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Deftones - Saturday Night Wrist

Deftones Saturday Night Wrist

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Knappe vier Jahre sind eine lange Zeit im Rock-Geschäft. Trends und Stile ändern sich in diesem Zeitraum, eine neue Generation von Fans wächst heran. Das Zepter im Alternative-Rock haben in den drei Jahren seit der letzten, selbstbetitelten Deftones-Platte andere übernommen - und schon damals bezeichnete man die Truppe um Chino Moreno trotz herausragender Verkaufszahlen nicht mehr unbedingt als Genre-Schrittmacher. "Saturday Night Wrist" zeigt die Deftones zurück in alter Stärke - als nicht unbedingt schnellen, aber extrem lauten Bulldozer, der mit dem alten Öl des Nu-Metal erneut Erfolge einfahren wird.

Mit Dicke-Hose-Kasperletheater à la Linkin Park haben aber die Deftones auch 2006 nichts zu tun, sieht man von dem mit solchen Kapellen vergleichbaren enormen Produktionsaufwand ab. Moreno und Co. positionieren sich in einer Apokalypse, die auf verschiedene Arten erklärt wird: Das Album beginnt mit "Hole in The Earth", was so viel wie eine Vorbereitung auf die beiden Hauer "Rapture" und "Beware" ist. Und bevor das agressive Stromgitarrenriffing zu langweilen beginnt, folgt mit "Cherry Waves" die Ballade, der man anmerkt, dass die Deftones eben nicht auf MTV-Uniformität setzen, sondern auch progressiveren Einflüssen Raum lassen. Auch "Mein" - vielleicht sollte man mal die unergründliche Liebe amerikanischer Bands zu deutschen Wörtern ergründen - strahlt eher Melancholie als Härte aus, erinnert nicht zuletzt wegen der Sehnsucht in Morenos Stimme an die Smashing Pumpkins, während das folgende "U,U,D,D,L,R,L,R,A,B, Select, Start" in etwa so eingängig wie sein Titel und "Rats!Rats!Rats!" Screamo-Gewitter pur ist.

Mit Bob Ezrin (Pink Floyd, Jane's Addiction) und Shaun Lopez (Far) konnten die Deftones erneut ein renommiertes Produzentengespann verpflichten. Geschickt geben die beiden den "Saturday Night Wrist"-Songs Stimmungen, die sich nicht ohne Weiteres entschlüsseln lassen und die eben auch eine gewisse Halbwertszeit haben. Auch, wie Morenos Stimme in Szene gesetzt wird, ist beachtenswert. Zwischen Sehnsucht und Brutalität, zwischen Emo und Heavy Metal, zwischen Grauen und Schönheit pendelt sie hin und her, ohne sich irgendwo länger als fünf, sechs Minuten festzusetzen. Auch wenn die Epochalität von "White Pony" wohl nie mehr erreicht wird: So, und nicht anders, hat moderne Rockmusik auszusehen.

Jochen Overbeck


Datum: 03.11.2006

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Diskussion: "Deftones - Saturday Night Wrist"

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