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Palindrome

Palindrome

(tsch) Den Amerikaner Todd Solondz kennt man als Filmemacher für unbequeme Geschichten abseits des Mainstreams. Mit "Willkommen im Tollhaus" machte er 1996 als Sundance-Gewinner erstmals international auf sich aufmerksam. "Palindrome" (2004) ist sein bisher sprödestes und unzugänglichstes Werk. Der Kunstgriff: Die Hauptperson Aviva wird von acht Darstellern verkörpert, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Mal zeigt sie sich als dünnes, weißes Mädchen, dann wieder dick und schwarz. Auch ein Junge übernimmt für kurze Zeit die Rolle. Und am Ende taucht Jennifer Jason Leigh, demnächst an der Seite von Isabelle Huppert in der Susan-Sonntag-Verfilmung "America" zu sehen, als angeblich Zwölfjährige in der Erstausstrahlung im Nachtprogramm des Ersten auf.

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Eben diese träumt davon, endlich Mutter zu werden und unternimmt alles dafür. Als es klappt, setzt ihre entsetzte Mutter (Ellen Barkin, die derzeit für "Ocean's Thirteen" vor der Kamera steht) alles daran, ihr Vorhaben, ein Kind auf die Welt zu bringen, zu vereiteln. Es folgt eine Abtreibung. Doch Avivas Wunsch kann nicht zerstört werden. Sie läuft weg und hofft, auf andere Weise schwanger zu werden. Nach einem One-Night-Stand mit einem Trucker landet sie bei der mitfühlenden Familie Sunshine. Doch auch deren Welt entpuppt sich als unheimlich.

Die Sehnsucht, immer einen Menschen zu haben, den sie lieben kann, treibt Aviva an. Mit dieser Person wollte der Regisseur eine sympathische Figur schaffen, der - egal wie sie aussieht - die Herzen der Zuschauer gehören. Eine Figur wie ein Palindrom, ein Wort oder Satz, der wie Aviva vorwärts und rückwärts gelesen werden kann und doch der gleiche bleibt. Ein solches Wechselspiel droht allerdings schnell ins Alberne abzudriften, und nicht jeder wird den Kopf ausschalten und den Willen aufbringen können, dem Rat von Todd Solondz zu folgen: "Auch wenn ihr nicht sicher seid, ob ihr das Wie und Warum von all dem begreift (und ich bin mir nicht sicher, ob ich es selbst begreife), lehnt Euch zurück und schaut."

Jasmin Herzog


Joyce Victor (Ellen Barkin) erzählt ihrer Tochter Aviva (Hannah Freiman) eine traurige Geschichte.
Joyce Victor (Ellen Barkin) erzählt ihrer Tochter Aviva (Hannah Freiman) eine traurige Geschichte. (ARD / Degeto)

Die zwölfjährige Aviva (Rachel Corr) will unbedingt Mutter werden.
Die zwölfjährige Aviva (Rachel Corr) will unbedingt Mutter werden. (ARD / Degeto)

Datum: 29.10.2006

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Artikel ID 175828

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