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Mit Herz und Hand

Mit Herz und Hand

(tsch) Reinhard Mey sang einmal ein Lied über seine Leidenschaft fürs Motorradfahren und dessen womöglich unliebsame Folgen. Eine Zeile aus Meys "Biker" verdeutlicht, wie die Allgemeinheit über das Rasen im Alter denkt: "Was müssen zwei so alte Säcke auch noch mit'm Moped fahr'n." Anthony Hopkins wird sich dasselbe gefragt haben und kam offenbar zu dem Schluss, dass genau dies den Reiz der Geschichte um Burt Munro ausmacht, der die Welt mit einem beeindruckenden Geschwindigkeitsrekord auf seinem Motorradfossil staunen ließ. In der Filmbiografie "Mit Herz und Hand" spielt er den Neuseeländer mit sympathischer Bodenhaftung.

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Jene Grundierung machte Munro, dem alten Haudegen vom anderen Ende der Welt, viele Freunde und brachte ihn gleichzeitig in Lebensgefahr. Sein Traum war ein Geschwindigkeitsrekord mit seiner alten Indian, ein Motorrad, das eigentlich ins Museum gehörte und nicht auf die Rennstrecke. Doch der Tüftler hörte nicht auf zu werkeln, um seinem Konstrukt aus Metall und Gummi die nötige Schnelligkeit zu verleihen. Und wie es mit Legenden so ist, schuf er in seiner abbruchreifen Scheune im neuseeländischen Invercargill ein Rekordgefährt.

Roger Donaldson, Regisseur der "Bounty" und von "No Way Out", schnitt die Geschichte Munros ganz auf die Person von Hopkins zu. Es ist selten, dass dem britischen Method Actor emotionale Hingabe anzumerken ist. Hopkins geht in der Rolle des auf Teufel komm' raus nicht altern wollenden Greises, der seinen röhrenden Jungbrunnen frisiert, um mit ihm in die Ewigkeit der Rekordlisten zu rasen, förmlich auf. Kein Wunder: So verrückt der Motorradenthusiast Munro auch im wahren Leben erschien, so viele Identifikationsmöglichkeiten bietet seine Leidenschaft. Hopkins spielt Munro so kauzig wie liebenswürdig: Er freundet sich mit dem Nachbarjungen an, dessen Eltern schon seit längerem ein kritisches Auge auf den alten Lumpi von nebenan geworfen haben. Schließlich uriniert der jeden Morgen an einen Baum in seinem Garten.

Anthony Hopkins macht es sichtlich Spaß, den liebenswerten Leisetreter mit revolutionärem Blut zu spielen, der nichts auf gesellschaftliche Konventionen gibt und gerne auch noch mal mit einem Mädchen, also einer reifen Frau, nachts in der Scheune verschwindet, um zwischengeschlechtlich die Sau rauszulassen. Der 68-jährige Brite ist als Munro ein echter Sympathikus, dem der Zuschauer lieber heute als morgen wünscht, dass seine Träume in Erfüllung gehen. So ist es ein fast schon befreiendes Gefühl, wenn Munro in die USA aufbricht, wo er auf den flachen Salzebenen des Bundesstaats Utah sein Motorrad einmal richtig ausfahren möchte.

Natürlich gelingt das nicht auf Anhieb: Wieder hat der Schwerenöter, der in seinem Leben noch einmal Spaß haben und etwas erreichen möchte, mit den Vorurteilen seiner Umgebung zu kämpfen. Er wird nicht zugelassen, braucht mehrere Anläufe, bis er sich selbst in Gefahr bringen darf. Denn so sehen es die Aufsichtspersonen. Am Ende gibt es verbranntes Fleisch und ein erschöpftes, vom Schmerz verzerrtes Lächeln.

Im Grunde handelt "Mit Herz und Hand" von den großen Träumen, die wir stets vor uns her schieben, bis wir schließlich zu alt sind, um sie zu verwirklichen. Dabei wird das Carpe-diem-Motto nicht plump propagiert, sondern auf eine angenehm realistische Holperstrecke geführt, die deutlich macht, dass der Wille zählt. Da spielt es nicht einmal eine Rolle, dass es Burt Munro und seinen Geschwindigkeitsrekord tatsächlich gab. Die Geschichte des kernigen Kauzes, der so naiv wie glaubhaft in die USA einreist und wildfremde Menschen, ist herzerwärmend.

Auch ist es der beste Film von Hopkins bisher, ein echtes Alterswerk. Das wird er freilich nicht gerne hören, schließlich steht der umtriebige Schauspieler immer noch auf zahlreichen Besetzungslisten von Blockbuster-Produktionen wie "All the King's Men" und "Alexander". Doch vielleicht brauchte es nach all den Hannibal Lecters eben jene Bodenhaftung, die selbst dem so professionellen wie so oft über den Dingen stehenden Sir Anthony Hopkins gezeigt hat, wie viel Spaß es machen kann, sich in einer Rolle zu verlieren.

Leif Kramp

Credits:
V:Universum, NZ / USA 2005, R: Roger Donaldson, D: Sir Anthony Hopkins, Paul Rodriguez, Diane Ladd u.a.

Laufzeit: 128 Min.

Kinostart:
26.10.06


Burt Munro (Sir Anthony Hopkins) will mit seinem 46 Jahre alten Motorrad einen neuen Landgeschwindigkeitsrekord aufstellen.
Burt Munro (Sir Anthony Hopkins) will mit seinem 46 Jahre alten Motorrad einen neuen Landgeschwindigkeitsrekord aufstellen. (Universum Film)

Der Rennfahrer Jim Moffet (Christopher Lawford, rechts) setzt sich für Burts (Sir Anthony Hopkins) Teilnahme an der "Speed Week" ein.
Der Rennfahrer Jim Moffet (Christopher Lawford, rechts) setzt sich für Burts (Sir Anthony Hopkins) Teilnahme an der "Speed Week" ein. (Universum Film)

Burt (Sir Anthony Hopkins) und seine Geliebte Fran (Annie Whittle) haben Spaß auf der Geburtstags-Party.
Burt (Sir Anthony Hopkins) und seine Geliebte Fran (Annie Whittle) haben Spaß auf der Geburtstags-Party. (Universum Film)

Datum: 21.10.2006

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