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Das Medienereignis "Deutschland. Ein Sommermärchen"

Nikolausi bringt Klinsi

(tsch) Eigentlich ist es ein ehernes Gesetz der Filmbranche: Vom Thema Fußball lässt man die Finger, weil mit einem solchen Streifen unter Garantie kein Blumentopf zu holen wäre. Sönke Wortmanns Doku "Deutschland. Ein Sommermärchen" stellt nun alles auf den Kopf. Der unterhaltsame Einblick in den Mikrokosmos der deutschen Nationalmannschaft wird als Kinoereignis des Jahres gehandelt, avancierte mit mittlerweile fast 3,5 Millionen Kinobesuchern zum erfolgreichsten Dokumentarfilm aller Zeiten, und nun bricht der ausschließlich mit Fernsehgeldern finanzierte Film auch noch alle Rekorde, was die TV-Verwertung angeht: "Deutschland. Ein Sommermärchen" wird am Mittwoch, 6. Dezember, im Ersten gezeigt. Nie schaffte es ein Kinofilm schneller ins Fernsehen.

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"Für uns stand immer fest, dass dieser Film noch dieses Jahr gezeigt werden soll - jetzt ist es ein Nikolausgeschenk an die Zuschauer im Ersten geworden", erklärte vergangene Woche WDR-Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf. Der Westdeutsche Rundfunk hat den Film, eine Produktion der Little Shark Entertainment in Ko-Produktion mit dem WDR / WDR mediagroup, gemeinsam mit der WDR Mediagroup finanziert.

Etwas überraschend kommt dieser frühe Ausstrahlungszeitpunkt schon. Schließlich sind die Kinosäle von Flensburg bis Garmisch derzeit noch immer voll mit Trikot tragenden und Fahnen schwenkenden Fans, die so mancher Vorstellung Stadionatmosphäre verleihen. Wortmanns Film lief ja erst am 5. Oktober an ...

Dabei hatte es bereits im Vorfeld einigen Hickhack um die Verwertung gegeben, wobei es nicht nur um die zeitnahe TV-Ausstrahlung, sondern vor allem auch um einen vorgezogenen DVD-Start des Films gegangen war. Im September war sogar von einem Boykott durch die großen Kinoketten die Rede, denn ursprünglich sollte die DVD laut Medienberichten schon Ende November herausgebracht werden, als branchenüblich gilt eine Verzögerung von einem halben Jahr. Inzwischen hat der Anbieter Kinowelt Home Entertainment die Veröffentlichung auf den 8. Februar 2007 gelegt.

Die TV-Ausstrahlung kommt indes um einiges früher als von Branchen-Insidern erwartet. Diese gingen bisher von einem Sendetermin "zwischen den Feiertagen", also kurz vor Jahresende, aus.

Ja, bestätigt Kristina Bausch von der WDR-Pressestelle lächelnd, so habe sie das auch vielfach nachlesen können. Nur: Seitens des WDR sei ein solcher Termin niemals genannt worden. "Wir haben von Anfang an lediglich gesagt, dass wir den Film noch 2006 zeigen werden." Mehr nicht. Als "Deutschland. Ein Sommermärchen" dann vergangene Woche in der Programmvorschau der ARD auftauchte, seien in der Pressestelle natürlich diverse Anrufe von verdutzten Journalisten eingegangen.

Aus Sicht des Senders macht die frühe Ausstrahlung am Nikolaustag gewiss Sinn. Denn "Deutschland. Ein Sommermärchen" ist ein Film mit Suchtpotenzial, den sich Fußballfans, deren engerer Kreis sich ja seit dem schwarz-rot-geilen Sommer zumindest mittelfristig ganz erheblich wundersam erweitert hat, gut und gerne mehrfach ansehen können. Zwischen Schweini am Handy im Bett und dem verzweifelten Oli Neuville bei der Urinprobe gibt es in den gut 105 Filmminuten ganz gewiss noch viele kleine Geschichten zu entdecken, die einem beim ersten Mal vielleicht gar nicht so aufgefallen sind. Außerdem beginnt demnächst die Zeit der großen Jahresrückblicke der Sender (den Anfang macht das ZDF bereits am Sonntag, 3. Dezember, mit "Menschen 2006"), und da spielt die WM ohne Frage eine Hauptrolle. Der ganze schöne Wahnsinn dieses Sommers wird dabei sicher noch einmal dermaßen massiv über die Fernsehzuschauer hereinbrechen, dass am Ende des Jahres wohl selbst der eingefleischteste Fußballfan auf alles Lust haben wird, nur erst mal nicht mehr auf Bilder von Klinsi und Co. Der WDR tat gut daran, die Ausstrahlung in den momentanen Hype um den Film hinein zu legen, sie musste der zu erwartenden Flut an Bildern und Stimmen zur WM zuvorkommen.

In der ARD läuft "Deutschland. Ein Sommermärchen" am 6. Dezember von 20.15 bis 22.15 Uhr. Da darf man gespannt sein, wie die vollen zwei Stunden gefüllt werden. Denn es soll nicht etwa - worüber im Vorfeld auch spekuliert worden war - eine längere Fernsehfassung gezeigt werden, sondern lediglich die Kino-Version - "eins zu eins", wie Kristina Bausch versichert. Was in den übrigen knapp 15 Minuten Sendezeit passiert, stehe noch nicht fest. Denkbar seien etwa weitere Stimmen und Interviews zum Film. Die Spekulationen sind eröffnet - wie wäre es zum Beispiel mit einer Live-Schaltung zu Jürgen Klinsmann an den Strand von Huntington Beach?

Frank Rauscher


Schwarz, rot, geil: David Odonkor feiert den Triumph im "kleinen Finale" in Stuttgart.
Schwarz, rot, geil: David Odonkor feiert den Triumph im "kleinen Finale" in Stuttgart. (WDR / Kinowelt Filmverleih)

"Deutschland. Ein Sommermärchen" sorgt in vielen Momenten für Gänsehaut - etwa wenn Jürgen Klinsmann die Mannschaft zum Sieg motiviert.
"Deutschland. Ein Sommermärchen" sorgt in vielen Momenten für Gänsehaut - etwa wenn Jürgen Klinsmann die Mannschaft zum Sieg motiviert. (WDR / Kinowelt Filmverleih)

Datum: 05.11.2006

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