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Holy Lola
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Holy Lola

(tsch) Der Himmel ist ständig in Bewegung, in Phnom Penh regnet es unaufhörlich, alles ist voller Wasser - es ist eine unfreundliche Begrüßung. Die Franzosen sammeln sich dann auch in Hotels, in kleinen Kommunen, abgeschieden von der wirklichen Welt. Warten, hoffen, enttäuscht werden und wieder hoffen - ihre Tage sind lang und immer gleich. Manchmal sind die Paare monatelang in Südostasien, bis sie Glück haben. Beziehungen werden auf die Probe gestellt, das eigene Leben muss überdacht werden. Die Franzosen sind da, um Kinder zu adoptieren. Die Prozedur im eigenen Land ist zu langwierig, der Kinderwunsch zu groß. Also hoffen sie, in einem Waisenhaus in Kambodscha schneller ihr Glück zu finden.

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Géraldine (Isabelle Carré) und Pierre (Jacques Gamblin) sind ein solches Paar. Er ist Arzt, sie sind wohl situiert und müssen sich um materielle Dinge keine Sorgen machen. Nur das Kinderzimmer, das sie bereits eingerichtet haben, ist leer. Sie können keine eigenen Kinder bekommen, die Wartelisten für Adoptionen sind viel zu lang für das Bedürfnis, eine komplette Familie zu sein. Also fahren sie nach Kambodscha - in ein völlig fremdes Land, das sie auf eine harte Probe stellt.

Sie sind Fremde, verstehen die Menschen und ihre Kultur nicht und müssen sich durchkämpfen. Das Labyrinth der Bürokratie ist ein nimmersatter Schmiergeldmoloch, die endlosen Touren durch die Waisenhäuser sind zermürbend. Das Glück scheint hier noch weiter entfernt zu sein, als im gewohnten Umfeld zuhause. Géraldine und Pierre finden sich plötzlich in einer Extremsituation wieder, in der ihre Liebe auf eine harte Probe gestellt wird. Das ewige Warten und die ständigen Enttäuschungen strapazieren Geduld und Kraft - bis Géraldine eines Tages die kleine Lola im Arm hält und das Glück endlich greifbar wird.

Trotz aller Menschlichkeit von Géraldine und Pierre, ihren persönlichen Schwächen und Stärken, ihrem unerschütterlichen Wunsch, einfach nur Eltern sein zu können, haftet der ganzen Adoptionstour das Flair eines Marktplatzes an. Babys werden zur Ware, der man nachjagt: Luxusgüter, die nur zu haben sind, wenn man die nötigen finanziellen Mittel aufbringt und es versteht, sich den Weg durch die Behörden zu schmieren. Der Westen kauft sich alles, was er bekommen kann. Und wenn etwas nicht zu haben ist, dann erhöht er den Preis so lange, bis er es besitzt.

"Die Amerikaner", so sagen die Franzosen verbittert, "machen alles kaputt". Die kommen nämlich mit einem Bündel Dollarscheine her, bezahlen 20.000 statt 4.000 Dollar und kaufen die Waisenhäuser leer. Aber sie machen nur das, was alle anderen auch täten, wenn sie die notwendigen Mittel hätten. Hier greifen die ganz normalen Marktmechanismen - die Nachfrage bestimmt den Preis. Das ist traurig und bitter, aber einfach nur die erschreckende Wahrheit.

Es ist ein krasser Gegensatz, den Bertrand Tavernier zeichnet. Ein gefühlloses, kaltes, technokratisches Umfeld, in dem die menschlichste aller Emotionen stark ist wie kaum irgendwo anders. Muttergefühle, gepaart mit Verzweifelung - die Menschen drohen zu zerbrechen, obwohl sie in einem völlig fremden und bitterarmen Land einsehen müssen, dass ihre eigenen Probleme relativ sind.

Der Regisseur, der die Gesellschaftskritik zum Hauptdarsteller vieler seiner Filme erhoben hat, erzählt diesmal recht konventionell und verbindet verschiedene Elemente zu einer reichlich überambitionierten Erzählung. Das Melodram der Beziehung zwischen Pierre und Géraldine, die sich in einer Extremsituation ihrer Liebe vergewissern müssen, findet in einem sozialkritischen Kontext statt, in dem die Fremdheit des Landes wie eine Kulisse für sein Anliegen wirkt.

Vieles, was er zeigt, ist redundant, wiederholt sich und verliert dadurch an Spannung und Aussagekraft. Ein wenig oberlehrerhaft wirkt es bisweilen, wenn Pierre und seine ebenfalls adoptionswilligen Hotelbekanntschaften zum x-ten Mal in irgendeinem kambodschanischen Büro die Mitarbeiter schmieren und gleich noch ein Bündel Geldscheine für deren Chefs da lassen. Oder wenn Pierre und Géraldine wiederholt in einem beliebigen Waisenhaus hoffnungsvoll in traurige Kinderaugen blicken, nur um zu erfahren, dass im Moment "wirklich gar nichts möglich ist".

Nach dem zehnten erfolglosen Besuch sieht man Géraldine im Hotelflur - an ihr geht eine Frau vorbei, die nach monatelangem Warten endlich Glück hatte und ein adoptiertes Baby im Arm hält. Géraldines Blick im Vorbeigehen spricht Bände, ihre Verzweiflung und Trauer füllt eine halbe Sekunde lang den Raum aus - aber Tavernier lässt der Emotionen keinen Platz und zoomt sich noch einmal an ihr Gesicht heran, um sich unmissverständlich klar zu machen. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen, Kino lebt auch von den Bildern, die im Kopf entstehen. Alles muss nicht gezeigt werden - der Wink mit dem Zaunpfahl gerät so zum Schlag ins Gesicht. Kürzeres und strafferes Erzählen heißt nicht, dass dem Film sein Anliegen abhanden kommen muss.

Andreas Fischer

Credits:
V:Prokino, F 2004, R: Bertrand Tavernier, D: Jacques Gamblin, Isabelle Carré, Lara Guirao u.a.


Im Kambodscha, so hoffen Géraldine (Isabelle Carré) und Pierre (Jacques Gamblin), wird sich ihr Kinderwunsch durch eine Adoption erfüllen.
Im Kambodscha, so hoffen Géraldine (Isabelle Carré) und Pierre (Jacques Gamblin), wird sich ihr Kinderwunsch durch eine Adoption erfüllen. (Prokino)

Wäre ihre Liebe nicht so stark, dann wären Géraldine (Isabelle Carré) und Pierre (Jacques Gamblin) in Kambodscha längst verzweifelt.
Wäre ihre Liebe nicht so stark, dann wären Géraldine (Isabelle Carré) und Pierre (Jacques Gamblin) in Kambodscha längst verzweifelt. (Prokino)

Das Glück ist zum Greifen nah: Im Waisenhaus sehen Géraldine (Isabelle Carré) und Pierre (Jacques Gablin) nach unendlicher Warterei zum ersten Mal ihr Adoptiv-Kind.
Das Glück ist zum Greifen nah: Im Waisenhaus sehen Géraldine (Isabelle Carré) und Pierre (Jacques Gablin) nach unendlicher Warterei zum ersten Mal ihr Adoptiv-Kind. (Prokino)

Datum: 14.08.2005

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