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Eyes Wide Shut

Eyes Wide Shut

(tsch) Schon vor mehr als 30 Jahren wollte Stanley Kubrick Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" verfilmen - das Lieblingsprojekt des Regisseurs. Die Umsetzung mit Nicole Kidman und Tom Cruise unter dem Titel "Eyes Wide Shut" (1999) war schließlich nicht frei von mittleren bis größeren Katastrophen. Der als Perfektionist bekannte Kubrick verlangte seinen Darstellern wie gewohnt alles ab, ging hier aber noch über die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit hinaus. Einige Takes mussten bis zu 50 mal wiederholt werden. Gestandene Schauspieler wie Harvey Keitel warfen entnervt das Handtuch, Nicole Kidman entging nur knapp einem Nervenzusammenbruch, und selbst bei Tom Cruise zeigte der Stress Wirkung. Der Hollywood-Star wurde durch ein Magengeschwür wochenlang außer Gefecht gesetzt.

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Doch damit nicht genug: Am 7. März 1999, ganze vier Tage nach der Fertigstellung von "Eyes Wide Shut", starb der Regisseur völlig unerwartet. Auch die Ehe des damaligen Hollywood-Traumpaars Cruise / Kidman sollte den Film nicht lange überleben. Beide trennten sich kurz nach Beendigung der nervenaufreibenden Dreharbeiten, die auf Wunsch Kubricks in seiner Wahlheimat England stattfanden.

Die Parallelen zwischen Realität und Fiktion sind hier mitunter frappant. Tom Cruise spielt William Harford, einen angesehenen New Yorker Arzt, der seit neun Jahren glücklich mit Alice (Nicole Kidman) verheiratet ist. Nach einer Party, bei der beide heftig flirten, gerät Williams heile Welt aus den Fugen. Alice gesteht ihm, dass sie ihn einst in Gedanken mit einem Marineoffizier betrogen hat. Gepeinigt von den Bildern des imaginären Ehebruchs flieht ihr Gatte in das nächtliche New York und gerät dabei selbst mehrfach in sexuelle Versuchung. Der Höhepunkt seiner Odyssee ist ein mysteriöser Maskenball, bei dem er zum Zeugen wilder erotischer Ausschweifungen wird. Als er am nächsten Morgen nach Hause zurückkehrt, ist nichts mehr so, wie es einmal war.

Mit "Eyes Wide Shut" kehrte Stanley Kubrick noch einmal zu einem Thema zurück, das ihn schon in "Lolita" (1962) beschäftigt hatte. Es geht um Eifersucht, erotisches Verlangen und die Frage, ob absolute Treue zwischen zwei Partnern möglich ist. Kubrick wandelte die literarische Vorlage "Traumnovelle" in einigen wichtigen Punkten ab. Die Handlung wurde vom Wien des Fin-de-Siècle ins New York der 90er-Jahre verlegt.

Stärker noch als bei Schnitzler geht es Kubrick um die Auflösung der Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit, auf die schon der Titel "Eyes Wide Shut" anspielt. Was geträumt und was "real" war, bleibt am Ende für den Zuschauer genauso offen wie für den von Tom Cruise glänzend gespielten William Harford. Für einigen Wirbel sorgten die ausschweifenden Sexszenen des Films. Die kopulierenden Paare auf dem Maskenball mussten in der US-Version durch computergenerierte Statisten verdeckt werden. Andernfalls hätte "Eyes Wide Shut" nur in Pornokinos laufen dürfen.

Jan Treber


Noch scheint die Beziehung von William Harford (Tom Cruise) und seiner Frau Alice (Nicole Kidman) völlig ungetrübt zu sein.
Noch scheint die Beziehung von William Harford (Tom Cruise) und seiner Frau Alice (Nicole Kidman) völlig ungetrübt zu sein. (ZDF / Warner Bros.)

Alice (Nicole Kidman) ist längst nicht so glücklich, wie ihr Mann glaubt.
Alice (Nicole Kidman) ist längst nicht so glücklich, wie ihr Mann glaubt. (ZDF / Warner Bros.)

William Harfords (Tom Cruise) heile Welt bricht wie ein Kartenhaus zusammen.
William Harfords (Tom Cruise) heile Welt bricht wie ein Kartenhaus zusammen. (ZDF / Warner Bros.)

Datum: 13.11.2006

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Artikel ID 176432

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