Tanz der Vampire

Tanz der Vampire

(tsch) An den Dracula-Stoffen, wie sie vor allem das Londoner Horrorfilm-Studio Hammer verfilmte, kamen Zuschauer der 60er- und 70er-Jahre nicht vorbei. Besonders der Dracula-Darsteller Christopher Lee wurde als Ober-Vampir hochberühmt. Er spielte den Blutsauger nach "Dracula" (1958) selbst in Parodien wie "Dracula jagt Minimädchen". Doch erst mit Roman Polanskis Dracula-Persiflage "Tanz der Vampire" (1967) kam noch einmal Leben in die Spinnweb-Bude. Wie alle Dracula-Filme geht auch Polanski auf den Roman des Iren Bram Stoker zurück, der seinerseits den legendären Fürsten Vlad, mit Beinamen "Drakul" ("Teufel") oder auch "Der Pfähler" genannt, zum Vorbild hatte. ARTE holt den schwarzhumorigen Kultfilm anlässlich eines Programmschwerpunktes zu Ehren des Regisseurs, der 2005 mit dem Remake "Oliver Twist" seinen bislang letzten Kinoerfolg feierte, noch einmal aus den Archiven.

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In den tiefverschneiten Karpaten Transsylvaniens machen sich der verschrobene Professor Ambronsius (Jack MacGowran) und dessen Gehilfe Alfred (Roman Polanski) auf die Jagd nach Vampiren, um sie zu erforschen. Ambronsius ist, wie ein Vorspann besagt, ein berühmter Fledermausspezialist, hat aber vor kurzem wegen angeblich absurder Theorien seinen Lehrstuhl an der Königsberger Universität verloren.

Als die beiden in einer abseits gelegenen Herberge absteigen, die sie mit dem Pferdeschlitten erreichen, weisen ungeheure Mengen Knoblauch sowie die angstvollen Reaktionen des Wirts darauf hin, dass der Fürst der Untoten nicht fern sein kann. Auffällige nächtliche Geräusche sind allerdings menschlichen Ursprungs: Der Wirt schleicht in der Nacht in das Zimmer seiner jungen Magd und wird dabei von seiner dicken Frau verfolgt. Einen für ihn bestimmten Schlag mit einer Riesensalami erhält versehentlich der Vampir-Professor auf den Kopf.

Alfred, der sich anderntags in die hübsche Wirtstochter Sarah verliebt, gestattet dieser, das den Forschern vorbehaltene Badezimmer zu benutzen und sieht durchs Schlüsselloch, wie Sarah (Sharon Tate) von einem durch das Dachfenster gekommenen Vampir geküsst und entführt wird. Die Theorien des Professors scheinen sich zu bestätigen - und mehr noch: Sarahs Vater, der Wirt (Alfie Bass), entpuppt sich als Vampir, auf dessen Spuren man zum Schloss des Grafen Krolock (Ferdy Mayne) gelangt.

Polanski hat seine Vampir-Komödie mit zahlreichen Genre- und Literaturanspielungen ("Don Quichotte", Kafkas "Schloss") durchsetzt, und einer seiner Hauptgags ist es, dass es Herbert, der schwule Sohn des Grafen, auf Alfred abgesehen hat. Als Herbert seine Zähne bei der nächtlichen Vampirjagd in Alfreds Hals schlagen will, schiebt ihm dieser ein Buch zwischen die Zähne. Höhepunkt des ganzen Films ist der Titel-Tanz der Vampire, ein Fest, in dessen Verlauf einzig der Professor und Alfred in den Spiegeln des Tanzsaales zu sehen sind und sich damit als die einzigen Sterblichen unter all den Untoten outen. Mit knapper Not können sie jedoch, gemeinsam mit Sarah, entkommen - nicht wissend, dass sie mit ihr eine Vampirin und damit das Böse in die Welt bringen werden.

Polanskis Film ist mehr als bloße Parodie und höllischer Spaß. In seiner pessimistisch-kritischen Weltsicht prangert er zugleich Feigheit und Forscherblindheit an. Ungehindert übt der Graf seine blutsaugerische Schreckensherrschaft über die Bewohner des Dorfes aus. Der Film wurde in einer verunstalteten Fassung zunächst erfolglos in Amerika gezeigt und trat erst danach in der von Polanski erstellten langen Urfassung seinen weltweiten Triumphzug an.

Die wunderschöne Sharon Tate und Roman Polanski verliebten sich bei den Dreharbeiten ineinander und traten 1969 vor den Traualtar. Der traurige Rest ist bekannt und eine der tragischsten Geschichten, die Hollywood je zu erzählen hatte: In der Nacht zum 9. August 1969 - Polanski weilte in Europa, um Drehorte zu inspizieren - lud die im achten Monat schwangere Sharon Freunde zu einer spontanen Party in ihr neues Traumhaus am Cielo Drive in Beverly Hills ein, wo sie von vier Mitgliedern der berüchtigen "Manson-Family" überfallen und brutal niedergemetzelt wurden. Insgesamt wies Tates Körper 16 Stichwunden auf. Die Schauspielerin wurde nur 26 Jahre alt.

Frank Rauscher


Mythos und Kino-Kult: Roman Polanski und Sharon Tate in Polanskis "Tanz der Vampire" (1967).
Mythos und Kino-Kult: Roman Polanski und Sharon Tate in Polanskis "Tanz der Vampire" (1967). (ARTE F / Warner Bros. Distribution)

Ein Rendezvous mit Folgen: Sarah Shagal (Sharon Tate) und Graf von Krolock (Ferdy Mayne).
Ein Rendezvous mit Folgen: Sarah Shagal (Sharon Tate) und Graf von Krolock (Ferdy Mayne). (ARTE F / Warner Bros. Distribution)

Er kommt in der Nacht und giert nach Blut: Graf von Krolock (Ferdy Mayne).
Er kommt in der Nacht und giert nach Blut: Graf von Krolock (Ferdy Mayne). (ARTE F / Warner Bros. Distribution)

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