(tsch) Tipp für Schauspiel-Newcomer: die Eitelkeit einfach mal vergessen und sich vor laufender Kamera viel hässlicher zeigen, als man ist. Dann sind allerlei Preise nicht mehr fern. Dies tat Charlize Theron in ihrem Film "Monster" (2003). Prompt gab's den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Das ZDF zeigt das aufwühlende Drama nun als Free-TV-Premiere im deutschen Fernsehen.
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Charlize Theron schockte die Zuschauer - und das nicht nur mit ihrem Mut zur Hässlichkeit im Film. Die wenigsten Kritiker hätten der gegenüber der Presse mitunter arrogant wirkenden Schauspiel-Schönheit eine solche Leistung zugetraut. Schließlich hatten bis dahin nur ein gespielter Nervenzusammenbruch an der Seite von Keanu Reeves in "Im Auftrag des Teufels" und ihr hübsches Lächeln unter anderem in "Gottes Werk und Teufels Beitrag" von ihren schauspielerischen Qualitäten gezeugt. Doch was die Südafrikanerin mit "Monster" ablieferte, übertraf tatsächlich das bisher da Gewesene.
Die Geschichte der Aileen Wuornos ist in zwei Dokumentarfilmen aufgearbeitet worden. Nick Broomfield, der vor allem durch seinen Film über den Musiker Kurt Cobain und seine Frau Courtney Love ("Kurt & Courtney", 1998) bekannt wurde, zeigte zuerst 1992 eine Frau, die - vom Leben enttäuscht - ins Getriebe der Prostitution geriet und sich nicht mehr befreien konnte. In seinen Interviews mit Aileen Wuornos versuchte der Dokumentarfilmer, hinter die Fassade der von der Außenwelt als Monster abgestempelten Mörderin zu blicken. Als Wuornos von einem unaussprechlich grausamen Gewalttäter vergewaltigt wurde, erschoss sie ihn in Notwehr. Damit wurde ein Rachefeldzug eingeläutet, an dessen Ende sieben erschossene Freier standen. Nach Jahren in der Todeszelle wurde Aileen Wuornos im Jahre 2002 durch die Giftspritze hingerichtet. Kurz vor der Vollstreckung besuchte sie Broomfield erneut, es entstand mit "Aileen: Leben und Tod einer Serienmörderin" ein zweiter Dokumentarfilm, den das ZDF am Dienstag, 21.11., 00.50 Uhr, ausstrahlt.
Die Independent-Regisseurin Patty Jenkins schrieb mithilfe der Arbeiten Broomfields und eigenen Gesprächen mit Wuornos in deren Gefängniszelle ein packendes Drehbuch, das sich zum größten Teil an den Fakten orientiert. "Wir haben aber bewusst die Identitäten der Freier vertauscht und verfremdet, damit die Familien der Opfer geschont werden", erklärt die Filmemacherin.
An der Seite von Charlize Theron, die ihren Oscar für die Darstellung der desillusionierten Highway-Killerin und gleichsam geschundenen Frauengestalt vollkommen zu Recht erhielt, agiert - nicht weniger intensiv - Christina Ricci als lesbische Gespielin der nach Rache dürstenden Furie. Riccis Rolle der Geliebten ist vieles zugleich: Ruhepol, Mysterium und Haltepunkt. Aileen Wuornos beteuerte bis zu ihrer Hinrichtung, sie sei ein Opfer ihrer Lebensumstände gewesen. Patty Jenkins trägt dieser Verteidigung Rechnung, lässt aber auch alle anderen Wertungen zu.
Doch den schwierigen Pfad der Beurteilung des Gesehenen muss der Zuschauer selbst beschreiten. Ob eher Sympathie oder Abneigung ob der Taten Wuornos empfunden wird, mag dabei sogar zweitrangig erscheinen. Viel wichtiger ist zumindest der Regisseurin eine differenzierte Auseinandersetzung mit der (Un-)Person. War die mordende Prostituierte ein Monster? Nach diesem Film mag mancher anders darüber denken - ohne aber dabei das Grauen der Mordtaten in Frage zu stellen.
Mit "Monster" startet das ZDF eine kleine Reihe mit Charlize-Theron-Filmen, die am Montag, 27.11, 22.15 Uhr mit dem Thriller "Im Auftrag des Teufels" (1997) fortgesetzt wird. Weitere drei Produktionen mit der heute 31-jährigen Schauspielerin schließen sich an.
Jan Treber
Während der Gerichtsverhandlung: Aileen (Charlize Theron) sieht sich selbst als Opfer und ist sich keiner Schuld bewusst. (ZDF / Gene Page)
Mit der lesbischen Selby (Christina Ricci, rechts) hofft Aileen (Charlize Theron), ein normales Leben führen zu können. (ZDF / Gene Page)
Sie hat den Job als Prostituierte satt: Aileen (Charlize Theron) ist kurz davor, Selbstmord zu begehen. (ZDF / Gene Page)
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