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Die Ärzte - Bäst of

Die Ärzte Bäst of

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"Wir sind reich!" schreiben die Ärzte auf ihrer Homepage - und damit das so bleibt, gibt's nun ein neues Best-of, nein, ein "Bäst of"-Album der drei Berliner. Möchte man meinen. Doch bei genauerem Hinsehen fällt auf: Die neue Doppel-CD hat den "Geldmacherei"-Stempel nicht verdient. Hier gibt's sämtliche Single-Auskopplungen der letzten 13 Jahre sowie 25 B-Sides für schlappe 18 Euro, was angesichts der - ja, ja: echt sauaufwändigen - Stahlbox, dem schickem Booklet und einer Gesamtlaufzeit von rund 180 Minuten ein ziemlich fantastisches Preisleistungsverhältnis darstellt.

Vom bösen Kommerz der Herren Farin Urlaub, Bela B. und Rod Gonzales kann also nun wirklich nicht die Rede sein. Vielmehr ist ihre vierte Compilation - die letzte, "Das Beste von kurz nach früher bis jetze" erschien anno 1994 - ein Geschenk an all jene, die Ricky Martin und Shakira reumütig abschworen, rockbar wurden und nachholen wollen, was andere schon seit knapp 19 Jahren netto ganz toll finden. Nämlich ausgemachten Punk-Blödsinn, spätpubertäre Schlaumeiereien, sympathische linkspolitische Semi-Anarcho-Statements, genialen Wortwitz und sehr treffende, augenzwinkernde Beschreibungen zu den banalsten Lebenslagen und Empfindungen.

Für alle Erstpatienten der Ärzte ist die Scheibe eins ein gefundenes Fressen, tummeln sich darauf doch alle Charterfolge der wiedervereinigten Band - angefangen bei ihrem Reunion-Hammer "Schrei nach Liebe" über Live-Versionen von "Elke" und "Komm zurück" bis hin zur ersten DÄ-Null-auf-eins-Nummer "Unrockbar" vom 2003 veröffentlichten (so lange ist das schon wieder her!) Doppelalbum "Geräusch". Von dem stammen auch "Deine Schuld" und der wohl treffendste Liebeskummer-Song aller Zeiten: "Nichts in der Welt". Schade nur, dass selbst im Booklet nicht aufgelöst wird, welcher Arzt beim Verfassen der Lyrics an akutem Herzschmerz litt. Davon abgesehen finden sich in dem schmucken Büchlein jedoch jede Menge kleiner Anekdoten zu den einzelnen Stücken - niedergeschrieben von Produzenten, Videoregisseuren, Bandfreunden und natürlich den Ärzten selbst.

Um den Wert von CD zwei schätzen zu können, muss ein bisschen in der Bandgeschichte ausgeholt werden. Irgendwann haben sich Farin Urlaub, Bela B. und Rod Gonzales dazu entschlossen, nur exklusive Bonus-Tracks auf ihre Singles zu packen. Deshalb können selbst Ärzte-Fans, die nicht jede einzelne Veröffentlichung ihrer Helden im Schrank stehen haben, nun Versäumtes nachholen. Vieles davon ist - das muss man schon mal mit aller Deutlichkeit sagen - übelster Punk-Trash (wie etwa die Porno-Nummer "Stick It Out") und völlig zurecht nur eine B-Side geworden. Aber es gibt auch wahre Schätze zu bergen - wie etwa den zum Gröhlen witizgen Toten-Hosen-Seitenhieb "Saufen", das "Lied über Zensur" oder das 15-minütige Medley "Zusamm'fassung". Ingesamt eine schöne Sache, diese Rundumkur.

Gerd Hilber


Datum: 11.10.2006

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