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Mission: Impossible III

Mission: Impossible III

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Im 21. Jahrhundert brauchen Männer andere Qualitäten als die MI-6-Machos mit der Lizenz zum Töten, zum Verführen und zum Trinken von Wodka-Martini. Sie müssen nett sein, zuvorkommend, Karriere und Familie unter einen Hut bringen können und dabei gut, glücklich und erfüllt sein. Das passt zu Tom Cruise: Der war bei der Geburt seiner Tochter Suri natürlich an der Seite von Katie Holmes, flog aber kurz darauf nach Rom, um die Premiere von "M:i:III" (2006) zu feiern. Ein ausgefülltes Berufs- und glückliches Privatleben, so lautet seine Botschaft an die Welt, seien durchaus vereinbar. Bei Drehbuchautor und Regisseur J.J. Abrams muss sich der von Cruise gespielte IMF-Agent Ethan Hunt also nicht nur verlieben, sondern auch heiraten. Und das sorgt für eine Menge Probleme. "Mission: Impossible III" ist der vom Kinopublikum am wenigsten akzeptierte Film der Trilogie. Dabei hat der jetzt auf DVD erhältliche Actionkracher durchaus seine guten Seiten.

"Natürlich vertrau ich Dir", solche Sätze haben in Agentenfilmen immer eine ganz besondere Bedeutung. Bei Tom Cruises Ode an die Werte von Zweisamkeit und Familie kommen sie etwas unerwartet. Auf dem Dach des Krankenhauses, in dem Julie arbeitet, müssen sich Ethan und seine Frau nämlich kurz aussprechen wegen seiner häufigen Dienstreisen in letzter Zeit. Nach dem melodramatischen Dialog, der aus "Vom Winde verweht" hätte stammen können, wird schnell umgeschnitten, in die Krankenhauskapelle. Dort geben sich Julie und Ethan fix das Ja-Wort, und man ahnt, dass das nicht gut gehen kann.

Aber Regisseur J.J. Abrams, der Erfinder von "Alias - Die Agentin" und des bei ProSieben laufenden Mystery-Hits "Lost", weiß natürlich, dass es bei unmöglichen Missionen nicht nur um die Ehe geht. Hier ist Action gefragt. Also schickt er Hunt und sein Team, den unverwüstlichen Luther Sticknell (Ving Rhames) und die blassen Neulinge Declan (Jonathan Rhys Meyers) und Zhen (Maggie Q), nach Berlin, Rom und Shanghai, wo sie sich mit dem internationalen Waffenhändler Owen Davian anlegen. Und das ist kein Baukasten-Gegenspieler. Philip Seymour Hoffman erspielt sich mit seiner Interpretation locker einen Platz in der Ruhmeshalle der Leinwandbösewichte. So lustvoll, so hinterhältig, so gnadenlos gewissenlos wie er war selten ein Fiesling in einem Thriller. Der Typ spielt jeden Kino-Psychopathen an die Wand.

Dieser Davian hat einen Verbündeten beim Geheimdienst, der ihm die Agenten ausliefert. Eine davon will Hunt in Berlin befreien, sie stirbt aber, weil ihr eine Sprengkapsel implantiert wurde. Nach einer Abmahnung vom Chef wollen Hunt und Co. den Waffenhändler eigenmächtig dingfest machen und mischen dafür den Vatikan auf. Nach der explosiven Action in der Bundeshauptstadt kommt in Rom nur die feinste Technik zum Einsatz (später, in Shanghai wird dann die Physis betont). Die Mission ist erfolgreich, doch Davian redet nicht, sondern beleidigt und droht Hunt mit einer Arroganz und Boshaftigkeit, die selbst Gandhi zur Weißglut bringen würde. Die Drohungen beziehen sich, das ist der Preis der Liebe, auf Ethans Frau. Ja, der Agent ist angreifbar geworden. Er hat ja nicht mal Flitterwochen gehabt.

Die Story ist, abgesehen von der Familienglückskomponente, nicht wirklich überraschend, aber komplex genug, um eine lange Zeit Verwirrung zu stiften und fesselnd zu sein. Davian entkommt nach einer wirklich spektakulären Befreiungsaktion, bei der eine Brücke eingeäschert wird. Er kidnappt Julie, und hat Ethan, den in Sachen Frauen zu modernen Mann, damit in der Hand. Der dreht durch und arbeitet auf eigene Rechnung. Davian würde Julie verschonen, wenn ihm Hunt eine 850 Millionen Dollar teure Biowaffe beschafft. Das tut er in Shanghai, springt dafür zweimal von einem Hochhaus, hängt sich aus fahrenden Sportwagen, trinkt freiwillig unbekannte Elixiere, muss mit ansehen, wie seine Frau erschossen wird und lässt sich mit Stromkabeln töten und reanimieren. Es ist das spannendste Finale der bisherigen "Mission: Impossible"-Filme.

Von Anfang an ist "M:i:III" dreckig, physisch, echt. Abrams verzichtet auf eine glatte Optik und schafft eine größere Authentizität. Hier wackelt die Kamera, sind die Schnitte hektisch und die Farben verfremdet. Das ist visuell umwerfend. Der Sound ist wuchtig, genau austariert und setzt den Subwoofer genauso geschickt in Szene wie die Surroundboxen. Damit wird eine sehr räumliche Atmosphäre geschaffen, die Referenzqualitäten hat.

Der Film erscheint in zwei DVD-Versionen. Bereits die Single-Disc ist ordentlich mit Extras (Making Of, Audiokommentar, Tom-Cruise-Featurette) bestückt, richtig viel Bonus gibt es aber auf der Doppel-DVD. Allerdings sind die Dokumentationen über die Entstehung von Actionsequenzen, den Sound, die Musik und die Spezialeffekte relativ gewöhnlich und wirken wie von der Marketingabteilung konzipiert.

Andreas Fischer

bewertungsbox

bildformat 2,35:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1), Türkisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch, Türkisch
extras Audiokommentare J.J. Abrams (Regie) & Tom Cruise (Darsteller); Making Of; Entfallene Szenen; Featurettes: Generation Cruise, Mission Action, Visualisierung der Mission, In der IMF, Metamorphos
laufzeit 120 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 22 Euro
bewertung bild sehr gut
bewertung ton sehr gut
bewertung extras befriedigend

Credits:
(USA 2006, R: Jeffrey Abrams, D: Tom Cruise, Keri Russell, Ving Rhames u.a.)


In der dritten "Mission: Impossible" legen Tom Cruise und Regisseur J.J. Abrams großen Wert auf familiäre Werte, haben dabei aber trotzdem noch Zeit für ein explosives Action-Spektakel.
In der dritten "Mission: Impossible" legen Tom Cruise und Regisseur J.J. Abrams großen Wert auf familiäre Werte, haben dabei aber trotzdem noch Zeit für ein explosives Action-Spektakel. (Paramount)

Ethan Hunt (Tom Cruise) kämpft nicht mehr für das Vaterland, sondern für seine Frau.
Ethan Hunt (Tom Cruise) kämpft nicht mehr für das Vaterland, sondern für seine Frau. (Paramount)

Glückliche Szenen ihrer Ehe gibt es nur wenige: Ethan (Tom Cruise) und Julie Hunt (Michelle Monaghan) trinken ein Bier auf die Schönheit des Augenblicks.
Glückliche Szenen ihrer Ehe gibt es nur wenige: Ethan (Tom Cruise) und Julie Hunt (Michelle Monaghan) trinken ein Bier auf die Schönheit des Augenblicks. (Paramount)

Datum: 31.10.2006

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