logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Fernsehprogramm Kino Film Die letzte Kriegerin
Die letzte Kriegerin

Die letzte Kriegerin

(tsch) "In meinem Stamm gab es früher Krieger. Es waren Kämpfer mit Stolz, Menschen mit einer wunderbaren Seele." Erhobenen Hauptes steht sie da. Ihre Augen funkeln trotz des spärlichen Lichts auf dem schwach erleuchteten Parkplatz. Nichts kann diese Frau mehr erschüttern, sie ist eine Nachfahrin der einst so unbeugsamen Maoris, sie ist "Die letzte Kriegerin" (1994). Doch es bedarf zahlreicher Demütigungen und Schicksalsschläge, bis sie sich im Debütfilm des neuseeländischen Regisseurs Lee Tamahori ("James Bond 007: Stirb an einem anderen Tag", 2002), den ARTE nun wiederholt, endlich ihrer Wurzeln besinnt.

Anzeige

 

"Immer das Gleiche. Ich lerne nie, meine Klappe zu halten." Nach 18 Jahren an seiner Seite müsste Beth (gespielt von Neuseeland-Star Rena Owen) eigentlich wissen, dass ihr Mann Jake (Temuera Morrison) gewalttätig wird, sobald er einen über den Durst getrunken hat. "Jetzt geh' und mach' was mit deiner Scheiß-Visage, sonst wird mir noch ganz schlecht davon", ist eine seiner typischen Reaktionen, nachdem er Beth vergewaltigt und halb totgeschlagen hat. Gewalt ist die einzige Antwort, die Jake auf sein armseliges Leben kennt, er wird "ewig ein Sklave seiner Fäuste" bleiben.

Dennoch liebt Beth ihren Gatten, und lange will die schöne, stolze Frau nicht wahrhaben, dass die siebenköpfige Familie unter Jakes Brutalität und ihrer Machtlosigkeit auseinanderbricht: Ihr ältester Sohn hat sich in einer Straßengang "eine neue Familie" gesucht, der Zweitälteste wurde in ein Erziehungsheim gesteckt. Erst der Selbstmord der sensiblen 13-jährigen Tochter zwingt Beth zum Umdenken. Zu einem Neuanfang entschlossen, verlässt sie Jake samt ihrer vier Kinder und lässt das Mädchen nach alten Maori-Ritualen bestatten.

Auf den ersten Blick könnte "Once Were Warriors", so der Originaltitel des vielfach international ausgezeichneten Films, seinen Schauplatz überall auf der Welt haben. Gewalt in der Familie, Arbeitslosigkeit und Frust sind globale Themen. Doch Lee Tamahori, der gerade den SciFi-Thriller "Next" mit Nicolas Cage abgedreht hat, stellt sie nicht nur schonungslos dar, er sucht auch nach den Ursachen: Die Diskriminierung der Maoris, die von weißen Siedlern vertrieben wurden und nicht nur ihre Heimat, sondern auch Selbstachtung und Tradition verloren haben. Mit Beth' Rückbesinnung wird am Ende aber auch ein Zeichen der Hoffnung gesetzt. Schließlich waren die Maori ein Volk von Kriegern, das sich nicht so leicht unterkriegen lässt.

Jasmin Herzog


Grace (Mamaengaroa Kerr-Bell, links) und ihre Mutter Beth (Rena Owen) leiden unter der Tyrannei des trunksüchtigen Familienoberhauptes.
Grace (Mamaengaroa Kerr-Bell, links) und ihre Mutter Beth (Rena Owen) leiden unter der Tyrannei des trunksüchtigen Familienoberhauptes. (ZDF / Stuart Dryburgh)

Jake (Temuera Morrison, Mitte) hat keine Arbeit, also will er wenigstens Spaß: Doch es wird fatale Folgen haben, dass er seine zunehmend aggressiven Saufkumpane zu sich nach Hause einlädt.
Jake (Temuera Morrison, Mitte) hat keine Arbeit, also will er wenigstens Spaß: Doch es wird fatale Folgen haben, dass er seine zunehmend aggressiven Saufkumpane zu sich nach Hause einlädt. (ZDF / Stuart Dryburgh)

Boogie (Taungaroa Emile), Sohn von Beth und Jake, wird in ein Erziehungsheim gesteckt. Doch dort lernt er nicht nur Disziplin kennen, sondern auch die Rituale seiner Ahnen.
Boogie (Taungaroa Emile), Sohn von Beth und Jake, wird in ein Erziehungsheim gesteckt. Doch dort lernt er nicht nur Disziplin kennen, sondern auch die Rituale seiner Ahnen. (ZDF / Stuart Dryburgh)

Datum: 29.11.2006

Facebook aktivieren
Artikel ID 176992

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Manatu - Nur die Wahrheit rettet dich
    Nichts schweißt eine Familie enger zusammen als ein gemütlicher Spieleabend. - Wer das tatsächlich denkt, dem ist schon lange kein "Mensch ärgere dich nicht"-Brett mehr entgegengeflogen und der musste ...

    Morgen räum ich auf
    Jeder hat so einen im Bekannten- oder gar Freundeskreis: einen, der es nicht hinkriegt mit der Ordnung, der in seinem ungeordneten Haushalt beinahe umzukommen scheint. Aber so recht einzuordnen wusste ...

    Das wahre Leben
    Der unkonventionelle Arbeitstitel "Bummm! Deine Familie, Dein Schlachtfeld" wurde vom Verleih ausgetauscht. "Das wahre Leben" (2006) hieß Alain Gsponers Film, der nun in der Reihe "Debüt im Ersten" läuft, ...

    Couscous mit Fisch
    "Couscous mit Fisch" hat vor allem eins: viel Sinn für das Zwischenmenschliche. Der Film des französischen Regisseurs algerischer Abstammung Abdel Kechiche ist ein sehr herzliches und lebendiges Porträt ...

    Grace Is Gone
    Wenn in letzter Zeit der Irak-Krieg in US-Filmen thematisiert wurde, stand der menschliche Aspekt im Vordergrund, etwa in Paul Haggis` „Im Tal von Elah“ (2007) oder Kimberly Peirces „Stop-Loss“ (2008). ...

    Lovesong für Bobby Long
    2005 war ihr Jahr, und es war ein gutes: Scarlett Johansson war eine der dominantesten Schauspielerinnen auf den weltweiten Kinoleinwänden. Zwar erreichten ihre fünf Filme nicht mehr das Zuschauerpotenzial ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 35 - id = 2217 - task = view - option = com_content - limitstart= 0