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Snow Cake

Snow Cake

(tsch) Wenn zwei Menschen ihre Einsamkeit überwinden für ein paar schöne Momente, gehört das immer noch zu den schönsten Kinostoffen. Man verzeiht dabei auch, wenn das ein oder andere Mal übers Ziel hinausgeschossen wird, sieht über kitschige Ausrutscher hinweg und setzt das Naturgesetz, dass es "des Guten zu viel" gäbe, außer Kraft. So geschieht das auch bei "Snow Cake", Sigourney Weavers sentimentalstem Kinofilm - ja, er schlägt sogar die "Gorillas im Nebel".

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Sie spielt eine Autistin, mit einer innigen Selbstvergessenheit, als hätte sie trotz "Alien" und all ihren Erfolgen nur auf diesen Auftritt gewartet. Schon hier könnte man anfangen mit dem "Guten zu viel". Sigourney Weaver ist ausdrucksstark, aber sie setzt keine Akzente, fährt immer 100 Prozent. Ihre Linda lebt alleine in einer Kleinstadt, nimmt keine Hilfe an. Ihre Tochter kommt eines Tages nicht zu ihr zurück, dafür ein Handlungsreisender, ein einsamer Schweiger (Alan Rickman). Dieser Mann hat Schlimmes erlebt, Auch Linda - wie eigentlich alle, die in dieser Gegend Kanadas eine Rolle spielen - wurde arg vom Schicksal gebeutelt. Doch der geneigte Zuschauer wird sich weniger mit den Zufällen beschäftigen, die das Drehbuch da zusammenschüttet. Er wird sich ans Genießen der Momente machen.

An das Zusammentreffen von Vivienne (Emily Hampshire) und Alex Hughes (Rickman) in einer Raststätte. Ihre inhaltsreichen Dialoge sind die erste Freude. Die kessen Statements der jungen Frau wischen die Verbitterung aus seinem Gesicht. Rickmans Gabe, mit schmaler Mimik viel auszudrücken, ist erhebend, und das schräge Mädchen, das an Kate Winslet in "Vergiss mein nicht" erinnert, zelebriert ihre Eigenheiten. Es ist gut, diesen Moment zu genießen, denn er wird jäh unterbrochen werden. So gelangt auf tragische Weise Alex Hughes an die Haustür von Viviennes Mutter Linda.

Linda lässt ihn herein, sie weiß, dass er zu den Guten gehört, er hat ihre Tochter als Anhalterin mitgenommen und ihr, Linda, Bälle mitgebracht. Alex wird ein paar Tage bei ihr bleiben, mit ihr eine neue, sensible Welt kennenlernen. Diese stolze, autistische Frau erlebt viele Momente des Glücks, freut sich an simplen Dingen. Sie redet nicht, wenn sie nicht will, und zuhören muss sie auch nicht. Autismus in seiner schönsten Form. Es scheint, als würde durch diesen Streifzug sein Leben ein besseres werden.

Seine greisenhaften Züge verschwinden, als er die bildhübsche Nachbarin Maggie (Carrie-Anne Moss) aus der Nähe betrachten darf und schließlich in ihrem Bett landet. Die ganze Palette an zwischenmenschlichen Emotionen finden bei Regisseur Marc Evans einen Platz. Freundschaft, Liebe, es dominieren abwechselnd Respekt, Neid und Verständnis. Der Schnee wird in all seinen Formen untersucht, hat beinahe die Hauptrolle. Abgekapselt in der winterlichen Stille zelebrieren Fremde kindlich-liebevolle Rituale, feiern das Ende der Schuldzuweisungen.

Lasse Hallström hat oftmals solche Filme gedreht, "Chocolat" oder "Schiffsmeldungen" sind ähnliche Beispiele für das Inszenieren einer völlig neuen Welt - eine, in der Veränderungen möglich sind. Auch wenn jeder in seinen Schuhen bleiben muss, ist es ein Erlebnis, endlich eine Schneetorte probiert zu haben, Überraschungen zuzulassen. Weil "Snow Cake" ein Wohlfühlfilm ist, den die drei Schauspieler mit viel Gespür und aller gebotenen Vorsicht tragen, wurde die kleine Produktion als Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale gewählt. Denn allzu oft schon hagelte es böse Kritiken. Zu intellektuell, zu banal, mit Scheuklappen nur einen Aspekt der Geschichte beleuchtet. Nie konnten es die Verantwortlichen recht machen. Drum packten sie ihren Trumpf aus, kredenzten Sentimentalität bis zum Anschlag - zu einem Thema, das schwer kritisierbar ist.

Claudia Nitsche

Credits:
V:Kinowelt, GB / CDN 2005, R: Marc Evans, D: Sigourney Weaver, Alan Rickman, Carrie-Anne Moss u.a.

Laufzeit: 113 Min.

Kinostart:
02.11.06


Linda (Sigourney Weaver) reagiert sehr offen, als ein fremder Besucher vor ihrer Haustür steht.
Linda (Sigourney Weaver) reagiert sehr offen, als ein fremder Besucher vor ihrer Haustür steht. (Kinowelt Filmverleih)

Die Autistin Linda (Sigourney Weaver) lebt in ihrer ganz eigenen Welt.
Die Autistin Linda (Sigourney Weaver) lebt in ihrer ganz eigenen Welt. (Kinowelt Filmverleih)

Alex (Alan Rickman) steht unter Schock, als seine Beifahrerin bei einem Autounfall ums Leben kommt.
Alex (Alan Rickman) steht unter Schock, als seine Beifahrerin bei einem Autounfall ums Leben kommt. (Kinowelt Filmverleih)

Datum: 03.11.2006

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Diskussion: "Snow Cake"

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