logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Filmstarts - Neu im Kino Kino Film Wicker Man - Ritual des Bösen
Wicker Man - Ritual des Bösen

Wicker Man - Ritual des Bösen

(tsch) Religion ist wieder angesagt - zumindest, seit der Papst aus hiesigen Landen kommt, der Kirchentag in Köln stattfand und - das ist die Kehrseite - die wetweite Konfliktsituation nicht nur ungefähr an das Säbelrasseln zwischen Abend- und Morgenland erinnert. Da wünschen sich manche doch gar heidnische Zeiten zurück. Natürlich auch, weil all die damit einhergehenden abergläubischen Quacksalbereien in der hochtechnisierten und wissenschaftlich ergründeten Gegenwart mit spiritueller Exotik locken. Im Kino lässt sich nun herausfinden, was es mit dem Kult des so genannten "Weidenmannes" auf sich hat. In "The Wicker Man" macht Nicolas Cage unliebsame Bekanntschaft mit einer Selbstfindersiedlung auf einer einsamen Insel.

Anzeige
Counter

 

Auch heute kommen die meist weniger heidnisch konnotierten, sondern vielmehr als gesellschaftliche Ereignisse veranstalteten traditionellen Walpurgisnachtfeste nicht ohne einen Weidenmann aus, der meterhoch aus Reisig, Holz und Weidenzweigen konstruiert wird. Mit allen nur denkbaren persönlichen Dingen gefüllt, die in den vergangenen zwölf Monaten Probleme verursacht haben, wird er verbrannt. Damit sollen alle Sorgen, Wut und natürlich nicht zuletzt die individuelle Schlechtigkeit in Rauch aufgehen. In früheren Zeiten, als das Spektakel noch ernst genommen wurde, war es aber auch durchaus üblich, den heidnischen Göttern Tiere zu opfern - oder sogar Kriegsgefangene.

Dieses Motiv nahm Schriftsteller Anthony Schaffer als Ausgangspunkt, um Anfang der 70er-Jahre einen atmosphärisch dichten, klassischen Gruselroman mit starken kritischen Elementen gegen heidnische Bräuche in der damaligen Gegenwart zu schreiben. Daraus machte Robin Hardy, der in diesem Jahr erst sein drittes Filmprojekt betreut, seinen Debütfilm. Darin begab sich ein Polizist auf die Suche nach einem verschwundenen Mädchen und drang tiefer in die dunklen Sitten und Bräuche einer heidnischen Gemeinde vor, als ihm schließlich lieb war.

In der von Regisseur Neil LaBute ("Nurse Betty", "Das Maß der Dinge") verantworteten Neuverfilmung wird Sergeant Howie (damals gespielt von Schauspiellegende Edward Woodward) zu Edward Malus (Cage), einem tagträumenden Provinzcop, der bei einem traumatisierenden Unfall während einer Verkehrskontrolle dabei zusehen muss, wie ein kleines Mädchen mit seiner Mutter in dem Auto verbrennt, das er angehalten hatte. Bald erhält er einen Brief von seiner Jugendliebe, die auf einer einsamen Insel ihr Dasein fristet. Ihre Tochter ist verschwunden, Edward soll sie wieder finden. Schließlich ist er Polizist. Als ein solcher reist er zur verwunschenen Insel und trifft auf seltsam feindliche Gastgeber, die ihm die Suche nicht gerade leicht machen.

Es kommt darauf an, wie man den Film sehen möchte: als Gruselfilm oder als Komödie. Für Ersteres ist Nicolas Cage in der Rolle des Retters in der Not (diesmal) eine komplette Fehlbesetzung. Für Letzteres gäbe es keine bessere Wahl als ihn. Cage lässt seinen Charakter so sehr unter den posttraumatischen Depressionen leiden, dass er die Grenze zur Übertreibung deutlich hinter sich lässt. Auf der Insel angekommen, folgt ein unfreiwilliger (?) Witz nach dem anderen. So wird er mit wachsender Verzweiflung immer hysterischer, fordert eine Insulanerin in typischer Copmanier auf, von ihrem Fahrrad zurückzutreten.

Selbst die sehr damenhafte Ellen Burstyn in der Rolle der Heidenführerin "Sister Summersisle" scheint den (Lach-)Tränen nahe, als sie während einer Ritualszene aufrecht in einem Bett hockt und sich in herrschaftlicher Pose von ihren Dienerinnen bedienen lässt. Ihr Vorgänger Christopher Lee ("Lord Summerisle" im Original von 1973) ließ stattdessen keinen Zweifel an der erschreckenden Bösartigkeit seiner Figur.

So ist LaButes unterhaltsamer, aber dramaturgisch wie logisch fehlerhafter Gruselspaß keineswegs als sozialkritischer Beitrag zu verstehen: nicht über das Heidentum, aber auch nicht über Gemeinschaften, die in frei gewählter Isolation in Negation zur modernen Zivilisation leben - wie zum Beispiel Michael N. Shyamalans "The Village". Selten war eine Schlussszene, deren Intention es eigentlich sein sollte, das Blut in den Adern gefrieren zu lassen, so komisch und stereotyp zugleich wie in "The Wicker Man", Version 2006.

Leif Kramp

Credits:
V:Warner, USA 2006, R: Neil LaBute, D: Nicolas Cage, Kate Beahan, Ellen Burstyn u.a.

Laufzeit: 102 Min.

Kinostart:
02.11.06


Edward Malus (Nicolas Cage) und seine frühere Verlobte (Kate Beahan) suchen verzweifelt die verschwundene Tochter Rowan.
Edward Malus (Nicolas Cage) und seine frühere Verlobte (Kate Beahan) suchen verzweifelt die verschwundene Tochter Rowan. (2006 Warner Bros. Ent.)

Bevor Police Officer Edward Malus (Nicolas Cage) auf die Privatinsel Summersisle kam, lebte er sehr zurückgezogen.
Bevor Police Officer Edward Malus (Nicolas Cage) auf die Privatinsel Summersisle kam, lebte er sehr zurückgezogen. (2006 Warner Bros. Ent.)

Schwester Summersisle (Ellen Burstyn) zeigt sich Edward (Nicolas Cage) gegenüber sehr distanziert.
Schwester Summersisle (Ellen Burstyn) zeigt sich Edward (Nicolas Cage) gegenüber sehr distanziert. (2006 Warner Bros. Ent.)

Datum: 31.10.2006

Facebook aktivieren

Diskussion: "Wicker Man - Ritual des Bösen"

Um eine Diskussion zu "Wicker Man - Ritual des Bösen" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 176825

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Zweier ohne
    „Zweier ohne“: So heißt eine Rudersportart, bei der ohne Steuermann gerudert wird. Ohne Steuerung ist auch die seltsam innige Freundschaft zweier Jungs, von der das deutsche Coming-Of-Age-Drama erzählt. ...

    Hallam Foe
    Kein Schauspieler will festgelegt werden auf eine bestimmte Rolle. Doch andererseits können manche wenig dagegen tun. Niemand will Audrey Tautou als Kriminelle sehen, sie ist und bleibt "die süße Amélie", ...

    Verrückt/Schön
    Mit drei Jahren Model, mit sieben bereits Werbefilm-Star und mit zwölf die erste Kinorolle - Kirsten Dunst ist der Inbegriff eines Kinderstars, jedoch mit einer entscheidenden Ausnahme. Das rothaarige ...

    Heavenly Creatures
    Der mittlerweile auf Hobbit-Maße abgemagerte "Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson scheint derzeit vom Gaming beseelt zu sein. Nicht nur, dass der neuseeländische Filmemacher ("King Kong") sein eigenes ...

    10 Dinge, die ich an dir hasse
    "Willst du mit mir gehen? Ja, nein, vielleicht" - Mancher erinnert sich sicher noch an die Zettelchen, die in Klassenzimmern oder Kinder-Discos der oder dem Angebeteten zugesteckt wurden. Eher ungewöhnlich ...

    Ran an die Braut
    Frauen können so grausam sein: Als College-Boy vom weiblichen Geschlecht bitter enttäuscht, beschloss Autor R. Lee Fleming Jr. ("Eine wie keine") anno 2000, seinen Liebeskummer von einst zumindest in ein ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 2174 - task = view - option = com_content - limitstart= 0