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Zwei Mädchen aus Istanbul

Zwei Mädchen aus Istanbul

(tsch) Künstler, Querdenker, Filmemacher - der in London und Barcelona lebende Türke Kutlug Ataman hat sich von den Fesseln alter Traditionen in seiner Heimat frei gemacht. In London und Paris absolvierte er die Filmhochschule. Heute thematisiert der Regisseur den Graben zwischen Moderne und Tradition in der Türkei kritisch in seinen preisgekrönten Filmen, so auch im neuesten Werk "Zwei Mädchen aus Istanbul" (2005). Für das Jugend-Drama, das Charakterstudie und Gesellschaftskritik zugleich ist, hagelte es bereits internationale Auszeichnungen.

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"Zwei Mädchen aus Istanbul" - das sind Behiye (Newcomerin Feride Cetin) und Handan (Vildan Atasever). Behiye lebt in der Vorstadt. Die Hierarchie in ihrer Familie ist streng. Ihr Bruder versucht, das Mädchen in die untergeordnete Frauenrolle zu zwängen. Behiye will aber nicht wie ihre Mutter leben. Lautstark wehrt sich der freigeistige Teenager gegen die Hierarchie, doch keiner hört auf ihre wütenden Schreie. Handan wächst dagegen bei ihrer Mutter Leman (Hülya Avsar) im modernen Istanbuler Stadtteil Etiler auf. Die beiden leben auf Kosten von Lemans reichen Liebhabern.

Als sich Behiye und Handan begegnen, prallen zwei völlig unterschiedliche Lebenswelten aufeinander, die sich zunächst perfekt ergänzen. Beide wollen aus Istanbul fliehen. Vor allem die sensible und intelligente Behiye blüht in der Freundschaft auf. Sie glaubt in Handan eine Schwester im Geiste gefunden zu haben. Doch während das Mädchen aus der Vorstadt offen gegen bestehende Zwänge für ihre Freiheit rebelliert, ist Handan berechnend und durchaus bereit, sich für die Verwirklichung ihrer Ziele unterzuordnen.

"Konflikte sind immer attraktiv. Ich möchte diese Konflikte so weit wie möglich ausreizen", sagt Kutlug Ataman zur Entstehung des dokumentarischen Dramas, das unter anderem beim 25. Internationalen Film Festival Istanbul als beste Regiearbeit ausgezeichnet wurde. Als führende Figur der türkischen Schwulenbewegung sucht der unbequeme Regisseur, der zudem mit Videoinstallationen von sich reden macht, auch privat den Konflikt. Das Thema Homosexualität unter Türken verarbeitete Ataman in seinem ebenfalls preisgekrönten Werk "Lola und Bilidik" (1998), dem letzten Spielfilm vor "Zwei Mädchen aus Istanbul".

Nina Hortig

Credits:
V:Mitosfilm, TR 2005, R: Kutlug Ataman, D: Hülya Avsar, Feride Çetin, Vildan Atasever u.a.

Laufzeit: 107 Min.

Kinostart:
28.9.06


Behiye (Feride Cetin, rechts) und Handan (Vildan Atasever) sind zwei völlig unterschiedliche Mädchen. Den Traum von Freiheit träumen sie beide - nur auf unterschiedliche Weise.
Behiye (Feride Cetin, rechts) und Handan (Vildan Atasever) sind zwei völlig unterschiedliche Mädchen. Den Traum von Freiheit träumen sie beide - nur auf unterschiedliche Weise. (Mîtosfilm)

Behiye (Feride Cetin, rechts) und Handan (Vildan Atasever) verbindet eine leidenschaftliche Freundschaft.
Behiye (Feride Cetin, rechts) und Handan (Vildan Atasever) verbindet eine leidenschaftliche Freundschaft. (Mîtosfilm)

In Handan (Vildan Atasever, links) glaubt Behiye (Feride Cetin) eine Schwester im Geiste gefunden zu haben, mit der sie für ihre Freiheit rebellieren kann.
In Handan (Vildan Atasever, links) glaubt Behiye (Feride Cetin) eine Schwester im Geiste gefunden zu haben, mit der sie für ihre Freiheit rebellieren kann. (Mîtosfilm)

Datum: 24.09.2006

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