Faustregel: Wenn Sophia Coppola einen Film dreht, spielt die Musik immer eine wichtige Rolle. Das war bei "The Virgin Suicides" so, und auch bei "Lost In Translation. Der Trick: Das Unerwartete wagen, den Zeitgeist integrieren. Selbst "Marie Antoinette" (Start: 02.11.), am Ende doch ein klassischer Kostümfilm, wurde akustisch gepimpt: Sophia Coppola lässt die Musik einen Bogen von den frühen 80er-Jahren bis in die Moderne schlagen, aber eben auch Geschlossenheit bewahren. Es geht um Wave, um Elektropop - in der traditionellen und der modernen Leseart.
Bedeutet: Einerseits sind es die Kultur-Ikonen des Augenblicks, in dem Punk vom No-Future- zum Kultur-Dingens wurde. Gang Of Four, Siouxie & The Banshees, Bow Wow Wow und Adam & The Ants. Und dazu kommt halt die Moderne, und da bewies Frau Coppola Geschmack: So wählte sie neben Konsens-Künstlern wie Aphex Twin oder den Strokes auch Bands aus, die dem breiten Mainstream wohl so gar nichts sagen werden. Da singen etwa die Schweden Radio Department, die sich irgendwo zwischen Shoegaze und Indiepop klassischer Bauart bewegen, zwei Songs, auch die hochgelobten Windsor For Derby dürfen mal ran. So trifft Pop Ambient und klassische Soundtrack-Töne - für die freilich keiner der üblichen Verdächtigen engagiert wurde. Auch hier remixt Coppola gewissermaßen bereits Vorhandenes, mixt Opernarien und Cembalo-Sonaten aus dem frühen 17. Jahrhundert. Das klingt auf Papier merkwürdig wild, fast zu überlegt, kann aber als Doppel-CD durch atmosphärische Geschlossenheit überzeugen.