Schmerzliche Wahrheiten, vorhersehbare Gags und apokalyptisches Pathos
Auf welche Filme kann sich der Kinofan im November freuen? Wir sind uns sicher, dass BORAT eine große Fan-Gemeinde finden wird, aber auch das neueste James-Bond-Abenteuer CASINO ROYALE sollte die Erwartungen erfüllen. Zu sehen war der Film für die Presse zwar bisher noch nicht, aber der Trailer gibt Anlass zu großen Hoffnungen. Beeindruckend, wenn auch stellenweise arg pathetisch ist Alfonso Cuarons apokalyptischer Science-Fiction-Film CHILDREN OF MEN. Enttäuschend, vor allem im Vergleich mit seinem Vorjahres-Erfolg „Match Point“ ist dagegen Woody Allens langerwartete Krimi-Komödie SCOOP.
Eine überdrehte, politisch höchst unkorrekte Bildungsreise kann der geneigte Kinobesucher ab dem 2. November mit Borat unternehmen. Selten hat ein Film so viele Klischees und Vorurteile ins Groteske überzeichnet und noch seltener kamen dabei derart schmerzliche Wahrheiten ans Licht.
Die Geburt einer Legende wird in James Bond 007: Casino Royale (23. November) erzählt. Unter der Regie des einschlägig vorbelasteten Martin Campbell („Goldeneye“) nimmt nicht nur ein junger Agent namens James Bond, sondern auch der neue Darsteller Daniel Craig seinen ersten Auftrag entgegen: Der geheimnisvolle Le Chiffre, Geldgeber eines internationalen Terroristen-Netzwerks, soll im titelgebenden Glücksspielhaus um sein Vermögen gebracht werden. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn der Bösewicht riecht Lunte und unternimmt fortan alles, um den Plan Bonds und seiner verführerischen Kollegin Vesper Lynd (Eva Green) zu verhindern. Packende Stunts, trickreiche Gimmicks und bombastische Action sollten garantiert sein.
Eigentlich sind die faszinierendsten Science-Fiction-Storys doch solche, in denen man das Abstoßende der zukünftigen Gesellschaft nicht auf den ersten Blick erkennt. Der mexikanische Regisseur Alfonso Cuarón entscheidet sich in Children of Men (9. November) für das Gegenteil, dies aber ästhetisch ausgefeilt und konsequent: In tristen Grautönen präsentiert Emmanuel Lubezkis Kamera das London von morgen, in dem Ausländer in Käfigen am Straßenrand zusammengepfercht werden und die Menschheit seit beinahe zwanzig Jahren auf die Geburt eines neuen Erdenbürgers wartet. Der Journalist Theo (Clive Owen) gerät zwischen die Fronten von Regierung und einer militanten Untergrundgruppierung... Auch wenn etwas weniger Opernpathos, religiöse Symbolik und fragwürdige KZ-Vergleiche dem Film gut getan hätten, so beeindrucken doch die apokalyptische Grundstimmung und vor allem die atemberaubenden Fahrten mit der Handkamera durch die Ruinen einer bürgerkriegsähnlichen Zivilisation.
Die Themse-Metropole zum Zweiten, nun im hier und heute. Woody Allen versucht nach „Match Point“ mit Scoop – Der Knüller (16. November) nochmals ein As zu landen – und schlägt dabei (weit) ins Aus. Diesmal macht seine Neo-Muse Scarlett Johansson als amerikanische Nachwuchsjournalistin Jagd auf den berüchtigten Tarotkarten-Mörder und verliebt sich dabei in prompt den Hauptverdächtigen, einen von „Wolverine“ Hugh Jackman unterkühlt-lässig gespielten Aristokraten. Eine vorhersehbare, typisch Allen’sche Gag-Parade, die eigentlich nicht mehr ist als die britische Variante seiner „Manhattan Murder Mystery“. Seinen treuen Fans sei nicht verschwiegen, dass sich der Stadtneurotiker zur Abwechslung mal wieder selbst eine Rolle auf den Leib geschrieben hat, in der als (jüdischer) Zauberer den altbekannt dauerquasselnden und frauenphoben Zappelphilipp gibt.
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