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Sophie Auster

Schöne Worte

Sängerin Sophie Auster

(tsch) Sophie Auster ist die 19-jährige Tochter der amerikanischen Schriftsteller-Schwergewichte Paul Auster und Siri Hustvedt. Dass man bei einem solchen Elternhaus nicht unbedingt das Berufsziel "Elektroingenieur" verfolgt, liegt irgendwie nahe. Dennoch will sich die hübsche Tochter aus dem intellektuellen New Yorker Elternhaus nicht - oder noch nicht - allzu lange mit dem Schreiben aufhalten. Schauspielerin und Sängerin lautet das erklärte Berufsziel. Doch ganz ohne textlichen Anspruch geht es im Hause Auster natürlich auch nicht, und so singt Sophie auf ihrem Debütalbum vor allem Gedichte bedeutender französischer Lyriker wie Guillaume Apollinaire, Philippe Soupault oder Tristan Tzara. Doch auch Vater Paul war beim Debütalbum von Sophie Auster mit von der Partie.

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teleschau: Wie kommt man als amerikanischer Teenager auf die Idee, Gedichte französischer Lyriker aus dem frühen 20. Jahrhundert zu vertonen?

Sophie Auster: Als ich das Album machen wollte, suchten mein Vater und ich lange Zeit nach geeigneten Texten für mich. Ich war damals aber sehr mit der Schule beschäftigt und hatte wenig Zeit. Schließlich machte mein Vater den Vorschlag, ich sollte mir mal die Gedichte von Lyrikern wie Apollinaire, Soupault oder Tzara ansehen. Er fand die Idee auch deshalb reizvoll, weil er diese Texte vom Französischen ins Englische übersetzt hatte, als er etwa so alt war wie ich jetzt.

teleschau: Was gefällt Dir an diesen Gedichten?

Sophie Auster: Ich konnte mich in die Texte hineinfühlen, und die Themen waren irgendwie auch meine. Ich fühlte mich vielen dieser Zeilen so nah, als hätte ich sie selbst geschrieben. Vor allem "Word Heat" von Tristan Tzara. Die Worte hören sich einfach unheimlich gut an, auch wenn man den Text nicht wirklich verstehen kann, denn Tzara war Dadaist. Ich glaube, es gibt nicht viele Alben, die sich mit so schönen Worten schmücken können.

teleschau: Andere Mädchen Deines Alters rebellieren und wollen mit ihren Eltern möglichst wenig zu tun haben. Du aber arbeitest mit Deinem Vater Paul Auster gemeinsam an dieser Platte. Gab es nicht mal Streit?

Sophie Auster: Mit meinem Vater zu arbeiten, fühlt sich für mich ganz natürlich an. Ich hatte noch nie den Wunsch, gegen etwas rebellieren zu müssen. Ich vertraue meinen Eltern in jeder Beziehung. Ihre Meinung ist wichtig für mich, und sie sind meine wichtigsten Kritiker, wenn es darum geht, meine Leistung als Sängerin oder Schauspielerin zu bewerten. Ich glaube, dass es einem Künstler sehr hilft, wenn man jemanden bewundert und seinem Urteil vertraut. Ob das nun die eigenen Eltern sind oder jemand anderes, das spielt für mich keine große Rolle.

teleschau: Deine Eltern sind beide berühmte Schriftsteller. Seit wann weißt Du, dass Du selbst gerne Künstlerin werden willst?

Sophie Auster: Seit ich acht Jahre alt bin - also schon eine ganze Weile (lacht). Ich habe mich immer vor allem fürs Singen und die Schauspielerei interessiert. Natürlich weiß ich nicht, ob ich meinen Lebensunterhalt wirklich damit verdienen kann, aber versuchen will ich es zumindest.

teleschau: Hast Du mal darüber nachgedacht, in die Fußstapfen Deiner Eltern zu treten und zu schreiben?

Sophie Auster: Nein, ich fühlte mich mit Gesang und Schauspiel immer schon viel wohler. Ich glaube, dass ich dort meinen Platz gefunden habe. Ich mag es einfach, etwas vorzuführen oder auf einer Bühne zu stehen. Als Schriftsteller sitzt man immer im stillen Kämmerlein. Das wäre absolut nichts für mich - ich würde vor Einsamkeit umkommen. Ein ganzes Buch zu schreiben, wow, davor habe ich ungeheuren Respekt. Ich hätte nicht die Geduld dafür. Aber, wer weiß, vielleicht werde ich sie eines Tages aufbringen.

teleschau: Immerhin hast Du für zwei Songs Deines Albums selbst Texte verfasst. Zeigst Du Deine Songtexte auch den Eltern, bevor sie das Haus verlassen?

Sophie Auster: Ja, ich zeige ihnen alle meine Texte. Jeder einzelne, den ich später verwende, wird vorher von meinen Eltern gecheckt. Wie gesagt, ich vertraue Ihnen, sie sind ehrlich zu mir und sagen ihre Meinung. Ich glaube nicht, dass ich von Freunden ein ähnlich ehrliches Urteil erwarten könnte. Es hat wohl kaum jemand so aufrichtige Kritiker, wie ich sie habe (lacht).

teleschau: Gibt es außer Deinen Eltern noch andere Menschen, mit denen Du Dich über künstlerische Dinge austauschst?

Sophie Auster: Na klar, mit meinem Freund bespreche ich auch ziemlich viel. Er ist ebenfalls ein junger Schauspieler.

teleschau: Wie sind Deine nächsten Pläne? Hast Du schon die Schule beendet?

Sophie Auster: Nein, im Moment pausiere ich gerade, damit ich dieses Album produzieren und vorstellen kann. Außerdem arbeite ich schon wieder an einer zweiten Platte - dort werden sämtliche Texte von mir selbst stammen.

teleschau: Mit welchen Musikern arbeitest Du?

Sophie Auster: Das steht noch nicht fest. Ich würde gerne mit verschiedenen Leuten aufnehmen und stilistisch noch mehr in Richtung Jazz und Blues gehen. Das Album wird sich also ein bisschen anders anhören. Ich werde aber bestimmt kein Punkrockalbum abliefern.

teleschau: Du magst also keinen Punkrock?

Sophie Auster: Ich mag alle musikalischen Stilrichtungen, und ich liebe Punkrock. Aber ich glaube nicht, dass das zu mir als Sängerin passen würde.

teleschau: Hast Du musikalische Vorbilder?

Sophie Auster: Ich bewundere Tom Waits und Fiona Apple. Außerdem höre ich oft alte Jazzsängerinnen wie Billie Holiday, Peggy Lee, Sarah Vaughn oder Ella Fitzgerald. Ich finde die Beatles großartig, und von den neueren Sachen mag ich die White Stripes am liebsten. Und - ach ja - Velvet Underground, darauf stehe ich auch.

teleschau: Das waren jetzt aber sehr viele alte Namen. Die einzigen Jüngeren waren die White Stripes. Hörst Du dieselbe Musik wie Deine Eltern?

Sophie Auster: Nein (lacht), das stimmt nicht ganz. Aber es stimmt schon, ich neige ein bisschen zu älterer Musik.

teleschau: Jetzt hast Du aber nicht verraten, welche Musik Dein Vater hört ...

Sophie Auster: Tom Waits, den haben wir wirklich gemeinsam! Aber er hört sich kaum alte Jazzmusik an. Und ich habe ihn definitiv noch nie dabei erwischt, dass er die White Stripes auflegt (lacht)!

teleschau: Willst Du nach Abschluss der Schule gerne studieren, oder reicht Dir "Learning By Doing"?

Sophie Auster: Naja, im kommenden Frühjahr werde ich erst einmal auf die High School zurückkehren. Dort ließ ich mich für ein Jahr beurlauben. Ob ich danach eine Schauspielschule besuche, weiß ich noch nicht. Ich nehme Schauspiel- und Gesangsunterricht, seit ich zwölf bin - insofern wäre das alles nichts Neues für mich.

Eric Leimann


Sophie Auster - 19-jährige Tochter der beiden Schriftsteller Paul Auster und Siri Hustvedt - macht lieber Musik.
Sophie Auster - 19-jährige Tochter der beiden Schriftsteller Paul Auster und Siri Hustvedt - macht lieber Musik. (Naïve)

Apollinaire, Soupault oder Tzara - das sind die lyrischen Textgeber für Sophies hauchzarte Songs.
Apollinaire, Soupault oder Tzara - das sind die lyrischen Textgeber für Sophies hauchzarte Songs. (Naïve)

Sophie Auster "hätte nicht die Geduld", ein ganzes Buch zu schreiben.
Sophie Auster "hätte nicht die Geduld", ein ganzes Buch zu schreiben. (Naïve)

Datum: 03.10.2006

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