(tsch) Als ernsthafte Zukunftsvision zum Thema "Künstliche Intelligenz" taugt "A.I." so gut wie zu keinem Zeitpunkt. Vielmehr ist der Film, den die ARD im Vorfeld des 60. Geburtstags von Steven Spielberg (18.12.) zeigt, ein Sci-Fi-Märchen, das visuelle Eindrücke und einfache Emotionen in den Mittelpunkt rückt. Deshalb dürfen darin kleine Roboter, die wie Pinochio ein echter Junge werden wollen, viele bittere Tränen vergießen ...
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Haley Joel Osment - jener Knirps aus "The Sixth Sense", der zuletzt von einem US-Gericht wegen Autofahrens unter Alkoholeinfluss und Besitzes von Marihuana zu drei Jahren auf Bewährung verurteilt wurde - spielt den allzu menschlichen Blechkübel. Als künstlicher Junge David reist er durch drei völlig unterschiedliche Welten und ist damit die einzige Konstante des Films - sieht man einmal von einem süßen sprechenden Teddy ab, der im Film seinen Auftrag, die Kinderherzen zu erobern, spielend erledigt.
Zu Beginn nimmt David den Platz ein als "Kind" von Henry Swinton (Sam Robards) und seiner Frau Monica (Frances O'Connor), deren eigener Sohn seit Jahren im Koma liegt. Nach kurzem Zögern aktiviert die Mutter bei David eine Art Emotions-Chip, der dafür sorgt, dass der Roboter seine Eltern zu lieben beginnt. Doch als der wahre Sohn ins Leben zurückkehrt, bestimmen fortan höchst menschliche Regungen das Familienszenario. Es geht um Eifersucht, Einsamkeit, Liebesentzug. David aber ist unberechenbar, und seine Eltern wissen keinen anderen Ausweg, als ihn in einem Wald seinem Schicksal zu überlassen.
Damit beginnt der zweite Teil, in dem der Junge mit einer menschlichen Gesellschaft konfrontiert wird, die ihrer Schöpfungen kaum noch Herr wird. Alte Roboter, die kaputt sind, werden in spektakulären Arenen buchstäblich verheizt. Spielberg erwartet tatsächlich, dass der Zuschauer so etwas wie Mitleid empfinden soll für die skurrilen Gestalten und hofft so, moralische Fragen aufwerfen zu können. Gemeinsam mit dem mechanischen Gigolo Joe (Jude Law, ab 7.01.2007 im Politthriller "Das Spiel der Macht" zu sehen) zieht David fortan durch die Lande auf der Suche nach der blauen Fee, die Pinocchio vom Holzmännchen zum echten Jungen werden ließ. Beide verschlägt es nach Rouge City, eine Art Las Vegas der Zukunft, wo David den Aufenthaltsort der Fee erfahren will.
Teil drei schließlich spielt an einem Ort, der ohne jeden Bezug zu bekannten Realitäten ist. Der Film unternimmt einen riesigen Zeitsprung, konfrontiert den Betrachter mit kaum vorstellbaren Weltordnungen, mit Aliens und viel Eis - und wird zur klassischen Science-Fiction. Der junge David ist zunächst ebenso ratlos wie auch der Betrachter.
Dem mutet "A.I." viel zu, zu viel vielleicht. Reicht zu Beginn noch die Vorstellungskraft für die Ereignisse aus, um den Charakteren nahe zu sein, zieht sich mit fortlaufender Zeit der Film in seine eigene, bunte Welt zurück, der der Zuschauer nur noch rätselnd und manchmal staunend zusehen kann. Den märchenhaften Charakter bewahrt sich "A.I." wohl, doch eine "Moral von der Geschicht'" lässt sich beim besten Willen nicht mehr erkennen.
Nick Petersen
David (Haley Joel Osment) ist ein kleiner Roboter, der ein echter Junge werden will. (ARD Degeto)
David (Haley Joel Osment, links) und sein Freund Gigolo Joe (Jude Law) fliehen. (ARD Degeto)
Davids (Haley Joel Osment) "Mutter" (Frances O'Conner) aktiviert den Liebescode des Kinderroboters. (ARD Degeto)
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