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Feuertod

Feuertod: Antonia Rados über afghanische Frauen ...

(tsch) Ziemlich genau fünf Jahre ist es her, dass die USA die Talibanherrschaft in Afghanistan stürzten, und vor einem Jahr haben 54 Prozent der Afghanen ihr erstes eigenes Parlament gewählt. Eine Verbesserung der Lebensumstände hatte man sich vor allem für die Frauen im Land erhofft. Schließlich war es ihnen unter den Taliban unter anderem verboten gewesen zu arbeiten, und sie waren zum Tragen der Burka verpflichtet gewesen. Trotz der Aufhebung dieses Gebotes und des Einzugs von Frauen in das Parlament gibt es weiterhin Traditionen, die verheerende Konsequenzen nach sich ziehen. In ihrer Reportage "Feuertod" zeigt Auslandskorrespondentin Antonia Rados das Drama von Frauen, die als einzigen Weg aus der Zwangsverheiratung den Freitod durch Selbstverbrennung sehen.

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Die Reportage, die im RTL-Programm unter dem eigenartig sperrigen Titel: "Feuertod: Antonia Rados über afghanische Frauen, die sich selbst verbrennen" angekündigt wird, beginnt mit der Reise in die westafghanische Stadt Herat. Dort steht ein Krankenhaus, in das jährlich etwa 200 weibliche Brandopfer gebracht werden. Sie alle haben sich diese Wunden selbst zugefügt - als letzten Ausweg aus den Zwangsehen, in die sie oftmals von ihren Verwandten "hineinverkauft" werden.

Am Beispiel der 20-jährigen Gololai schildert Antonia Rados, welchen tragischen Verlauf ein solcher "Handel" oftmals nimmt. Denn die Hälfte der Frauen erliegen den Folgen ihrer Selbstverbrennung, die anderen bleiben mit schlimmen Narben zurück. Tagtäglich beobachten die RTL-Reporterin und ihre Kamerafrau die "Einlieferung" weiterer Frauen, die oftmals nach ihrer - zumindest körperlichen Genesung - aus Angst vor Bestrafung durch ihre Familien nicht mehr nach Hause wollen.

Auch Gololais Familie kommt zu Wort, und in überraschender Offenheit führen sie vor laufender Fernsehkamera Diskussionen, streiten und beschuldigen sich. Sogar beim Verhör von Gololais Zwangsehemann Gulam im Gefängnis ist das Filmteam zugegen - und die Art und Weise, wie von der Justiz mit dem Thema Zwangsverheiratung umgegangen wird, verstört und wirft weitere Fragen auf: Zum Beispiel, ob es überhaupt möglich ist, solche Praktiken jemals der Vergangenheit angehören zu lassen.

Mit zwei Kameraleuten und einem Assistenten wollte Antonia Rados zunächst nur eine kurze Reportage über die Zustände auf der Brandstation des Krankenhauses drehen, allerdings entwickelten sich die Umstände anders - insgesamt blieben sie zehn Tage vor Ort. Die meisten Bilder stammen von ihr selbst und ihrer Kamerafrau Antonia Francis, da Männer, so die bekannte RTL-Auslandsjournalistin, zu vielen Räumlichkeiten schlicht keinen Zugang hatten.

Auf die Frage, warum sie gerade dieses Thema wählte, erklärt Antonia Rados: "Das Thema 'Frauen und Afghanistan' war insofern nahe liegend, als ja vor genau fünf Jahren die Taliban gestürzt wurden. Was wir gesehen und dokumentiert haben, geht aber tiefer als jede Politik. Mir schien es zu einem gewissen Zeitpunkt der Dreharbeiten, dass die Traditionen, die man ohne weiteres als brutal bezeichen kann, so fest sind, dass jeder Einzelne ein Gefangener ist. Frauen und Männer." Derart direkten Zugang zur Familie Gololais und zu den afghanischen Gerichten zu bekommen, sei kein so großes Problem gewesen. "Die Familie hat uns fast überall filmen lassen. Das Krankenhaus ebenso. Die Gerichte öffneten die Tore, weil sie uns offenbar zeigen wollten, wie sehr sie sich der verbrannten Frauen annehmen."

Leider, merkt Antonia Rados kritisch an, "ist die Gerichtsbarkeit nichts als eine Farce". Mit ihrer Reportage wolle sie die Menschen anhalten, nicht die Augen davor zu verschließen, denn "was wir gefilmt haben, ist eine menschliche Tragödie im Afghanistan im 21. Jahrhundert, die sich ständig wiederholt!"

Jennifer Fraczek


Antonia Rados (53) ist als RTL-Auslandskorrespondentin immer wieder in die arabische Welt gereist. Nahost, Irak, Afghanistan sind Schauplätze, an denen sich zeigt, dass sich die Welt nach dem 11. September nachhaltig verändert hat, und zwar nicht nur politisch.
Antonia Rados (53) ist als RTL-Auslandskorrespondentin immer wieder in die arabische Welt gereist. Nahost, Irak, Afghanistan sind Schauplätze, an denen sich zeigt, dass sich die Welt nach dem 11. September nachhaltig verändert hat, und zwar nicht nur politisch. (RTL)

Im Frühjahr 2006 fuhr Reporterin Antonia Rados mit einem Kamerateam in die westafghanische Stadt Herat, um dort die verheerenden Zustände auf der Brandstation des örtlichen Krankenhauses zu dokumentieren.
Im Frühjahr 2006 fuhr Reporterin Antonia Rados mit einem Kamerateam in die westafghanische Stadt Herat, um dort die verheerenden Zustände auf der Brandstation des örtlichen Krankenhauses zu dokumentieren. (RTL)

Die 20-jährige Gololai (links) hat versucht, sich selbst zu verbrennen. Sogar am Krankenbett wird sie mit Beschuldigungen konfrontiert.
Die 20-jährige Gololai (links) hat versucht, sich selbst zu verbrennen. Sogar am Krankenbett wird sie mit Beschuldigungen konfrontiert. (RTL)

Datum: 12.11.2006

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Artikel ID 176551

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