(tsch) Es waren weniger Menschen als angenommen, die sehnlichst auf den 5. November 2003 warteten: Es war der Starttermin für den dritten und letzten Teil der "Matrix"-Reihe, "Revolutions", und es war nicht nur in Deutschland der mit Abstand erfolgloseste. Sicher, 2,2 Millionen Kinobesucher wünschte sich so mancher Filmproduzent. Aber nachdem die ersten beiden Filme jeweils mehr als 4,7 Menschen gesehen hatten, konnte man mit dem Abschluss der Trilogie nicht zufrieden sein. ProSieben zeigt nun den Film als Premiere im Free-TV.
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"Matrix: Revolutions" macht es, anders als noch sein Vorgänger ("Reloaded"), dem Betrachter über die gesamte Spielzeit hinweg relativ einfach. Hier gibt es keine verwirrenden Nebenschauplätze mehr, werden fast keine zusätzlichen wichtigen Figuren mehr eingeführt, die das alles in eine bis dahin ungekannte Richtung treiben könnten. Tatsächlich sind die meisten Fragen, die man sich im zweiten Teil gestellt haben könnte, bis kurz vor Ende des dritten entweder beantwortet oder vergessen. Es ist die Reduktion auf die Hauptfigur: Was ist Neos Botschaft? Was ist Neos Auftrag? Wie ist Neos Ende?
Die erste dreiviertel Stunde des Films lässt zunächst das Schlimmste erwarten. Es wird geredet. Mehr noch: gefaselt wird, ganz wie schon im Vorgänger, der von Pseudo-Weisheiten durchsetzt war, die an Stammtischen nur ein müdes Lächeln hervorgerufen hätten. Dann aber besinnen sich die Regie-Gebrüder Andy und Larry Wachowski auf das, was "Matrix" einmal war: eine schlichte Mixtur aus Action- und Science-Fiction-Film auf der Basis einer fantasievollen Idee.
Es geht um den Konflikt zwischen Mensch und Maschine. Die Invasion erreicht Zion, und es kommt zu einer der spektakulärsten Sci-Fi-Schlachten, die das Kino bis dahin gesehen hatte. Silber glänzend präsentiert sich das alles, in kühles Licht gehüllt. Viele Menschen werden sterben, und zu Recht wird man den Wachowskis vorwerfen können, dass dies so recht niemanden interessieren kann. Etwas mühsam werden dezente Emotionen aufgebaut, übertrieben menschelnde Nebenfiguren eingeführt, deren Schicksal ans Herz gehen soll. Ein Versuch, der misslingt. Zu dominant, zu gewaltig ist dieser Krieg, den der Mensch aus eigener Kraft nicht gewinnen kann.
Nein, die Lösung soll sich aus den Taten der bekannten Charaktere ergeben, die allesamt an dieser Schlacht nicht direkt beteiligt sind. Da ist das Liebespaar Neo (Keanu Reeves) und Trinity (Carrie-Anne Moss), bei dem man sich am Ende mehr denn je fragt, ob es dieser Liebe für den Verlauf der Ereignisse nun eigentlich bedurft hätte. Und da ist das Orakel, eine Schlüsselfigur, die aus den ersten beiden Filmen längst bekannt ist.
Hinauslaufen musste das alles auch auf das Duell zwischen Neo und Agent Smith (Hugo Weaving), ein außer Kontrolle geratenes Programm in Menschengestalt. Weaving war und ist ganz sicher das Beste an dieser Matrix-Trilogie. Einen charismatischeren Schurken, der mit seiner zynischen Art unterschwellig Sympathien weckt, hat es bisher nicht gegeben.
Jedoch wuchs mit dem dritten Teil die Distanz zwischen Betrachter und Film ein weiteres Mal an. Neo, der im Original aus dem Jahr 1999 noch den Zugang zur Geschichte darstellte, ist endgültig zur Wunder am Fließband produzierenden Kunstfigur mutiert. Zugleich verblasst der poetische Aspekt zunehmend. "Revolutions" wirkt aufgrund seines langen Finales weit temporeicher als seine beiden Vorgänger. Natürlich: Wer Sci-Fi-Action mag, kommt auf seine Kosten, erlebt furiose Bildgewalten. Kamera und Tricktechnik sorgen ein ums andere Mal für kraftvoll-pathetische Aufnahmen. Doch die ganz wenigen stillen Momente, die sich hier am Ende noch finden, erreichen ihre Ziele nicht. Kitschige Dialoge, sicher auch die eine oder andere unglückliche Übersetzung ins Deutsche sorgen gar für unfreiwillige Komik.
"Matrix: Revolutions" ist kein schlechter Film. Im Gegenteil: Viele werden ihn besser finden als seinen Vorgänger, der schlicht zu wenige Antworten auf zu viele Fragen bot. Aber die Hoffnung, mit dieser Trilogie nicht nur technisch in neue Dimensionen vorzustoßen, sondern auch eine Geschichte erzählt zu bekommen, die emotional mitreißt, die tatsächlich bewegt, die lachen, weinen, hoffen und träumen lässt, diese Hoffnung erfüllt sich nicht.
Kai-Oliver Derks
Nehmen den Kampf gegen die Maschinen auf: Trinity (Carrie-Anne Moss), Morpheus (Laurence Fishburne, Mitte) und Neo (Keanu Reeves) ... (ProSieben / Warner Bros.)
"Matrix Revolutions" konzentriert sich am Ende ganz auf die Schlüsselfigur Neo (Keanu Reeves). (ProSieben / Warner Bros.)
Kann es in diesem Duell einen Sieger geben? Neo (Keanu Reeves, links) und Agent Smith (Hugo Weaving) treten gegeneinander an. (ProSieben / Warner Bros.)
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