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Jede Sekunde zählt - The Guardian(tsch) Vielleicht verdanken wir es den zahlreichen Untergangs-Fantastereien zum neuen Millennium, dass die apokalyptische Zerstörungskraft des Meeres in den letzten Jahren häufig in den Mittelpunkt filmischer Aufmerksamkeit rückte. Wolfgang Petersen etwa, der jüngst recht erfolglos die "Poseidon" wieder untergehen ließ, brachte 2000 "Der Sturm" in die Kinos, einen technisch perfekten Katastrophenfilm, der mit seinen glanzvollen CGI-Effekten und lieblos gezeichneten Charakteren vor allem ein Gefühl hinterließ: die Ehrfurcht eines kleinen Menschen im Angesicht des übermächtigen Ozeans. Damit nicht abfinden wollen sich freilich die Rettungsschwimmer der US-Küstenwache, denen der routinierte Action-Haudegen Andrew Davis ("Collateral Damage") mit seiner neuen Arbeit ein Denkmal setzt. Ben Randall (Kevin Costner) ist in "Jede Sekunde zählt - The Guardian" eine Legende unter ihnen, ein so austrainierter und souveräner Athlet, dass er sogar die Altersgrenze von 40 Jahren überschreiten darf - bis ihm während eines Einsatzes eine Fehleinschätzung unterläuft, die seinem gesamten Team das Leben kostet. Er wird als Lehrgangsleiter an die Rettungsschwimmerschule strafversetzt und trifft dort auf den ebenso arroganten wie begabten High-School-Champion Jake Fischer (Ashton Kutcher). Während der knüppelharten Ausbildung kommt ans Licht, dass den so oberflächlich wirkenden Jake eine ähnlich dunkle Vergangenheit belastet wie Randall ... Regisseur Davis' großartiger Klassiker "Auf der Flucht" bestach dadurch, dass die alternierend erzählte Handlung derartig Sympathie und Respekt sowohl für den Verfolgten Harrison Ford als auch für den Verfolger Tommy Lee Jones erzeugte, dass der ursprüngliche Antagonist Jones Hauptperson der Fortsetzung "Auf der Jagd" werden durfte. Auch in seinem neuen Werk will Davis alles richtig machen. Die Figuren erhalten eine psychologische Grundierung, die allerdings kaum über altbewährte Klischees hinausgeht: Arbeit als Berufung killt die Ehe, der Schatten einer früheren Schuld gefährdet die Einsatzbereitschaft. Die hinlänglich bekannte Schilderung des Lehrgangsdrills erhält aber durch die Spiegelung an der martialischen Navy-Ausbildung im Nachbarcamp einen neuen Dreh: Schinderei, um Leben zu retten, scheint doch sinnvoller zu sein als solche zu kriegerischen Einsätzen. Später gilt es, sich in der Realität zu bewähren: Jake und der rehabilitierte Ben arbeiten gemeinsam in Alaska, die tosende Beringsee wird atemberaubend in Szene gesetzt und droht, zum eigentlichen Hauptdarsteller zu werden. Wie um dem zuvorzukommen, wird nun eine vorhersehbare Wendung an die nächste gefügt, die Pathosformel in allen Varianten ausbuchstabiert. Der Film will alles, eine Starbesetzung, Einblicke in einen aufregenden, weitgehend unbekannten Beruf, interessante Charaktere, Herzschmerz, faszinierende Bilder einer Naturgewalt. Mehr Fokus und Mut zur Auslassung hätten jedenfalls gut getan. Bleibt nur, die nächste Monsterwelle abzuwarten... Tim Slagman |
Credits: Laufzeit: 136 Min. Kinostart:19.12.06 |
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