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Marnie

Marnie

(tsch) Angeblich war Tippi Hedren nicht nur Alfred Hitchcocks "Lieblingsblondine". Sie wurde während der Dreharbeiten zu "Die Vögel" (1963) sogar zu seiner Obsession. Dennoch arbeiteten die beiden für "Marnie" 1964 noch einmal zusammen, womit sich der platinblonden Schauspielerin eine Chance bot, "die man nur einmal im Leben bekommt". Auf anderen Seite soll sie sehr unter Hitchcocks Besitzansprüchen gelitten haben, die so weit gegangen sein sollen, dass er ihr ein Angebot François Truffauts verheimlichte, weil er nicht wollte, dass sie unter einem anderen Regisseur spielte. Unter welchen Vorzeichen der Thriller nun tatsächlich zustande kam, ein Klassiker ist er allemal geworden. Gezeigt wird er nun im Rahmen des ARTE-Psychothriller-Zyklus'.

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Besessen auf seine Art ist auch Mark Rutland (Sean Connery) von Margaret "Marnie" Edgar (Tippi Hedren), die unter diesem Namen als Sekretärin in seinem Verlag anfängt und zu Beginn eine sehr zuverlässige Arbeitskraft ist. Er stellt sie in dem Wissen ein, dass sie unter Kleptomanie leidet und ertappt sie schließlich bei dem Versuch, den Tresor auszuräumen. Der Reiz, etwas so Außergewöhnliches wie diese Frau zu besitzen, bringt Rutland dazu, immer tiefer nach den Gründen ihrer psychischen Krankheit zu forschen, zu der sich weitere Symptome hinzugesellen: Sie scheut vor Berührungen zurück, hat Angst vor Gewitter und vor roten Gegenständen. Rutland, der sie mit ihrem versuchten Diebstahl zu einer Heirat erpresst, stößt bei seinen - mitunter unter Anwendung von Gewalt vorangebrachten Nachforschungen - auf traumatische Ereignisse in Marnies Kindheit, an die sie sich zum Teil selbst kaum mehr erinnert.

Die Darstellung der Charaktere und ihre Psychologie sind die zentralen Elemente des Filmes. Denn anders als es zunächst scheint, hat nicht nur Marnie mit ihrer Psyche zu kämpfen. Genauso zweifelhaft ist Marks oftmals "fetischistisch" genannte Neigung, sie an sich zu binden und sogar zur Heirat zu zwingen. Dabei ist ein Satz aus einer Rezension von Ulrich Behrens für die Analyse des "Mark"-Charakters besonders zutreffend: "Wer Macht über sich selbst besäße, müsste keine Macht über andere ausüben." So ist es auch unklar, ob Marnie und Mark nach der Aufklärung der Ursachen ihres Verhaltens - mit dem Diebstahl des Geldes wollte sie die verhassten Männer an ihrer empfindlichsten Stelle treffen - eine glückliche Zukunft bevorsteht. Die war Tippi Hedren und Alfred Hitchcock nicht beschieden: Nach dem Drehbarbeiten zu "Marnie" brach Hedren den Kontakt zum Regisseur ab.

Die weiteren Filme aus dem Psychothriller-Zyklus bei ARTE sind "Der Mieter" am Montag, 20. November (20.45 Uhr), "Next Door" am Mittwoch, 27. November (00.00 Uhr) und "Das Geheimnis hinter der Tür" am Donnerstag, 30. November (20.45 Uhr).

Jennifer Fraczek


Mark Rutland (Sean Connery) hat sich in Marnie (Tippi Hedren) verliebt und möchte ihr helfen - aus welchen Motiven auch immer.
Mark Rutland (Sean Connery) hat sich in Marnie (Tippi Hedren) verliebt und möchte ihr helfen - aus welchen Motiven auch immer. (ZDF / Universal Studios)

Marnie (Tippi Hedren, Mitte) erkennt in Lil (Diane Baker), der Schwester von Marks verstorbener Frau, eine erbitterte Widersacherin.
Marnie (Tippi Hedren, Mitte) erkennt in Lil (Diane Baker), der Schwester von Marks verstorbener Frau, eine erbitterte Widersacherin. (ZDF / Universal Studios)

Wer Macht über sich selbst hat, braucht keine Macht über andere: Mark (Sean Connery) zwingt Marnie (Tippi Hedren), ihn zu heiraten.
Wer Macht über sich selbst hat, braucht keine Macht über andere: Mark (Sean Connery) zwingt Marnie (Tippi Hedren), ihn zu heiraten. (ZDF / Universal Studios)

Datum: 21.11.2006

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