erfüllt sein. So hat das Michel Gondry 2004 bei "Vergiss mein nicht" (mit Jim Carrey und Kate Winslet) bewiesen. Gelingt ihm das auch mit seiner Anleitung zum Träumen, die er mit Gael García Bernal in "Science of sleep" erfindet? Anzeige In seinen Träumen hat jener Junge den Mut zu all den Dingen, die ihm im normalen Wachzustand nie einfielen. Stéphane ist schüchtern. Wenn seine Mutter ihn nicht unter dem Vorwand eines kreativen Jobs nach Frankreich gelockt hätte, er wäre nie so eigeninitiativ gewesen, sein Talent anzupreisen. Doch nun sitzt er in ihrer Altbauwohnung, stellt fest, dass er sich bestimmt nicht auf einer ersten Sprosse der Karriereleiter befindet, sondern einen Chef hat, der von ihm die niedersten Arbeiten verlangt. Was bleibt dem sensiblen Mexikaner da übrig, als sich wiederum in Tagträume zu flüchten? Schließlich lebt gleich nebenan Stéphanie (Charlotte Gainbourg), ein Mädchen, das zwar zum Mittelpunkt von Stéphanes Gedanken wird - aber wie sollte er ihr klar machen, dass er sie mag? Auch bei "Vergiss mein nicht" stand die Liebe zur Debatte. Gondry stellte die Behauptung auf, dass man sie nicht missen möchte, auch wenn die Trennung höllisch weh tut. Und er bewies seine These schlüssig mit Jim Carrey und Kate Winslet. Jetzt hat er mit Charlotte Gainsbourg und Gael García Bernal mehr als ebenbürtiges Personal. So verblüfft besonders der mexikanische Jungstar mit ausgeprägt komischem Talent. Und es weht noch eine Menge von Charlie Kaufmans Geist durch die Szenerie, wenn sich der Zuschauer im Kopf der vorgestellten Menschen wiederfindet. Wie in "Being John Malkovich" wird man auch unvermittelt wieder ausgespuckt, allerdings nicht an der Autobahnauffahrt, sondern auf einer bunten Spielwiese, irgendwo zwischen Stéphanes realer und seiner Traumwelt, wo sich Ideen häufen, für die jeder Kinderfestausstatter auf Knien bis nach Paris rutschen würde. Die Stadt erstreckt sich in Faltbildern vor dem Auge des Betrachters, Stoffpferde durchqueren Märchenwälder. Und es scheint, als strahle diese Unschuld auf die Menschen ab, so agieren in "Science of sleep" Polizisten auf hilfsbereite, beinahe widernatürliche Weise. Alle sind nett zueinander. Wichtig für alle, die eine Kitschphobie haben: Das bedeutet nicht, dass die eigenen Unzulänglichkeiten verschwinden. So wird es zwar gemeinsame Lacher und Sympathie zwischen den Nachbarn mit den ähnlichen Vornamen geben, aber eine konventionelle Lovestory sieht anders aus. Was für eine Eingebung, zwei Sexgötter als schüchterne Einzelgänger zu besetzen. Das macht Kino frisch, mit solchen Kopfständen macht Kino Spaß. Vor allem, wenn es so entspannt und gekonnt inszeniert ist. Natürlich ist diese surreale Achterbahnfahrt verrückt. Aber für alle, die "Big Lebowski" mochten, "Being John Malkovich" oder eben "Vergiss mein nicht", steht der nächste große Triumph an. Ein Profi wie Gondry, der sich aufs Kindskopfsein versteht wie wenige, hält seine Spinnereien wasserdicht. Er hat all diese Einfälle, beste Schauspieler, folgt einer - sicherlich sonderbaren - Logik, legt Wert auf jedes Detail. Er begeistert das Auge, wird nie überheblich, hat einfach nur keine Lust auf Einschränkungen, auf das was er soll und darf. Deshalb feierte man schon bei der Berlinale und beim Fantasy Film Fest diese Anleitung zum Träumen, die nun als Geheimtipp weiterempfohlen wird. Damit alle träumen, bis der Arzt kommt. Claudia Nitsche |
Credits: Laufzeit: 105 Min. Kinostart:28.9.06 |
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